Amed

2011

Unser vorletztes Ziel auf Bali stellte sich als kleines Highlight heraus. Neben Amed schlängeln sich mehrere kleien Fischerorte entlang einer traumhaft schönen, etwa 9 km langen Küste, die sich in kleinen Buchten zeigt. Der Tourismus ist bereits angekommen und auch einige Resorts haben sich bereits an den dunklen Lavastränden niedergelassen. Und dennoch ist Amed ein beschauliches Dörfchen. Die teuren Hotels schmiegen sich in schönen Häusern und auch nur in sehr kleinen Anlagen in die Landschaft ein. Die kleineren Gästehäuser verweilen im typisch asiatisch, ruhigen Dasein zwischen vielen noch unbebauten Flächen.

Wie dörflich das Leben hier ist, konnten wir gleich am Tag unserer Ankunft sehen. Wir nächtigten in einem Homestay, in einem der nur zwei Bungalows, die gleich an die Häuschen und Hütten der Familie und den Schweinestall anschlossen und einen schönen Blick zum Wasser freigaben. Neben den zahlreichen Familienmitlgiedern haben wir hier auch Kaddek kennengelernt. Sie ist gerade mal sechszehn Jahre alt, arbeitet aber im Haus und Hof täglich von 7 Uhr, manchmal  bis abends um 11 Uhr . Zwischendurch hat sie zwei Pausen, Urlaub und krank sein gibts aber nicht, denn dann kommt auch kein Geld rein. Und das braucht sie. Denn, obwohl sie wenn es ein guter Monat ist und es im Restaurant etwas zu tun gibt, gerade mal 50 € verdient, gibt sie ihren Eltern Geld und spart die Hälfte des Verdienstes für einen Motorroller- der kostet aber ca. 1200 €.
Ein Leben- für uns unvorstelltbar. Für Kaddek vermutlich die Normalität. Wir hatten das große Glück, ihre Familie mit ihr zusammen besuchen zu dürfen. Gemeinsam mit dem Großvater, den Eltern, einem ihrer Brüder, dessen Frau und Kindern wohnt sie in drei kleinen Bamubushütten am Hang, gebaut auf trockenem, staubigem Boden. Der wunderschöne Blick über das Meer lässt nicht daran zweifeln, dass die Familie ein hartes, aber ganz offenbar auch glückliches Leben in ihrer familiären Gemeinschaft mit herumirrenden Hühnern und Kühen führt. Wir wurden bestaunt und herzlich empfangen. Während Kaddeks Mutter uns Kaffee und Bananen brachte, schlachteten die Brüder ganz nebenbei zwei oder drei Hühner für eine Zeremonie der Familie, die in den nächsten Tagen stattfinden sollte. Eine für uns ganz besondere Erfahrung war dieser Besuch, auch vor dem Hintergrund, dass wir im Laufe der Woche noch vieles mehr über das Leben von diesem 16 jährigen Mädchen erfahren durften.

Unser Glück lies uns nicht allein in dieser Woche. Und so begab es sich, dass wir einen Mototroller gemietet hatten und lediglich zu einem 5 km entfernten Dorf zum morgendlichen Markt gefahren sind. Im Anschluß schlurften wir müden Schrittes noch ein wenig weiter durch die Strassen des Örtchens und vernahmen Musik. Weit ab von jeglichem Tourismus stürmten wir eine weitere Beerdigungszeremonie. Obwohl wir gänzlich nicht passend gekleidet waren wurden wir prompt eingeladen. Eine junge Frau (deren Namen ich nicht nicht wiedergeben kann, weil er so schwierig auszusprechen und zu behalten war) übernahm die spontanae Führung. So ungefähr müssen sich Tiere im Zoo fühlen, dachten wir, als das halbe Dorf im Kreis um uns herumstand und uns beäugten. Der Spieß wurde umgedreht. Während die Touristen sonst mit unverholener Neugier Menschen aus fremden Kulturen „begaffen“ zeigte sich hier, dass wir die Einzigen waren, die hier auffielen und entsprechend mit großen Augen betrachtet wurden. Nach einigen Minuten legte sich der Aufregung wieder und die Menschen empfingen uns mit besonderer Freundlichkeit und gespannter Neugier. Die Zeremonie selbst befand sich in einem Stadium, in welchem keine Verbrennung stattfand, so dass wir u.a. der traditionellen Musik der Männer des Dorfes lauschen konnten.

Neben diesen beiden spannenden Begegnungen mit der Kultur und dem ursprünglichen, sehr einfachen Leben Balis, erlebten wir zwei wunderbare Tauchtage. Schon die guten Sichtverhältnisse in diesem Teil der Welt machten die Auflüge unter Wasser für uns besonders, was aber nichts gegen die Vielzahl von verschiedensten kleinen und großen Fischen ist,  die wir hier erspähen konnte. Neben zahlreichen kleinen Rochen, sahen wir Barakudas, Steinfische, Lionfishes (Löwenfische im Deutschen?), ein Miniseepferdchen, eine Riesenmoräne… Edith konnte sogar aus der Ferne einen Hai bestaunen. Das Highlight im Tauchgang war allerdings die Begegnung mit einer mittelgroßen Wasserschildkröte, der wir in aller Ruhe beim Fressen zuschauen konnten. Und so wundert es nicht, dass der Reiz, an mehr wunderschönen Plätzen in der Welt tauchen zu  gehen natürlich gegeben ist.
Die letzten Tage vergingen schnell, aber wir konnten sie vor unser Abreise in Richtung Flughafen doch sehr geniessen.

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