On the road again – Äthiopien, vom Norden in den Süden

Frankfurt – Addis Abeba – Woldia – Lalibela

In strömendem Regen starteten wir von Köln das Experiment: Reisen zu Dritt. Mit unserer Weggefährten Isis gelangten wir über Kairo (der Service der Egypt Air lässt zu wünschen übrig) in den frühen Morgenstunden des 20.12.2014 nach Addis Abeba.
Ein erster Kaffee beim Warten auf unseren Fahrer Daniel gab uns Zeit das 2. Experiment dieser Reise anzugehen: Barbara und Achim ein großes Dankeschön für zwei, im Briefumschlag versiegelte Aufgaben, die wir während unserer Reise zu erfüllen versuchen sollten. Die Idee entstand im Rahmen von weiteren Reiseplanungen, hier sollte nun der Test folgen. Die erste Herausforderung bestand nun darin, einen Imker in Äthiopien aufzusuchen, davon aber später mehr.

Über Woldia gelangten wir am nächsten Tag nach Lalibela, wo wir einige Tage in entspannter Gastfreundlichkeit und vielen schönen Stunden mit alten Bekannten verbrachten.
Ein Wiedersehen mit Christmas und Young war, vor allem für die beiden Jungs, von großen Emotionen geprägt. Auch trafen wir Fieker, vermeintlich der junge Rezeptzionist mit dem wir fleissig E-Mail Kontakt hatten, der oder besser die sich vor Ort aber als die Kellnerin des Restaurants herausstellte, in dem wir regelmäßig aßen. Ein Schnitzer, den wir erst bei er ersten Begegnung mit ihr bemerkten, sie aber mit den Mails des letzten Jahres gar nicht in Verbindung gebracht hatten, weil sie nur gebrochen Englisch spricht, die Texte einfach, aber durchaus verständlich und klar geschrieben waren.

Kaffeezeremonien bei Christmas, Young und Fieker zuhause liessen uns ins äthiopische Leben eintauchen. Trotz der armen Verhältnisse in denen sie leben, umsorgten und verwöhnten sie und liessen uns Teil haben am lokalen Leben. Der Wunsch die Familie und den Heimatort von Christmas und Young in den Bergen kennenzulernen blieb zwar unerfüllt, liess uns aber auch merken, wie fern ab von unserer motorisierten und modernen Welt die Jungs leben. Die beiden laufen in der Regel ca. 7 Stunden zu Fuss quer Feld ein zum Dorf, daher würde, so ihre Schätzung, der Weg mit Auto vielleicht 1 1/2 Stunden dauern. Aus diesen wurden dann mehr als 2 1/2 Stunden und wir waren längst nicht dort. Der Wagen konnte irgendwann nicht mehr weiterfahren- zu gefährlich, wie Daniel beurteilte. Dennoch trafen wir den Mann der Großmutter und konnten gemeinsam gemeinsam ein Ständchen zu Christmas` 19. Geburtstag singen.

Mittlerweile hatten wir den zweiten Umschlag mit den erwähnten Aufgaben von Barbara und Achim geöffnet. Die elf Artikel des „Kölschen Grundgesetzes“ sollten von Einheimischen auf Amarisch und Kölsch jeweils vor den 11 Felsenkirchen Lalibelas aufgesagt werden. Dies stellte sich als herausfordernder an, als gedacht. Zum einen nahmen die Jungs (wir baten Christmas, Young und deren Freund Wub darum, zu übersetzen) ihre Aufgabe sehr ernst, so dass die Übersetzung zunächst viel Zeit in Anspruch nahm. Zum anderen wurden wir mehrfach während unseres Aufenthaltes von den Jungen getrennt, weil wir keine schriftliche Erlaubnis eingeholt hatten, die die drei dazu berechtigt mit uns als Touristen durch den Ort zu laufen. Um ihnen die drohende Nacht in der Gefängniszelle zu ersparen, mussten wir „Katz und Maus“ spielen. Zum Teil liefen wir einige Meter hinter ihnen, damit sie nicht mit uns in Verbindung gebracht werden konnten. Unter diesen Umständen verliefen dann auch die Aufnahmen vor den Kirchen, wo alle drei hervorragend ihre Texte sprachen.

Lalibela war ein wunderbarer Einstieg für unsere Reise, der leider von viel Abschiedsschmerz bei Christmas und Young untermauert wurde.


Bahir Dar – Addis Abeba – Awassa- Shashemene

Pünktlich zu Heiligabend brachen wir nach Bahir Dar auf, wo wir spontan unsere andere Aufgabe erfüllen konnten. Wir sollten eine Imkerin besuchen, die von dem deutschen Projekt „Imker für Imker in Äthiopien“ unterstützt wird und eine Ausbildung im Rahmen einer Fraueninitiative gemacht hat, wobei der Kampf gegen die Armut, die Nutzung der vorhandenen landwirtschaftlichen Ressourcen und nicht zu Letzt eine Erwerbsmöglichkeit für junge Frauen im Vordergrund stehen.
Über Kontakte zu Dr. Jürgen Greiling und Silke Beckedorf konnten wir direkt Kontakt zu Mastewal Adane aufnehmen und diese und ihre Freundin Serkie, Jungimkerinnen aus Bahir Dar, besuchen und erstmalig in die Welt des Honigs eintauchen. Eine Schnupperstunde, die den Grundstein für weitere Recherchen legen sollte.

Nach einem Besuch der beeindruckenden Blue Nil Falls, fuhren wir zwei Tage darauf durch die Schluchten des Blauen Nil zurück nach Addis.
Nach einem Overnight- Stopp in der Hauptstadt verbrachten wir die folgenden Stunden auf der Strasse. Zwischenstopps am Lake Zwiay, im Abiyata National Park führten uns nach Awassa.
Ein offenbar religiöses Fest vor der St. Gabriel Church glich einem Volksfest, fast einer Animations- live- Show. Der Moderator war der Priester, der über ein Mikrophon Monologe und Gesänge verbreitete. Das Publikum waren Gläubige, die mit Gegengesang und Sprechchören antworteten.
Ein darauf folgender Trek in der Umgebung Shashemenes, vorbei an glühend heissen Quellen, endete auf dem Gipfel eines kleinen Berges mit einem großartigen Blick über die Umgebung.


Arba Minch- Konso – Jinka – Konso

Unsere Reise führte uns von hier immer weiter gen Süden über Arba Minch, wo wir eine Bootssafari auf dem Lake Chamo mit anschließender Wanderung im Negiere Nationalpark machten und ein Dorf des Stammes der Dorze besuchten, nach Konso und Jinka.

Isis ist in Konso geblieben, während Stephan und ich ins weit abgelegene Jinka gefahren sind- eigentlich, um den vielen urtümlichen Völkern des äthiopischen Südens einen Besuch abzustatten. Die berühmten Tellerlippenfrauen des Stammes der Mursi bekamen wir letztlich aber nicht zu Gesicht. Trotz der wenigen Touristen, die uns begegneten, scheint dieser Teil Äthiopiens sehr touristisch zu sein. Ein unspektakulärer, den Ausländern aber wärmstens empfohlener Markt in Key Afar, zeigte ebenso wie die horrenden Preise für eine Fahrt in die Mursi- Villages, dass der Tourismus und die Abzocke derer hier Einhalt bekommen hat. Es wurde uns letztlich nicht einmal möglich in den Nationalpark auf dem Weg zu den Dörfern zu fahren, ohne einen Guide und Ranger mitzunehmen. Vielleicht wäre es umsetzbar gewesen, jedoch wollten wir Daniel, der hier sehr zurückhaltend reagierte und dem nicht wohl in seiner Haut zu sein schien, nicht in Schwierigkeiten bringen, da sein Führerschein und somit auch sein Lebensunterhalt daran hängt, wenn es Probleme gäbe.

Positiv verbuchen konnten wir aber die Bekanntschaft mit Isaac und Kristy, einem blutjungen Pärchen (in welcher Beziehung sie stehen, ist uns bis heute nicht ganz klar) aus Hongkong mit denen wir die Erfahrungen im Touristenbüro vor Ort teilten und einen spannenden Abend verbrachten.
Auch Jinka war einen Abstecher wert. Obwohl die Touristen an den bestimmten Stellen unserer Ansicht nach ausgenommen werden, erwies sich das Örtchen als ruhig und beschaulich, einladend um hier die Menschen ein paar Tage lang kennenzulernen.

Unseren Erfahrungen zum trotz, haben wir auf dieser Reise aber mal wieder feststellen müssen, dass wir uns viel zu viel in zu kurzer Zeit vorgenommen hatten und mussten somit den Rückweg nach Konso antreten.
Hier begleitete uns Isis in den super Touri- Ort Gamole und zu den Steinformationen „New Yorks“. In Gamole zogen die Reisegruppen offenbar tagtäglich durch. Dennoch schien der Ort nichts an seiner Ursprünglichkeit und der ruhigen, harten und traditionellen Lebensweise verloren zu haben, was den Besuch dennoch positiv unterstrich.

Den Abend in Konso verbrachten wir in bunter, illustrer Runde mit Pam und Kevin aus Florida, mit denen wir schon in Arba Minch einen sehr lustigen Abend erlebt hatten. Ein Franzose, und ein Schwede bereicherten diesen feuchtfröhlichen Abend bei äthiopischem Schnaps.
Nächster Morgen: Hangover! Mittagsschlaf.
Erst am Nachmittag besuchten Stephan und ich den, wirklich spannenden, großen und völlig untouristischen Markt in Fasha. Wir schienen hier so ungewöhnlich zu sein, dass es für mich eine große Herausforderung wurde, im Gebüsch pinkeln zu gehen, ohne dabei von einer Schar Kinder begleitet zu sein 🙂


Hosaina – Addis – Frankfurt

Die fast letzte Etappe der Reise begann. Über Hosaina, einem unspektkulären, aber ganz urtümlichen Städtchen, wo wir nächtigten, gelangen wir zum Endziel Äthiopiens, Addis Abeba. Hier nahmen wir uns bis zum Abend noch ein Zimmer, schlafen, essen, duschen und dann gegen Mitternacht zum Flughafen.
Äthiopien: Wir kommen wieder. Der Plan steht, schon im Sommer eine lange Reise hierher zu machen und dann endlich wieder mal als Backpacker unterwegs zu sein und die öffentlichen Verkehrsmittel des Landes auszutesten.

Zu unserer Äthiopien Galerie geht es hier.


 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.