Pi Mai in Luang Prabang – Wie das laotische Neujahr ein Höhepunkt unserer Reise wird

Im Ausnahmezustand – Pi Mai in Luang Prabang

Was für ein Spektakel! Luang Prabang befindet sich im Ausnahmezustand. Nein, ganz Laos bewegt sich dieser Tage im April fern ab des Alltags. Wir stehen kurz vor dem laotischen Neujahr, dem Pi Mai, dass nach dem buddhistischen Mondkalender im heissesten Monat des Jahres gefeiert wird. Die traditionellen Wasserschlachten auf den Strassen bringen die gewünschte Abkühlung. Wir möchten unsere Beobachtungen und Erlebnisse dieses Festes hier umschreiben. Doch wie sehr wir von diesem Fest überwältigt sind, von dieser kraftvollen, positiven Stimmung gepackt werden und mittendrin die Freude der Menschen mitfühlen dürfen, lässt sich selbst in tausend Bildern nicht zeigen.

Sokdee Pi Mai Lao!

Drei Tage dauern die Feierlichkeiten des sogenannten Wasserfestes offiziell. Beginnend mit dem letzten Tag des alten Jahres, dem zweiten Tagen „zwischen den Jahren“, schliesst der offizielle Teil mit dem Neujahrstag. Tatsächlich aber zieht sich das Fest insgesamt über einen Zeitraum bis zu zehn Tage vor und nach den eigentlichen Feiertagen im Kreise der Familien und mit diversen Zeremonien und vereinzelten Wasserschlachten.

Wasser ist das Element dieser Tage, denn nach buddhistischer Tradition werden die Buddhafiguren in den Vats des Landes mit Wasser übergossen, um vom Negativen des alten Jahres rein zu waschen und das neue Jahr im Guten zu starten.

Wenn das Wasserfest ins Wasser fällt

Doch beginnen wir von vorne und mit den Ereignissen, die wir rund um das Pi Mai in Luang Prabang erleben. Schon am Tag vor dem ersten offiziellen Festtag startet gegen 8 Uhr am Morgen die jährliche Elefantenparade. Mit Zuckerrohr und Bananen werden die Dickhäuter von den umstehenden Menschentrauben beglückt, bevor die ersten Regentropfen einsetzen. Da bedarf es dann auch keiner Wasserschlachten mehr, denn der Tag fällt buchstäblich ins Wasser und zieht in einem Grau in Grau an uns vorüber.

Buddha´s Waschtag

Am zweiten Morgen jedoch ist das Glück mit uns. Ein grosser Morgenmarkt zieht sich entlang der Hauptstrasse und zahlreiche Menschen sind bereits zur frühen Stunde auf den Beinen, um Leckereien und Souvenirs zu erstehen.

Den ersten Höhepunkt des Tages erleben wir, als wir die Zeremonie der Bewässerung des Buddha miterleben dürfen. In allen Tempeln der Stadt werden Statuen und Reliquien fleissig mit Wasser übergossen und blank geputzt. Ein faszinierendes Ritual, dass mir als Beobachterin alleine durchs Zuschauen meditative Augenblicke beschert. Die jungen Novizen arbeiten unter der Anleitung der älteren Mönche gewissenhaft, doch die Verlockung sich gegenseitig ein wenig nass zu spritzen, bleibt auch hier nicht aus.

Meine pazifistische Gesinnung setzt aus

Der Morgen ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Denn ab dem späten Vormittag bleibt kein Auge trocken. Wir bereiten uns vor, statten uns wasserfest aus, bevor es erneut auf die Strasse geht. Zunächst nur mit Badesachen, alten Klamotten und einer Regenhülle über dem Rucksack. Doch schon nach den ersten drei Schritte vor die Haustür ist klar, dass wir so nicht weit kommen. Am Ende bleibt nur ein wasserfester Beutel mit dem Wichtigsten, eine Plastiktüte um die Kamera herum und die obligatorische Wasserpistole. Es kann losgehen, auf in den Fight! Da setzt selbst meine pazifistische Gesinnung und Abneigung gegen Spielzeugwaffen mal kurzzeitig aus.

Da bleibt kein Auge trocken!

Entlang des Mekongufers reiht sich ein Auto an das andere. Begleitet von lauter Musik zieht der Autokorso durch die Strasse. Auf den Tragflächen der Pick-ups und in offenen, bunt gestalteten Wagen fahren ganze Gruppen junger Leute vorüber, ihre Zugehörigkeit durch gleichbedruckte oder farblich zusammengehörige Shirts bekundet.

Alle bewaffnet mit grossen Bottichen voll mit Wasser, dass sie mit Kübeln, Eimern und Spritzpistolen auf die Menschen am Strassenrand schütten. Diese fahren schwerere Geschütze auf und sind neben den gewöhnlichen Utensilien sogar mit Gartenschläuchen bewaffnet. Und auch farbgewaltige Pulver-/ Wassergemische werden ausgepackt und mit grosser Freude in den Gesichtern der Menschen verteilt.

Freudentaumelnd liegen sich die Menschen, triefend nass, tanzend und singend in den Armen. Aus den Häusern schallen die Bässe, etliche Liter Bier Lao fliessen durch die ausgetrockneten Kehlen bei beschwerlich, hohen Temperaturen. Hier und da werden wir eingeladen, mit zu trinken, mit zu feiern, mit zu Taumeln. Was für ein Spass. Die Bilder sagen mehr als Worte…

Die positive Energie schwappt über

Die positive Energie, die von den Einheimischen ausgeht, ist längst auf uns und die (meisten) anderen ausländischen Touristen übergeschwappt. Voller Aktionsdrang bewegen wir unseren von Adrenalin und Glückshormonen gesteuerten Körper wie die Kinder durch die Strassen. Wir sind heiss auf das Spiel mit dem Wasser, kämpfen uns mit einem Lächeln durch die Angriffe von rechts uns links und fallen irgendwann alten Weggefährten in die Arme. Lukas und Patrick haben wir schon im Norden Thailands kennengelernt, mit Sara und Giorgia trekken wir in Phongsali. Gemeinsam nutzen wir die grosse Blechtonne vor dem Hause einer netten laotischen Familie als Basis für den Mordsspass, den diese Wasserschlachten mit sich bringen. Wir sind beseelt, wir sind glücklich. Wie in einer Seifenblase tapsen wir strahlig durch die Welt. Pi Mai Lao!

Eine Parade für die Miss Lao New Year

Gegen Sonnenuntergang wird es ruhiger, wir können wieder trockenen Leibes durch die Strassen ziehen. Erst an Tag Nummer drei startet die Wasserschlacht zum Pi Mai in Luang Prabang erneut. Pünktlich zur Prozession der Miss Lao New Year, die jedes Jahr aufs neue gewählt wird, formieren sich am Mittag die Teilnehmer der Parade in Reihe. Etliche Mönchsgruppen bilden auf golden geschmückten Wagen den Anfang der Prozession.

Ihnen schliessen sich Fussgruppen in traditioneller Kleidung oder eigens entworfenen Kostümen an. Musizierend, marschierend bilden sie einen riesigen Umzug durch die Strassen Luang Prabangs. Erst im Vat Xieng Thong löst sich der Zug auf, wo die gekrönte Miss Lao New Year in den Tempel geleitet wird und für die Zuschauer verschwindet.

Ein ganz besonderer Almosengang

Der Almosengang der Mönche beginnt wie immer früh um halb sechs. Etliche Mönchsgruppen ziehen durch durch die Strassen Luang Prabangs. Doch heute sitzen noch mehr Gläubige als gewöhnlich am Wegrand, die ihre Spenden in die grossen Almosenschüsseln der Mönche verteilen.

Vielmehr Lebensmittel, Geld und Süssigkeiten als üblich wandern in die Behälter. Und so wird dieser Almosengang auch zu einem grossen Fest für die weniger gut situierten dieser Stadt. Geben die Mönche auch für gewöhnlich einen Teil ihrer Almosen an die Armen zurück, verdoppeln und verdreifachen sich diese Gaben am heutigen Tage vermutlich.

Die Einheimischen und gläubigen Touristen pilgern anlässlich des Pi Mai in Luang Prabang im Anschluss an den heutigen Gabengang in Strömen auf den Phou Si Hügel hinauf, um Respekt zu zollen und zu beten, wobei sie den Weg mit kleinen Spendengaben in Form von Reishäufchen und Süssigkeiten auslegen.

Ein krönendes Ereignis neigt sich dem Ende zu

Mit diesem dritten, offiziellen Neujahrstag zieht die Parade der Miss Lao New in entgegengesetzter Richtung erneut durch die Stadt. Wir setzen aus. Die Sonne knallt wie verrückt und natürlich haben wir uns passend zur Wasserschlacht gekleidet. Aber absurderweise macht das Wetter uns zu träge, um den Tag unter einer weiteren und eigentlich ja ermunternden Dauerdusche der Wasserpistolen zu verbringen. Wir zelebrieren also ganz gemäss der laotischen Traditionen im Kreise unserer kleinen „Familie“ bei Wein, Musik, Tanz und leckerem Essen. Und so neigt sich dieses phänomenale Pi Mai in Luang Prabang für uns dem Ende zu.

Unser Fazit: Ein Triumph!

Was mit grosser Vorfreude auf die Traditionen, Zeremonien, Paraden und Wasserschlachten zum Pi Mai in Luang Prabang beginnt, schliesst als Highlight sondergleichen auf dieser Reise. Die Zaghaftigkeit sich tagsüber im Angesicht stetiger Duschen zu bewegen, weicht der Lust, selbst Teil dieses Spiels zu sein, endlich wieder Kind sein zu dürfen. Die Atmosphäre, der Glücksschleier, der die gesamte Stadt einhüllt, fängt uns ein, lässt uns nicht mehr los. Wir sind mittendrin in diesem faszinierenden Wahnsinn aus religiösen Ritualen und intensivem Glauben, aus ausgeprägter.

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One thought on “Pi Mai in Luang Prabang – Wie das laotische Neujahr ein Höhepunkt unserer Reise wird

  1. Oh wow. Soooo coole Fotos. Wir waren kürzlich in Nepal und hatten auch das erste Mal Berührung mit dem Buddhismus. Vor allem die Rituale haben mich damals sehr beeindruckt. Deine Bilder machen unglaublich viel Lust wieder zu verreisen. Ganz ganz toller Bericht. Hat mir sehr gefallen.

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