Die Pagoden von Bagan mit dem Fahrrad erkunden

2012

Den ersten Blick von einem Tempel oder einer Erhöhung, den man über die Pagodenfelder Bagans erhascht, lässt den Atem anhalten. Insgesamt 2230 kleine und große Pagoden säumen auf einer Fläche von 40 km² diesen Teil Myanmars. Der Vergleich zu Angkor hinkt, denn Bagan ist anders, architektonisch ebenso unglaublich und doch anders. Vielleicht aber faszinierender, wenn man im abendlichen Dämmerlicht von einer Erhöhung über die schier endlosen Spitzen der Tempel schaut, die inmitten einer trockenen und waldigen Landschaft empor ragen. So haben wir uns die Zeit genommen und sind mit den Fahrrädern durch eine beeindruckende Pagodenlandschaft gefahren. Besonders in Bagan ist die geringe Dichte an Touristen, zumindest im Vergleich zu Angkor, was aber sicher auch an der Regenzeit lag.

Eines Morgens haben wir uns mit einer Trishaw, einer Pferdekutsche, zu einem Tempel bringen lassen, um von hier aus den Sonnenaufgang erleben zu können. Über sandige und steinige Pisten durch die Dunkelheit erreichten wir gegen 5 Uhr morgens eine völlig menschenleere Pagode, auf deren Dach wir nur mit uns alleine und der aufgehenden Sonne sein duften.
Aber auch ein abendlicher Sonnenuntergangstrip zu einigen Tempeln, den wir mit dem Boot auf dem Ayeyarwady River unternahmen, ließ uns lediglich mit Mönchen und Einheimischen zusammen treffen.
Die Stimmung in Bagan ist ruhig, entspannt und auch touristisch. Insgesamt aber merkt man, dass Myanmar noch in den Kinderschuhen des Tourismus steckt, was den Aufenthalt besonders machte.

Myanmar zeigt uns in mancher Hinsicht viele Ähnlichkeiten mit anderen Ländern, die wir bereist haben. Auch, wenn uns überall Verschiedenheiten aufgefallen sind, muss aus unserem Blickwinkel genau ins Detail geschaut werden, um zu spüren, wie sich die Menschen und Kulturen der Länder dann doch voneinander abgrenzen. Eine Aufgabe, derer es, glauben wir, viele Wochen und Monate in den einzelnen Ländern bedarf. Wir, als „Kurzurlauber“ können aber zumindest von rein objektiven Neuheiten berichten, die wir bisher aus Südostasien nicht kannten.
Ein sehr auffälliges Merkmal einer fast jeden weiblichen Person aus Myanmar und einiger traditionsbewusster Männer ist „Thanaka”. Dieses Wort bezeichnet eine weißliche Paste, die aus Baumrinde gewonnen wird. Man reibt den abgeschnitten Ast auf einer Steinplatte so lange bis der Saft heraus tritt. Dieser Saft ist die Thanaka-Paste, die sich traditionell am Morgen ins Gesicht gerieben wird- als Schutz vor der Sonne, aber auch zur Hautpflege. Das eigentlich Interessante an diesem Ritual ist aber, dass die Paste nicht etwa verrieben wird, wie eine Creme, sondern wie ein Make-up oder Puder das Gesicht schmückt. Dezent in Tupfenform oder besonders in Streifen, Kreisen, Mustern über das gesamte Gesicht verteilt.
Ein anderes Phänomen, welches uns bisher zumindest nicht in südostasiatischen Ländern auffiel, sind Trinkwasserstellen. Über das Land verteilt findet man überall mit Trinkwasser gefüllte Tonkrüge. Oben auf ist ein Plastikbecher platziert- eine, zumindest von Einheimischen, oft genutzte Quelle, um den Durst zu löschen.
Obwohl uns schon früher häufig buddhistische Mönche auf unseren Reisen über den Weg gelaufen sind, ist die Vielzahl derer in Myanmar schon beeindruckend gewesen.  Eine  Besonderheit Myanmars ist aber auch die Anzahl der Novizinnen, die in rosa Gewändern durch die Straßen ziehen. Während es typisch ist, dass Jungen schon im zarten Alter ihre Tage, Wochen oder Monate im Kloster verbringen, erlebten wir hier häufig kleine Mädchen die mit hellen Stimmen über die Märkte oder durch die Straßen liefen und sangen, um sich so ihr Almosen zu sichern. Aber auch erwachsene Nonnen bekamen wir in Myanmar sehr viel häufiger zu Gesicht als in anderen südostasiatischen Ländern.

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