Lalibela und Umgebung, Oktober/ November 2013

2013

Durch wieder einmal traumhafte Landschaften fuhren wir unserem nächsten Ziel Lalibela entgegen. Da wir eine komplette Woche vor Ort bleiben wollten, dauerte die Suche nach einem entsprechend schönem Hotel etwas länger. Wir fanden aber dann im Bete Abraham Inn ein Zimmer mit Balkon und wunderbarem Ausblick über das Tal, nicht zu vergessen: Fiker, ein sehr freundlicher und sympathischer Mitarbeiter, schreibt uns bis heute noch regelmäßig E-Mails.
Lalibela liegt abseits jeglicher Hauptverkehrsadern am Fuße des Mount Asketen. Trotz der Abgeschiedenheit des Ortes wird er von einheimischen Pilgern wie von Touristen bevölkert, da es eine Vielzahl von Felsenkirchen in und um das Städtchen herum gibt.

Nach einiger Organisation am nächsten Morgen haben wir noch einen halben Tag den Luxus des Autos genutzt und sind mit Daniel, unserem Fahrer und Daniel, unserer gebuchten Guide in eine Kirche etwas ausserhalb Lalibelas gefahren. Dort durften wir nach der Besichtigung den sonntäglichen „Frühschoppen“ der Priester miterleben, die bei Localbeer ein Plauderstündchen hielten und sehr viel Spass zu haben schienen, als Stephan die Kamera zückte.

Eine Woche vor Ort lies uns Zeit für einen Äthiopischen Kochkurs, so dass wir am Nachmittag Sisco aufsuchten, die im Guidebook mit dem Vorhaben „demnächst Kochkurse“ anbieten zu wollen erwähnt wurde. Eine sympathische, lebensbejahende und lustige Frau erwartete uns, lud uns zu Kaffeezeremonie ein und verabredete sich einige Tage später zu eben jenem „Kochkurs“- vermutlich ihr erster. Doch dazu später mehr.

Die nächsten beide Tage verbrachten wir jeweils den frühen Morgen mit Daniel, dem Guide und der Besichtigung der Felsenkirchen in Lalibela selbst. Unserer Fahrer war mittlerweile abgereist, so dass wir die auf unsere Füße angewiesen waren. Bei den Temperaturen, der Steigung und der Strecke, die wir vom Hotel bis in den inneren Ortskern täglich zweimal zurücklegten, eine durchaus anstrengende Angelegenheit.
Die Kirchen, Untertunnelungen, vor allem aber das geistige Leben um die Gebäude herum ist faszinierend. Am zweiten Tag durften wir zudem erleben, dass eine Unzahl von Pilgern, alle in weiß gekleidet, einer Kirchen aufsuchte. In den frühen Morgenstunden traf eine Vielzahl von Menschen ein, die den Worten und dem Gesang der Priester lauschten- Kinder, alte Menschen, Männer und Frauen.
Zwar können wir aus den buddhistisch und hinduistisch geprägten Ländern durchaus von spirituellen Erlebnissen berichten, dennoch hat dies in Äthiopien eine ganz andere Wirkung und Faszination ausgestrahlt. Wir wurden in einen Bann gezogen, der nur schwer in Worte zu fassen ist.

Zusammen mit Getnet, einem Guide, zwei einheimischen Führern aus den Bergdörfern und zwei Eseln sind wir am nächsten Morgen zu einem 2 Tages- Trek in die Berge aufgebrochen. Ein toller Trip: Die Natur und die gigantische Aussicht lohnten den Schweiß des mühsamen Fußweges. Die locals und Getish tänzelten trotz des vielen Gepäckes (welches wir selbst nicht tragen mussten) den Weg, ob steil, steinig oder nur zum Klettern geeignet, hinauf und hinab. Wir stampften keuchend hinterher, sehr deutlich wahrnehmend, dass wir dringend an unserer Kondition arbeiten müssen.
Die Belohnung befand sich auf einem Felsplateau: Hübsche, einfache Tukuls (Lehmhütten mit Matratzen und einer mit Feuerstelle als Küche), wo wir die Nacht verbringen durften und von wo aus wir zum Sonnenuntergang und zum Sonnenaufgang einen großartigen Blick über das Bergmassiv und Lalibela hatten. Mit heissem Tee und frischem Brot erwarteten uns zwei sehr freundliche „Köchinnen“ und einige andere Einheimische, die uns umsorgten. Die Nacht war eisig kalt, aber die ersten Sonnenstrahlen am nächsten Morgen liessen uns auftauen. Unsere nächste Wanderung führte uns am Dorf der Einheimischen vorbei. Auf unsere Anfrage hin, lud uns einer der Männer zu seiner Familie ins Haus ein. Seine Frau kochte Kaffee (mit Salz- Zucker gab es nicht) und backte Injera (typisch äthiopischer Sauerteigfladen) für uns. Die beiden Kinder rissen die Augen auf, als wir unsere Ballons zückten und selbst die Eltern schienen selten Ballons gesehen zu haben. Zumindest fiel es ihnen deutlich schwer, die Kunst des Aufpustens zu lernen.
Das Tukul der Familie ist dunkel und sehr eng. Der Stall der Tiere befindet sich im unteren Teil der Hütte, darüber sind die Schlafplätze der Familie. Die Tiere bringen Wärme ins Haus, ebenso wie die Feuerstelle, die rauchend in der Mitte des Rundbaus installiert ist. Eine Sache der Gewöhnung: Als wir die Hütte betraten, war der Smok so unerträglich, dass wir meinten, es nicht aushalten zu können. Letztlich blieben wir und hatten und bald an die Dunkelheit und die Rauchwand gewöhnt.
Da Ende des Trips führte uns zu einer weiteren Felsenkirche, die auf Wasser in den Felsen hinein  gebaut und somit ganz anders, als die bisher gesehenen und auf ihre Weise ebenso faszinierend war.
Den Weg zurück nach Lalibela legten wir dann mit einem Auto und haben den den restlichen Tag mit Faulenzen genossen.

Ein besonderes Erlebnis für uns war der „Kochkurs“ am folgenden Tag, den wir in Siscos kleinem Restaurant „absolvierten“. Es war alles anders- in der Kochschule in Lalibela wären wir vermutlich etwas professioneller und strukturierter an die äthiopische Küche heran geführt worden. Hier war es jedoch wesentlich authentischer, spannender und Sisco war mit viel Lust und Herzlichkeit bei der Sache. Letztlich durften wir das alltägliche Geschehen in ihrer Küche begleiten. Früh morgens begann die Schnibbelei für die diversen Speisen- es war Fastentag, was eine Vielzahl unterschiedlicher Gerichte mit sich brachte. Die Küche ist ein kleiner, dunkler Raum mit kahlen Wänden, mehrere Feuerstellen und einem Regal, in dem Töpfe und Bestecke liegen. Lebensmittel, wie Zwiebeln oder Karrotten stapeln irgendwo zwischen anderem Unrat auf dem Boden oder im Regal. Eben sehr authentisch. Stephan hat viele Fotos gemacht, Edith war beim Schälen und Schneiden der Zutaten behilflich. Sisco selbst spricht kaum ein Wort Englisch, ihre Tochter, die in der Kühe hilft, übersetzte aber nicht nur für uns, sondern erklärte auch, welche Schritte es bei der Zubereitung der Speisen zu beachten gilt. Neben Kohl, Linsen und anderen leckeren Gerichten, konnten wir auch auf einem besonderen Stein, eigenständig Injera backen. Nicht zu letzt haben wir unglaublich lecker gegessen und erneut einer Kaffeezeremonie beigewohnt. Eine ganz spannende Geschichte: Die Bohnen werden über dem Feuer zunächst geröstet, später wird der Kaffee über dem Feuer gekocht und hin- und her geschüttet, parallel lässt man man Weihrauchzutaten brennen.

Am Morgen vor unserem Trek, hatte Stephan sich früh am Morgen alleine zum Fotografieren in die Kirchen aufgemacht, wo er auf Christmas und Young traf. Zwei Jungs um die 15/ 16 Jahre, die in Lalibela zur Schule gehen und uns am Nachmittag zum Kaffee trinken eingeladen haben. Wir hatten einen richtig schöne Stunden mit den Beiden, die viel von sich selbst und ihrem Leben erzählten. Die beiden wohnen in einem winzigen Raum zusammen, schlafen hier in einem schmalen Bett und putzen nach der Schule Schuhe, um für sich und ihre Familien in einem Dorf etwa 20 km weit entfernt sorgen zu können. Ins Dorf laufen die beiden zu Fuß, aber nur alle paar Wochen. Für uns hatten sie eine Nachbarin gebeten die Kaffeezeremonie zu vollziehen, dazu gab es Popcorn. So verbrachten wir den restlichen Tag mit den beiden, luden sie noch eine Mirinda ein und rundeten somit den Aufenthalt in Lalibela mit diesem freudigen Erlebnis ab.

Obwohl unsere Pläne von Lalibela nach Addis zurück zu fliegen, wie schon erwähnt, ja bereits am ersten Tag zu Nichte gemacht wurden, bat unser Hotelchef aus Addis sich freundlicherweise an, sich um einen Flug zu kümmern, er kennt jemanden bei Ethiopien Airlines. Letztlich gab es doch einen Flug für uns, was uns bis zu einem Gespräch mit unserem Fahrer auch auf eine angenehme Reise hoffen lies. Der Mann hatte das falsche Datum gebucht! Nichts ging mehr, ein Hin und Her folgte und wir waren sicher mit dem Auto zurück fahren zu müssen und zudem viel Geld für den nicht genutzten Flug zu zahlen. Die Mühe, jeden Tag ins Büro von Ethiopien Airlines in Lalibela zu gehen, zeigte aber dann doch Erfolg: Mit einem kleinen Aufpreis, konnten wir doch umbuchen und über Gonder nach Addis fliegen. Dort wiederum mussten wir das Ethiopien Airways Büro aufsuchen, aber Alles in Allem waren wir dankbar, die Strecke so schnell und mit einem fantastischen Blick auf die Hochebenen Äthiopiens zurückzulegen.

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