Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – Chiang Rai und das Goldene Dreieck

Von dunklen Dämonen in der Kunst

Ich glaube, wir sind mitten in „The Walking Dead“ gelandet. Diese Zombie- Hände wollen doch aus dem Sumpf gezogen werden, diese Fratzen sind doch die Überbleibsel beisswütiger Untoter, oder etwa nicht? Aber nein, wir befinden uns nicht etwa im Schreckenskabinett des Dr. Phibes, sondern auf dem Gelände des Wat Rong Khun in Chiang Rai.

Auch White Temple genannt, weil das Gebäude in strahlendem Weiss in der Sonne erstrahlt, ist der Komplex das Werk eines landesweit bekannten Künstlers und seit 1998 in stetiger Weiterentwicklung. Und so ziemlich das Skurrilste, was ich je an religiösen Heiligtümern gesehen habe. Das Innere des Tempels (leider dürfen wir nicht fotografieren) toppt die Modellierungen von aussen fast noch. Die Dämonen der Welt sind in einem grandiosen Wandgemälde zusammengefügt, das stetig erweitert wird. Kriege, Krankheit, Waffen, Alkohol oder auch Handys sind zu erkennen. Mehrheitlich aber stechen ganz andere Dämonen aus dem bunten, detailreichen Gemälde heraus: Elvis Presley, Michael Jackson, Freddy Krueger, die Pokémons und die Transformers, Spiderman und Krieg der Sterne… Es ist absolut faszinierend, der Tempel ein fantastisches Gesamtkunstwerk.

Atem(be)raubende Berglandschaften

Der Jahrmarkt mit dem Schreckenskabinett scheint aber gerade auch nicht weit zu sein, denn meine Stimmungen fahren mal wieder Achterbahn. Vom Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, wenn ich diese Extreme wählen darf. Fliege ich gerade noch freudig durch die Lüfte des Kettenkarussells, lande ich sicher schon bald wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Wir sind mal wieder mit dem Roller unterwegs. Diesmal im äussersten Norden, dem letzten Zipfel des thailändischen Staatsgebietes, in einer atemberaubenden Berglandschaft. Vermuten wir, denn alles, was uns derzeit den frischen Atem raubt, ist der konstante Rauchschleier der Brandrodungen, der stetig als Dunstwolke über dem Horizont liegt. Die heisse Trockenperiode in Südostasien ist die Jahreszeit, in der die Felder zur Vorbereitung auf neue Ernten gezielt unter Feuer gesetzt werden. Die Farben der Landschaft wirken trostlos und so richtig erfreuen können wir uns gänzlich nicht an den Zielen, die wir anstreben. Enttäuschung und Lustlosigkeit legen sich wie ein Nebelschleier über unsere Stimmung und lassen Rundreise mit dem Roller leider zu häufig in trüben Licht erscheinen.

Vom Reichstag ins Naturfreibad

Und dennoch erleben wir durchaus schöne Momente der Reise rund um das Goldene Dreieck, nördlich von Chiang Rai. Von hier aus geht unsere Reise zunächst nach Thaton, einem kleinen Örtchen am Ufer des Mae Kok und am Fusse des Wat Thaton gelegen. Der mehrstufige Komplex irritiert. Erinnert der moderne Tempel durch seinen spiralförmigen Aufgang unter einer grossen Kuppel doch mehr an den Berliner Reichstag, denn an eine buddhistische Anbetungsstätte.

Freuen wir uns als nächstes auf den Bergort Mae Salong, werden wir leider enttäuscht. Der von chinesischem Tourismus bestimmte Ort würde uns zu einer anderen Zeit wohl vermutlich durch grandiose Ausblicke in die Bergwelt überwältigen und unsere Bedürfnisse befriedigen. Spontan flüchten wir ins etwas abseits gelegene Thoed Thai und erreichen einen kleinen Höhepunkt unseres Roller-Trips durch den hohen Norden. Der Ort, eine Kleinstadt, wirkt an vielen Stellen so dörflich und dabei ausgesprochen authentisch, dass wir mit breitem Lächeln den Einheimischen beim Planschen in ihrem selbstgestalteten Naturfreibad zuschauen.

Das Goldene Dreieck

Sagen, Legenden und Schmugglergeschichten klingen an, wenn die Sprache auf das Goldene Dreieck kommt. Das Goldene Dreieck ist auch heute noch der Inbegriff des Opiumanbaus, der Heroinproduktion und des Drogenhandels in Südostasien. Als geographischer Marker wird das Drei-Ländereck Laos, Thailand und Myanmar als das Goldene Dreieck bezeichnet, dort, wo der birmesische Ruak in den Mekong fliesst. Durch den offenbar nicht ganz erfolglosen Kampf gegen die Drogen ist der Ort heute zu einem Touristenmagneten mit Souvenirständen und Restaurants geworden.

Tatsächlich schliesst das Goldene Dreieck eine ganze Region um die Länder Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam ein, deren geometrische Form der eines Dreiecks gleicht. Gold diente ehemals als Tauschware für das Opium, mit der chinesische Händler das Heroin bezahlten und aufgrund dessen die Begrifflichkeit des Goldenen Dreiecks vermutlich Anfang der 1970er Jahre entstanden ist.

Auf der anderen Seite – über Chiang Saen zurück nach Chiang Rai

Zum ersten Mal stehen wir auf der anderen Seite. Auf der anderen Seite des Mekongs. Wir sind in Thailand und können auf das laotische Ufer hinüber spähen- so nah und doch so fern. Chiang Saen direkt am Mekong gelegen mutet mit endlosen Tempelruinen im Stil von Bagan in Myanmar an und lädt zu erholsamen Tagen am Rande der kühlen Bergwelt ein.

Von hier aus führt uns der Weg zurück nach Chiang Rai, nicht ohne vorher einen Stopp bei den Schwarzen Häusern einzulegen. Das Baandam Museum ist ein weiteres, sehr skurriles, spannendes Werk eines thailändischen Künstlers. Aus Tierknochen, -häuten und -fellen, landwirtschaftlichen Materialien aus dem Reisanbau oder in Form religiöser Symbole hat der Künstler ein Gesamtwerk der besonderen Art geschaffen. Eine Geschmacksache.- Ich finde es cool, Stephan ist da eher skeptisch.

Nachtmarkt in Chiang Rai

Und schon wieder eine Walking Street. Doch der Nachtmarkt in Chiang Rai begeistert uns. Die angepriesenen Waren richten sich vor allem an die Bedürfnisse der Einheimischen, was das Leben auf der Einkaufsstrasse am Samstag Abend nicht wie ein Touristenspektakel erscheinen lässt. Kulinarisch gesehen bietet die Flaniermeile eine Vielfalt aussergewöhnlich ansprechender Leckereien und so ist es nicht verwunderlich, dass sich die Tische und Stühle vor einer grossen Bühne schnell mit Besuchern füllen, die hier gemeinsam mit Familie und Freunden ihr Essen bei lauter Livemusik einnehmen. Wirklich besonders gestaltet sich der Abend dann aber erst, als die Menschen beginnen zu den Thai- Pop- Klängen zu tanzen. Fast wie bei einem Turnier rocken die Tänzer ihre Bewegungen im Gleichschritt. Unbeschreiblich einzigartig, ein krönender Abschluss in Chiang Rai.

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