Lake Baringo

2012/2013

Wie schon so oft auf Reisen, kamen wir auch diesmal an die Grenzen des erträglichen. Sammy lies uns in Nakuru Stadt an der Matatu Station und organisierte uns die Weiterfahrt Richtung Lake Baringo, nördlich von Nakuru. Matatu nennen die Kenianer die japanischen Kleinbusse, die im öffentlichen Nahverkehr pendeln. Und mal wieder wurden wir Teil einer beengten, eingequetschten, von Gepäck und Lasten zusammengepferchten Reisetruppe. Geschätzt waren wir vielleicht 20 Personen im Wagen. Ein halber Sitz pro Person plus Gepäck.
Der erste Moment der Reise, der Edith nah an die Grenzen brachte, nicht laut los zu schreien. Aber danach war auch sie wieder an die befremdlichen Sitten anderer Länder und Völker gewöhnt. So konnte auch das letzte Stück des Weges im „Taxi“ nicht mehr schocken: 2 Leute auf dem Fahrersitz, zwei daneben, auf der Rückbank ca. 4-5 und nochmal 3 oder vier mit Hühnern und Gepäck im Kofferraum.

Im Roberts’ Camp, gleich am See, mieteten wir uns ein Zelt und verbrachten entspannte Tage im Camp und dem naheliegenden Dorf. Dort kannte man uns gleich am ersten Tag, was nicht weiter verwunderlich war. Während wir täglich unserer nachmittäglichen Spaziergang dorthin unternahmen, hier und da ein paar paar Einheimische kennenlernten und uns immer wieder in netten und aufschlussreichen Gesprächen wiederfanden, schienen wir die einzigen (zumindest weißen) Touristen zu sein, die sich hier blicken ließen.


Im einzigen „Restaurant“ des Dörfchens wollten wir essen. Die Bezeichnung trifft für das, was Europäer sich hierunter vorstellen, wohl nicht ganz zu. Das Haus verfügte über eine Bar und auch über eine Küche, eine Speisekarte oder Menüvorschläge von Seiten des Personals gab es aber keine. Der Chef fragte, was wir essen wollen. Wir wiederum fragten, was er habe. Er beantwortete diese Frage erneut mit der Frage, was wir wollen. Chicken? Ja. Naan? Ja. Kohl? Ja. Das war neben Fisch und Reis dann auch die Auswahl. Es dauerte fast zwei Stunden bis das Essen kam, aber es war durchaus schmackhaft. Die Zeit des Wartenes verbrachten wir mit James und Esther. Die Begegnung mit den beiden einheimischen Touristen war nicht nur spannend, sondern auch erfolgreich hinsichtlich unseres weiteren Reiseweges.

Kenia ist kein Backpacker Land, sondern ein klassisches Pauschaltouristenreiseziel. Das machte die Reise für Menschen wie uns, die eigentlich Low- Budget- Urlaub machen nicht nur sehr teuer (vermutlich haben wir mehr Geld ausgegeben als ein „All- inclusive- Urlauber), sondern machte auch die Reise von A nach B nicht immer einfach. So war es nicht möglich vom Lake Baringo nach Mombasa zu kommen, ohne jeden einzelnen Wegabschnitt vor Ort neu zu organisieren. Ebenso konnten wir weder Bus noch Zug von Nairobi am Lake Baringo buchen und hätten entsprechend einen Tag vor Abfahrt in Nairobi sein müssen, um eine Fahrkarte zu kaufen, was wieder einen Tag Verlust bedeutet hätte.
Dank des Zufalls und der schnellen Kombinationsgabe Stephans kam alles anders. James, so erfuhren wir während der Unterhaltung, war in Deutschland, wo er eine Fortbildung bei der Deutschen Bahn machte. Stephan deutete dies als Hinweis, dass James in irgendeiner Weise etwas mit der Bahn zu tun haben muss. Es stellte sich heraus, das er der General Manager der kenianischen Bahn ist und somit in der Position war, ein Zugticket auch per Telefon zu reservieren. Das wäre uns nicht möglich gewesen, da man die Tickets vor Ort kaufen muss. Und so organisierte James ein 1. Klasse Ticket für den Nachtzug von Nairobi nach Mombasa einige Tage später, was uns vor vielen Mehrstunden in Nairobi bewahrte.


Der Lake Baringo bescherte uns aber auch eine richtig tolle Bootssafari. Mit Fox und einem Bootsfahrer starteten wir früh morgens auf den Lake Baringo, wo wir auf eine große Gruppe Nilpferde trafen und zahlreiche Vögel beobachten könnten. Mit zuvor erworbenen Fischen lockte Fox Fischadler an. In einem spektakulären Schauspiel erhaschten diese in einem zielsicheren Sturzflug, die an der Oberfläche in großer Entfernung schwimmenden Fischkadaver.


Ein weiteres Highlight an diesem Tag wurde uns nach dem Besuch in einem Massaidorf auf einer der Inseln im See zuteil. Auf dem Rückweg trafen wir auf eine Gruppe von Jungs, die mit all ihrem Geschick und ihren Schlägen versuchten eine Kuh ins Wasser zu führen. Diese, so erfuhren wir, soll auf eine andere Insel im See transportiert werden, scheute aber das Wasser. Dramatische Szenen der widerspenstigen Kuh und der hochmotivierten Jugendlichen, das Tier ins Wasser zu schaffen spielten sich ab- eine Beobachtung deren Zeuge man, so Fox, nur sehr selten wird. Tatsächlich schwamm die Kuh nach Minuten des Kampfes gemeinsam mit den jungen Männern auf den See hinaus.
Nach einem weiteren Tag des Faulenzens und neugierigen Herumschlenders in und um das Dorf herum, verließen wir den Lake Baringo in Richtung Nairobi.


 

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