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Auf der klassischen Route – Eine zweitägige Bootsfahrt auf dem Mekong

Ein Abstecher in ein zwielichtiges Etablissement

Ein irgendwie sehr ambivalenter Ort ist dieses Houay Xai. Auf der gegenüberliegenden Mekongseite winkt Thailand, wo die Uhren schon ganz anders ticken, als im oft verschlafenen Laos. Doch mag Houay Xai in der kleinsten Provinz der Volksrepublik auch ziemlich weit von den Zentren des laotischen Fortschritt entfernt liegen, so spürt man hier die Nähe zu Thailand um so deutlicher und somit auch die längst eingekehrte Routine im Umgang mit Ausländern. Eine Nacht möchten wir zum Zwischenstopp bleiben, schon morgen soll unsere zweitägige Bootsfahrt auf dem Mekong von Houay Xai nach Luang Prabang starten. Unverhofft aber wird der Abend ausschweifender als gedacht, denn zwei alte Bekannte kreuzen unseren Weg. Und der führt uns, zusammen mit Lukas und Patrick, in einen Schicki-Karaoke-Club mit lauter lustigen, aber sehr betrunkenen Einheimischen.

Auf der Suche nach der letzten geöffneten Bar im Ort landen wir zu später Stunde in einem etwas zwielichtigen Etablissement, in dem zumindest Lukas eindeutige Angebote erhält. Abschliessend versichern wir uns hoch- und heilig, am nächsten Morgen um halb zehn gemeinsam zum Pier zu laufen, um, wie geplant, das Boot zu nehmen. Vorhang zu.

Eine zweitägige Bootsfahrt auf dem Mekong beginnt

Vorhang auf. Zwei Tage später. Es ist neun Uhr. Die zweitägige Bootsfahrt auf dem Mekong von Houay Xai nach Luang Prabang soll um 11.30 Uhr starten. In der Hauptsaison lohnt es, um acht Uhr morgens am Pier zu stehen, um sich einen Fahrschein und einen guten Platz auf dem Boot zu sichern.

Jetzt, in der Nebensaison, sind wir mit einigen wenigen anderen Passagieren die Einzigen, die bereits so früh auf dem Boot sitzen. Für die erste Etappe haben wir Platzkarten erhalten, es wird aber schnell klar, dass diese keine Garantie für einen der weichen Bussitze ist, die rechts und links des Mittelganges stehen. Für die zweite Strecke gibt es ohnehin keine Sitzplatztickets mehr, wer hier zuerst kommt, malt zuerst. Bedenkt man, dass uns jeder, der wirklich langen Streckenabschnitte nur 105000 LAK kostet, was umgerechnet nicht mal 12,50€ sind, ist das völlig legitim.

Wie auf einer Ferienfahrt

Erstaunlich pünktlich (die akademische Viertelstunde on Top) legen wir gegen 11.45 Uhr mit dem Slowboat ab. Das überdachte Holzschiff ist lang und schmal, aber erstaunlich geräumig. Im Bug befindet sich der Steuerraum, gleich dahinter wird unter den Bodendielen werden Rücksäcke und Koffer verstaut, darüber stapeln sich die restlichen Gepäckstücke. Im Heck des Kahns sind Toiletten, der Maschinenraum und der Wohnbereich des Kapitäns, der aber während der Fahrt genutzt wird, um weiteren Gästen Platz auf dem Boden zu bieten.

Einige Passagiere tümmeln im vorderen Bereich des Schiffes, wo zwei Bänke die Wände säumen. Die Meisten aber sitzen in den zwei Reihen der alten Bussitze, rechts und links an den offenen Fenstern. Das allein lässt schon an eine Ferienfahrt erinnern. Noch mehr entsteht der Eindruck aber, weil jeder mit jedem in Kontakt kommt, Smalltalk und lange Gespräche kaltem Bier aus dem „Bordrestaurant“, wo die Frau des Kapitäns hinter einem Tresen Kaffee, Tee und kleine Snacks verkauft.

Die erste Etappe nach Pakbeng

In einem bunt gemischten Haufen aus Einheimischen, Touristen aus der ganzen Welt, Backpackern, Individualreisenden, Familien mit Kindern, älteren und blutjungen Menschen schippern wir durch die starken Strömungen des Mekongs. Erstaunlich, denn es ist heisse Trockenzeit. Der Fluss hat sicherlich weitaus weniger Wasser als zu anderen Jahreszeiten, das Boot aber schaukelt sich durch die teils heftigen Strudel.

Durch das Niedrigwasser ragen hier und da spitze Felsen aus den Fluten hervor. Die erste, etwa fünfstündige Etappe führt uns durch eine einsame Berg- und Waldlandschaft. Hier und da taucht ein kleiner Ort am Ufer des Mekongs auf, wo Kinder und Erwachsene auf die Ankunft des Bootes warten, dass mitunter Waren in die Dörfer bringt. Auf halber Strecke stoppen wir zur Zwischenübernachtung in Pakbeng. Ohne zu wissen, was uns hier erwartet, entscheiden wir uns vorab für ein Kombiticket beider Etappen und die Weiterfahrt nach Luang Prabang gleich am nächsten Morgen.

Wir müssen uns fast schon fremd schämen

Nicht etwas für die unmöglichen Touristen, sondern ausnahmsweise mal für die Laoten. Wie hoch preisen wir die Freundlichkeit der Menschen und dieses grossartige Land doch immer an. Und dann gelangen wir in einen Ort wie Pakbeng. Was uns erwartet sind mässig bis gar nicht freundliche Einheimische und eine Touristenabzocke schlechthin. Und das in unserem geliebten Laos. Das kleine Örtchen aber hat eine Monopolstellung als Zwischenstation auf der zweitägigen Bootsfahrt auf dem Mekong. Andere Übernachtungsoptionen gibt es nicht. Und so schlagen die Unterkünfte für die Lage des Ortes entsprechend ein paar tausend Kip auf ihre Zimmerpreise drauf. Die kleinen Shops und wenigen Restaurants entlang der Hauptstrasse zum Fähranleger übertreiben es in Sachen eines angemessenen Preisniveaus noch etwas mehr und schon wieder denken wir: Was mag denn jemand von Laos denken, dessen erster Eindruck dieser Ort ist? Ein Trauerspiel. Aber was solls.

Unsere Unterkunft, das Phonemani Guesthouse, liegt mit 80000 LAK zwar über dem gängigen Preis entlang der Hauptstrasse, bietet dafür aber auch ziemlich gute Zimmer. Und auch das (wohlgemerkt laotische!) Essen im indischen Restaurant ist nicht nur vergleichsweise günstig, sondern auch sehr lecker! Dem Laos, wie wir es kennen und mögen, begegne ich dann aber selbst hier noch. Natürlich auf dem morgendlichen Markt.

Von wegen, hier ticken die Uhren anders

Um neun Uhr soll das Boot am nächsten Morgen ablegen, geplant sind an die sieben Stunden flussabwärts bis Luang Prabang. Natürlich sind wir mal wieder unter den Ersten auf dem Kahn, denn wir wollen uns bequeme und gute Plätze sichern. Gar nicht so schwierig, denn das Boot ist insgesamt etwas besser ausgestattet, als am Vortag. Immer noch lümmeln wir uns in ausrangierten Bussitzen, aber über weite Teile sind jeweils zwei Sitze gegenüber von einander positioniert, in deren Mitte ein Tisch steht. Ein weiterer Pluspunkt an Tag zwei ist die geringe Passagierzahl. Als wir einige wenige rucksackbepackte und laut rufende Mitreisende erst kurz vor Abfahrtszeit zum Pier stürmen, können wir nur noch winken, denn das Schiff hat bereits abgelegt. Dass an diesem Tag ein zweites Boot nach Luang Prabang fährt ist sicher, denn wir treffen noch am gleichen Abend einen der Zurückgebliebenen in der Stadt.

Ein peitschender Regenguss

Die nächsten sieben Stunden auf dem Holzkahn sind ein Vergnügen, das Boot schaukelt sich weiterhin flussabwärts durch die quirligen Stromschnellen. Hier und da ein Dorf, ziehen wir durch eine hügelige Dschungellandschaft. Gegen Mittag reisst uns ein kurzer Wetterumschwung aus unseren Tagträumen. Von einer Minute zur anderen peitscht ein starker Regenguss gen Steuerbord bis ins Boot hinein. Ein kurzzeitiges emsiges Treiben beginnt, grosse Plastikplanen werden an den offenen Fenstern heruntergelassen. Doch der Sturm klingt ebenso schnell ab, wie er eingetroffen ist und so trudeln gemächlich weiter, passieren die Höhlen von Pak Ou und erreichen am späten Nachmittag die einstige Königsstadt Luang Prabang.

Hier geht es weiter.

2 thoughts on “Auf der klassischen Route – Eine zweitägige Bootsfahrt auf dem Mekong

  1. Hey Weltreisende,
    wann gehts denn endlich nach Australien?????? Der Sommer dort ist doch schon vorbei… Naja, man kann ja auch noch ein Jahr Auszeit nehmen….

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