Mit dem Mietwagen durch Marokko

2014

Von „Düsseldorf“- Weeze, einem alten Militärflughafen irgendwo auf dem Weg zur niederländischen Grenze starteten wir mit RyanAir in den frühen Morgenstunden nach Marrakesch. Eine geschlagene Stunde an der Passkontrolle, durchgeschwitzt und müde landeten wir nach einiger Zeit der Suche in einem wunderschönen Riad (Ben Said) nahe des Djamaa El Fna mitten in der trubeligen Medina Marrakeschs.
Eineinhalb Tage verbrachten wir in dieser quirligen Stadt. Einerseits traditionell und konservativ geprägt, durch hübsche, altertümliche Bauten gezeichnet. Andererseits modern und weltoffen, wobei dieser Teil der Stadt wenig spannend erschien und zudem relativ klare Grenzen gezogen zu sein scheinen. Die Madina und die Region um den Djamaa EL Fna herum ist deutlich touristisch eingenommen: In den Souks, den kleinen engen, teils überdachten Gassen reihen sich die Verkaufsstände aneinander. Jeder bietet seine Ware hier feil und möchte den Gästen aus aller Welt seine Besonderheiten aufschwatzen. Selbst wenn man sich hier versucht einzuprägen, wo man mit seinem Spaziergang beginnt, so wird man in der Regel irgendwann die Orientierung verlieren und staunen an welcher Stelle es einen aus dem Wirrwarr der Gassen treibt. Auf dem Djamaa EL Fna selbst versuchen Schlangenbeschwörer, Musiker, Tänzer und „Dentisten“ durch absurdes Spektakel in einer schönen abendlichen Atmosphäre im Feuerschein zu überzeugen. Am Abend stehen die zahlreichen Essenstände mit leckeren, aber völlig überteuerten Köstlichkeiten in Konkurrenz zueinander.


Bereits am Sonntag Morgen sind wir nach einem ausgiebigen Frühstück (diese sind in der Regel im Übernachtungspreis mit einbegriffen, üppig und sehr lecker) mit einem Mietwagen Richtung Quarzazate östlich von Marrakesch aufgebrochen. Karge, fast trostlose Landschaften und schneebedeckte Berggipfel führen uns durch den Hohen Atlas in den Ort Tighza. Hier übernachten wir im Haus von Ahmed und Mohammed. Das Dorf ist abgelegen in den Bergen, kaum 1/10 der Bewohner leben zur Zeit hier, da sie in den Wintermonaten im Land verstreut arbeiten und erst im Sommer zurück in ihr Dorf kommen.
Ein weiterer Tag führt uns ins Draatal, wo die Landschaft durch saftig grüne, Palmen gesäumte Taloasen und immer wieder alte, pompöse Schutzfestungen, die Kasbahs beeindruckt. Die Nacht verbringen wir fast herrschaftlich in einem solchen.
Auf dem Weg machten wir Bekanntschaft mit einem Tramper, der uns als Dank fürs mitnehmen bei seinem Cousin Aziz zum Tee einlud. Dieser war ein freundlicher Geschichtenerzähler bei dem der Nachmittag einen entspannten Lauf nahm.
Eine „Schöne-Aussichten-Piste“ in Richtung Dadesschlucht bescherte uns unnütze Stunden auf der Piste, die sich offenbar noch im Bau befand, aber nur schwerlich mit schönen Aussichten aufwarten konnte. Angekommen in Boulmane de Dadés mussten wir feststellen, dass das Preisleisutngsverhältnis, welches wir bisher kennengelernt hatten, hier für die Unterkünfte nicht zutraf. Letztlich fuhren wir die Schlucht zweimal rein und zweimal raus bis wir nach etwa 3 Stunden endlich im 5 Lunes eincheckten. Ein bezauberndes mit viel Liebe eingerichtetes Gästehaus, das von dem, für Marokko ungewöhnlich, alternativen Musiker Daoud und seiner Frau Fatima geleitet wird. Die Dadésschlucht selbst ist ein landschaftliches Highlight. Rot-braune Felskulissen, die einen Kontrast mit kräftigen Grüntöne der Pflanzen bilden. Am Ende säumt sich die Strasse am Fluss vorbei durch einen engen Felsspalt.


Über Daoud lernen wir Hamid kennen, der uns eine Nacht als Guide zu einer Berberfamilie in die Berge begleitet. Die Familie, bestehend aus Vater, Mutter und drei Kindern, lebt in den Wintermonaten in der Wüste und siedelt im Frühling mit ihren Tieren (u.a. einer großen Ziegenherde) in die Berge um. Für uns ein kaum vorstellbare Lebensweise: Es gibt inmitten der steinigen Geröllwüste nichts. Ausser vier kleine Höhlen, die in den Berg gehauen sind. Zwei hiervon dienen als Ställe, die anderen beiden werden von der Familie als „Wohnplatz“ genutzt. Hier wird auf/ unter Teppichen geschlafen und auf einer kleinen Feuerstelle gekocht. Fliessendes Wasser oder ein Baum hinter dem man seine Verrichtungen machen könnte ist ebenso nicht zu sehen. Als wir mit Hamid ankommen, treffen wir auf auf Malika (5 Jahre) und ihren zweijährigen Bruder Mohammed. Papa Brahim ist über Nacht im Dorf und die Mama Tuba mit dem Baby Fatima unterwegs mit der Tierherde. Die Kleidung der beiden Kinder ist kaputt, zerrissen und könnte vor Dreck und Schmutz vermutlich stehen. Die Rotznasen werden hier ebenso dran abgeputzt wie die schmutzverschmierten Hände. Spielsachen sind nicht vorhanden. Die Mama kommt erst abends als es schon dunkel wird, bindet das Baby fest und geht erstmal auf die Suche nach Reisig (es scheint nach unserer Wahrnehmung kein Holz, keinen Reisig oder irgendetwas ähnliches in dieser trostlosen Landschaft zu geben), um dann für uns alle zu kochen.
Die Beschreibung soll deutlich machen, wie weit ab von jeglichem Komfort oder materiellen Habseligkeiten diese Menschen leben. Dies vor dem Hintergrund, welches Glück wir im Kreise dieser Familie erleben durften. Wir standen Menschen gegenüber, die glücklich zu sein scheinen, die ihr Leben und ihre Umgebung dort, vermutlich nicht gegen einen geschlossenen Raum, ein Badezimmer o.Ä. eintauschen würden. Und die dennoch so zufrieden wirken…
Früh am Morgen brachen wir wieder auf und verabschiedeten uns nach einer kalten Nacht unter einem gigantischen Sternenhimmel.


Der Tag führte uns zurück nach Marrakesch- ein Polizeistopp wegen zu schnellem Fahren und ein weiterer wegen eines überfahrenen roten Ampel. Die Geschwindigkeitsüberschreitung irgendwo im Nirgendwo kostete uns zwar Geld. Wir mussten aber nicht mal feilschen, damit der Beamte einen niedrigeren, vermutlich von Korruption getränkten Betrag nannte und sich freundlich über das am Tag zuvor stattgefunden Champions League Spiel unterhielt. Der zweite Ordnungshüter nahm letztlich kein Geld, teilte aber deutlichst unfreundlich mit, dass wir nicht mehr wiederkommen sollten.
Unser erneuter Aufenthalt im Riad Ben Said wurde untermalt von einem wirklich immer wieder sehr interessanten Austausch mit dem Besitzer Abdul. Das Riad ist sein Elternhaus, er selbst lebt seit vielen Jahren in Frankreich. Die letzten zweieinhalb Tage in Marrakesch verbrachten wir mit ausgiebigen Spaziergängen durch die Stadt. Erkundeten das Berber- und Kasbahviertel, schlenderten durch Jüdische Viertel und liessen uns durch die Souks treiben.

Im Laden seines Kumpels lernten wir Tarek kennen, einen jungen, sehr sympathischen Marokkaner, der uns einerseits gerne etwas verkaufen wollte, andererseits auf eine so nette und aufgeschlossene Art mit uns kommunizierte, dass wir bei Tee, Datteln und spannenden Gesprächen ewig im Laden verweilten. Alles in allem schlossen wir den Urlaub sehr entspannt und in vollem Genuss der Köstlichkeiten der marokkanischen Küche.


 

 

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