Nyaung Shwe und die schwimmenden Gärten auf dem Inle See

2012

Nächtliches Klingelmäuschen und erste Einblicke

Etwas durchgefroren kamen wir um 4 Uhr nachts an der Busstation an. Von dort aus fuhren wir mit dem Taxi ins 11 km entfernte Nyuang Shwe, das direkt am Inle See liegt. Hier klingelten wir gemeinsam mit dem Taxifahrer diverse Guesthouseangestellte aus dem Bett, bevor wir uns gegen halb sechs endlich zum Schlafen im Queens Inn hinlegen konnten.
Gegen Mittag machten wir uns auf, um das Städchen zu erkunden, Informationen über Bootsfahrten und Treks einzuholen und letztlich das Inle Inn Guesthouse aufzusuchen. Hier, so wussten wir, würden wir eine Kontaktperson finden, die wiederum eine Kontaktperson hat, die uns wiederum den Besuch eines Waisenhauses ermöglichen könnte. So trafen wir also Mee Nge, die uns in den folgenden Tagen einen sehr authentischen, vor allem aber herzlichen Einblick in das Leben ihrer Familie ermöglichte.

Der Donnerstag Morgen sollte eigentlich mit einer Fahrradtour beginnen, doch gerade als wir los wollten, fing es mal wieder an zu schütten. Entgegen unserer bisherigen Erfahrungen, hörte der Guss aber nicht etwa nach ein oder zwei Stunden auf- es regnete den ganzen Tag bis abends ununterbrochen. So konnten wir mit dem Regenschirm durchs Dorf spazieren und Ruhe walten lassen.

Hand in Hand durchs Leben

Das tat dem Tag keinen Abbruch, da wir uns am Nachmittag mit Mee Nge trafen und mit ihr in zwei der von NILA e.V. in Deutschland unterstützten Waisenhäuser fuhren. Eine spannende Angelegenheit, aber natürlich auch eine Konfrontation mit der Realität. Vergleichsweise schien das zweite Waisenhaus, welches wir besuchten mit mehr Liebe und Gemütlichkeit eingerichtet zu sein. Da unser Maßstab aber nicht südostasiatischen Standards entspricht, sei dieser Eindruck dahingestellt. Im ersten Haus schliefen die Kinder in mehreren Räumen auf dem Boden eng aneinander und die Schlafmatten mussten am Tag aufgerollt werden, um überhaupt Platz im Raum zu haben. Im zweiten der Häuser hingegen erwartete uns ein großer Schlafsaal mit einem eigenen Bett und einer eigenen Truhe (vermutlich für Kleidung etc.), die Kinder hatten sehr viel mehr Platz.


Grundsätzlich sind die Häuser auf Hilfen angewiesen, brauchen Schreibmaterial für die Schule o.Ä. und können Spenden immer gut gebrauchen. Wie wir von der Betreuerin in einem Haus erfuhren, hat keines der Kinder Kontakt zu seinen Eltern, wobei diese, so wie wir es verstanden haben, nicht zwingend tot sind. Und dennoch schienen die Kinder durchaus zufrieden. Sie scheinen eine große Gemeinschaft zu sein, in der Kleinere und Größere füreinander sorgen, miteinander leben und eine Bruder/ Schwester ähnliche liebevolle und familiäre Beziehung führen. Gefördert wird dies durch ein Patensystem, welches zumindest in einem der beiden Häuser zu finden ist: Große Kinder übernehmen die Patenschaften für die Kleineren, um sie im Alltag „an die Hand“zunehmen.

Eine neue Freundin

Unser Besuch endete mit einem Abendessen bei Mee Nge zuhause. Mit ihrem Mann Thar Nge verbrachten wir einen sehr netten und authentischen Abend in dieser Familie. Die Familie wohnt, wie so viele andere Menschen auch, in einem aus Bambus erbauten Haus auf Stelzen. Eine Mini-Küche, ein Schlafraum und einen gemütlichen Wohnraum (mit großem Altarbereich) umfassen das Gebäude, welches vielleicht 40 qm² Wohnfläche misst.  Die „Küche“ besteht aus Zubereitungsmaterial  und einer offenen Feuerstelle, die Toilette befindet sich im hinteren Bereich des Anwesens in einem Bambusverschlag. Hier gibt es, wie ebenfalls sehr geläufig in Südostasien, ein in den Boden eingelassenes Loch, welches mit Brettern umrahmt ist. In einem scheunenartigen Nebengebäude, welches am Boden gebaut ist, gibt es zwei weitere Schlafräume und Wohnräume, wobei diese wohl mit der Familie von Mee Nges Schwester geteilt zu werden scheinen. Sie wohnt auf dem gleichen Gelände direkt im Haus neben der Familie. Mee Nge und ihr Mann haben zwei Kinder, einen Jungen um die 12 Jahre und ein Mädchen von 7 Jahren. Auffällig war für uns, dass wir die Geschwister nur selten zu Gesicht bekamen, bzw. diese am Abend auch nicht mit uns zusammen aßen.
Die Gastfreundschaft der Familie wurde uns auch in den nächsten Tagen in großem Maße zuteil. So kamen wir bereits am nächsten Nachmittag ins Haus der Familie, ursprünglich, um einen Bootstrip mit einem Freund  Thar Nges zu organisieren und wurden gleichermaßen zum Essen eingeladen.


Zum Abschied, am Sonntag vor unserer Abreise, suchten wir die Familie erneut auf, um uns zu bedanken und zu verabschieden. Im Laufe der Tage und Gespräche mit Mee Nge und ihrem Mann, aber auch mit Freunden, die wir kennenlernten, hatten wir immer wieder den Eindruck, unsere Besuche seien etwas ganz Besonderes. Vielleicht haben wir diesen Anschein, in unserem westlichen Glauben, immer selbst der Mittelpunkt der Welt zu sein, aber auch mit der natürlichen Gastfreundschaft der Menschen hier verwechselt. Sicher ist: Für uns war es etwas ganz Besonderes im sehr privaten Kreise dieser so freundlichen und aufmerksamen und interessierten Familie einige Stunden verbringen zu dürfen.

Einbeinruderer auf dem Inle See und der weltbeste Tomatensalat

Neben einem Besuch im Shwe Yan Bye Kloster, unternahmen wir eine obligatorische Bootsfahrt auf den Inle See. Früh morgens um 7 Uhr fuhren wir los, um  die Einbein- Ruderer bei ihrer Arbeit beobachten zu können. Mit Geschick bewegen sich die Männer  auf schmalen Booten: Am äußersten Ende des Gefährtes hocken und stehen sie in Sekundenschnelle, halten mit den Händen das Fischernetz, befestigen dies und verrichten ihre Arbeit, während sie zwischen Körper und einem Oberarm einen Stab halten, den sie mit einem Fuß bewegen und hierdurch rudern. Der andere Fuß hält die Männer gekonnt in der Balance am Rande des Bootes.
Wir besuchten einige Handwerksdörfer, wo wir der Entstehung von Zigarren, Schmiedegut und Silberstücken zuschauen konnten. Der Höhepunkt des Ausflugs war die Fahrt durch die schwimmenden Dörfer im See. Auf hohen Stelzen gebaut, ragen die Wohnhäuser der Fischer und Gemüsebauern aus dem See. Dazwischen spielt sich das Leben ab, welches wir mit großer Spannung beobachten konnten. Rund um die Dörfer sprießen derzeit auf schwimmenden Beeten die Tomatenpflanzen in die Höhe.
Dabei sei dann auch auf den weltbesten Tomatensalat hinzuweisen- nach Art Myanmars mit Erdnüssen. Sehr empfehlenswert!

Von leckerem Essen wurde unsere Reise auch weiterhin begleitet. Unser nächster Reiseabschnitt führte uns nach Bagan und wurde vor allem von beeindruckenden Tempeln geprägt. Mehr dazu findet ihr hier.

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