Mit welchem Reiseführer durch Äthiopien?

Reiseführer Äthiopien

Äthiopien oder anderswo, unterwegs mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Auto, stets an einem Ort oder einfach on the road: Wir würden immer empfehlen mit zwei Reiseführern aufzubrechen, auch wenn dies natürlich zusätzliche Last bedeutet. Welche Reiseführer gut sind und Sinn machen, gilt für jedes einzelne Land neu zu entscheiden. Die Hauptkriterien, an denen wir uns orientieren und an welchen Stellen die gleich vorgestellten Reiseführer nützlich sind, findet Ihr zu Äthiopien hier.

Für ein Land wie Äthiopien ist die Auswahl der Reiseliteraturverlage verhältnismäßig überschaubar. Nach einigen Recherchen haben wir uns entschieden den Iwanowski’s und die englische Ausgabe vom Lonely Planet mitzunehmen. Die zwei Alternativen für Individualreisende sind der Reise Know-How und der Bradt Travel Guide.

Der Iwanowski´s

Zielgruppe des Iwanowski´s sind vor allem Individualreisende, die in der Regel mit dem eigenen Auto bzw. einem Wagen mit Fahrer in Äthiopien unterwegs sind. Große Pluspunkte sind daher die beiliegende Land- und Strassenkarte ebenso wie ausführlich beschriebene Routen und Zeitangaben. Eigener Wagen bedeutet in Äthiopien meist, dass die Reisenden sich ein Auto mit eigenem Fahrer gemietet haben, was für äthiopische Verhältnisse vergleichsweise teuer ist.
Da der Fokus auf dem eigenen Fahrzeug liegt, bietet der Reiseführer entsprechend wenig Informationen über öffentliche Verkehrsmittel und Busverbindungen.
Innerörtliche Karten zu den größeren Städten oder bekannteren Orten gibt es im Iwanowski´s natürlich auch. Diese könnten unserem Geschmack nach ein wenig detaillierter ausfallen.

Der Iwanowski´s spricht, unserem Eindruck zufolge, vor allem die Individualtouristen an, die in der mittleren bis oberen Preiskategorie unterwegs sind. Wir konnten ihn gut nutzen, da sich unsere Ansprüche, zumindest im Hinblick auf Unterkünfte, in den letzten Jahren etwas verändert haben. Diese müssen nicht luxuriös und schon gar nicht teuer sein, sie sollen schlicht sauber sein. Die Hotelsituation ist in vielen Teilen Äthiopiens sehr beschränkt, so dass manchmal nur zwei, drei Optionen aufgelistet sind. Der Iwanowski´s führt neben den Mittel- und Oberklasse- Hotels auch die Budgetunterkünfte auf. Hier fehlen zwar oft ausführlichere Erläuterungen, aber das ist ein Manko, das uns bei allen gängigen Reiseführern immer wieder unterkommt. Insgesamt wäre es hilfreich, Unterkunftshinweise an einheitliche Kriterien zu binden, wodurch die Unterkünfte miteinander vergleichbar wären (Sauberkeit, Preis, Preis-Leistung, Freundlichkeit,…).

Bei den Restauranttipps ist der Iwanowski´s, wie auch andere Reiseführer, darauf ausgerichtet, die Bedürfnisse von Touristen anzusprechen, die in Äthiopien zwar gerne mal einheimisch essen, aber auch auf europäische und amerikanische Gerichte nicht verzichten möchten. Hier nehmen wir selten Empfehlungen wahr, sondern „futtern“ uns eher selbst durch und vergleichen.

Im Iwanowski´s, wie auch in den meisten anderen Reiseführern, ist es schwierig gute Angaben über die klimatischen Verhältnisse im Land zu bekommen. Sicher ist: Voraussagen kann man alleine schon vor dem Hintergrund des Klimawandels nichts. Allerdings würden uns konkretere Umschreibungen zu den einzelnen Regionen hier hilfreich sein. Leider sind die Angaben, die erläutert werden, für uns persönlich zu ausschnittsbehaftet. Zu Beginn eines Kapitels über eine bestimmte Region wäre es für uns weitaus sinniger, detaillierte Informationen über die Temperaturen und Regenverhältnis in den einzelnen Monaten zu bekommen.

Für uns ist der Iwanowski´s in Äthiopien obligatorisch, weil er für unsere Hintergrundrecherchen zur Kultur, Historie, Religion und zu ethnologischen Gesichtspunkten immer die erste Wahl ist. Es gibt viele kleinere Geschichten zu bestimmten Personen oder Ereignissen, die uns oft halfen, besser zu verstehen. Zudem bietet er bei Wissenswertem über kulturelle oder historische Stätten ausführliche Beschreibungen und Erklärungen und zum Teil auch Skizzen. Im Anhang findet sich neben dem Sprachführer und den Literaturhinweisen, ein „kleines Kaleidoskop nordostafrikanischer Säugetiere“, was für Interessierte einen Bonuspunkt darstellt. Keine Voraussetzung für einen guten Reiseführer, aber aus unserer Sicht dennoch ein positiver Aspekt im Iwanowski´s, sind die Fotos zu den Artikeln.

Der Lonely Planet

Der Lonely Planet spricht den klassischen Backpacker an, der detailliertere Informationen zu Verbindungen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr benötigt und meist mit kleinerem Geldbeutel unterwegs ist.
Auch zu den Themen „Touren“ und „Touranbieter“ ist der Lonely Planet gut aufgestellt, wobei die Auswahl in Äthiopien hier insgesamt noch sehr rar ist.

Der Lonely Planet bietet für Schlafmöglichkeiten Informationen vom Low- Budget- Hotel bis zur Oberklasse- Unterkunft. Nicht überall sind ausführliche Beschreibungen vorhanden, auch hier wären einheitliche Kategorien sinnvoll, um die Alternativen vergleichen zu können. Im Gesamten sind die Angaben aber umfassender, z.B. zu W-LAN, Klimaanlagen, o.Ä..

Der Lonely Planet spricht, unserem Eindruck zufolge, hinsichtlich der Restaurants, Cafés und anderer Lokalitäten den Pizza-, Pasta-, Toast- und Party- Touristen (soweit es klassische Parties hier überhaupt gibt) an und führt nur wenige wirklich einheimische Alternativen zur Nahrungsaufnahme auf.

Auch der Lonely Planet bietet nicht die anschaulichsten Angaben zum Klima. Durch die Klimatabellen und die Hinweise darauf, was den Reisenden in welchen Monat in etwa erwartet (When to go?), kann man sich aber zumindest einen Überblick verschaffen.

Hintergrundinformationen zu den großen Themen Kultur, Geschichte und Religion bietet der Lonely Planet natürlich auch. Insgesamt sind diese vergleichsweise nicht so umfangreich. Zudem sind viele Artikel mit Slang- und Dialektwörtern gespickt. Da kommen wir manchmal an unsere Grenzen beim Verständnis der englischen Sprache, weshalb uns hier immer ein deutschsprachiger Reiseführer sinnvoll erscheint.

Unser Fazit

Eingangs erwähnt und durch unsere Reisen nach Äthiopien bestätigt, hat sich das Mitschleppen zweier Bücher auf jeden Fall gelohnt. Solltet Ihr Euch für einen Reiseführer entscheiden wollen, dann ist der Iwanowski´s auf jeden Fall die erste Wahl, wenn Ihr mit dem Auto unterwegs seid und zudem gute und interessante Hintergrundinformationen und Berichte lesen möchtet.
Als Backpacker sollte man eher auf den Lonely Planet zurückgreifen, vorausgesetzt das man sich mit der englischen Version arrangieren kann.

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