Pemuteran- Lovina- Dukuh

2011

Bei unserer Ankunft in Pemutern mussten wir sogleich feststellen, dass unsere Presi-Leistungsvorstellungen hier auf Bali etwas überholt zu sein scheinen. Letztlich haben wir uns für die teurere Alternative eines Zimmers entschieden und haben einen, für unsere Verhältnisse, absoluten Luxusraum bekommen- Swimmingpool vor der Tür. So dekadent war Backpacken noch nie…

Der nächste Tag diente dazu unsere Tauchkenntnisse wieder aufzufrischen. Ein atemberaubendes Erlebnis- die Tauchspots vor den Menjangan Inseln scheinen ihrem Ruf gerecht zu werden. Obwohl wir nur einen Tag unterwegs waren und entsprechend nur zwei Tauchgänge machen konnten, waren wir regelrecht beflügelt von der bunten Korallenwelt und den Fischschwärmen, die um uns herumzogen. Während wir von Thailand und Kambodscha eher geringe Sichtverhältnisse gewohnt sind, konnten wir hier weit über 20 Meter in die Tiefen des Meeres blicken.
Zwei der Taucher, die zwar mit auf unserem Boot fuhren, jedoch aufgrund der Erfahrung mit einem anderen Tauchlehrer runter gingen, konnten sogar drei Haie sichten, die wir leider, trotz der Nähe zu ihnen, nicht erspäht haben.  Dennoch war es für uns ein kleines Abenteuer, welches Lust auf mehr Meer macht…

Nach einem Zwischenstopp in Lovina, einem kleinen, touristischen, aber unspektakulären Ort, ebenfalls an der Nordküste Balis, ging unsere Reise mit einem gemieteten Wagen weiter Richtung Zentralbali. Da Edith leider keinen Führerschein dabei hatte, blieb es an Stephan, sich an die Linksfahrregeln des indonesischen Archipels zu gewöhnen.
Ein kurzer Stopp am Gitgit- Wasserfall ließ uns mal wieder staunen, welche Orte in Reiseführern als „Highlight“ dargestellt werden- wir konnten diesem Wasserfall keine herausragenden Noten bestellen.
Die Fahrt führte uns ins bergige, wolkenverhangende und kühle Munduk. Obwohl der Ort in einer schönen Gebirgslandschaft liegt, überzeugte er uns nicht, die Nacht hier zu verbringen.  Kurzentschlossen fuhren wir weiter bis in das kleine Dorf Dukuh, wo es außer uns ganz offensichtlich keine Touristen gab. Aus den Aussagen Ilus, der wirklich freundlichen Balinesin, die uns hier umsorgte, schlossen wir, dass auch nur wenige Touristen den Weg hierher finden.

Die Unterkunft war sehr idyllisch inmitten der Reisfelder gelegen. Ringsherum nur kleinere Dörfer, so dass wir ganz nah am Geschehen auf dem Land dran sein konnten. Neben Spaziergängen durch Felder und Dörfer, hatten wir das Glück hier in diesem winzigen touristisch fernen Ort einen Höhepunkt unserer Reise erleben zu dürfen: Eine Bestattungszeremonie.
So makaber es sich anhören mag, so freundlich sind wir von der kleinen Dorfgemeinschaft aufgenommen worden diesem „Fest“ beizuwohnen. Obwohl auch hier schmerzvoll Abschied von den Toten genommen wird, ist die eigentliche Besattungszeremonie ein Fest – der Tod ist etwas Positves und gehört zum Leben dazu. Man glaubt, dass die Seele von der Last des irdischen Körpers befreit wird und in eine bessere Inkarnation übergeht. Der Glaube besagt, dass die Ahnen in den Nachfahren wiedergeboren werden, womit die Seele des Verstorbenen in der Familie bleibt.
Auf Bali ist es Tradition, die Toten zu verbrennen. Hierbei muss aber zwischen arm und reich unterschieden werden. Höher gestellte Persönlichkeiten werden einbalsamiert und an einem dafür auserkorenen Tag verbrannt. Da Bestattungszeremonien sehr teuer sind, ist es in ärmen Familien meist so, dass die Verstorbenen bereits kurz nach dem Tod beerdigt werden, die Zeremonie rund um die Leichenverbrennung dann aber erst wesentlich später mit einer dafür entworfenen Puppe gefeiert wird. So war es auch in Dukuh, wo wir der Bestattungsfeierlichkeit der Großmutter von Ilus Mann beiwohnen durften.
Die Totenverbrennung ist ein öffentliches Spektakel. D.h. die Toten werden auf auf einer Art Sänfte aufgebahrt (je höher man auf der Sänfte liegt, desto höher stand die Person in der Hierarchie) und von einer Schar von Männern mit lauter Musik in einer Prozession zum Verbrennungsplatz gebracht. Unter Gesang werden hier Opfergaben auf den Körper gelegt und mit Weihwasser besprenkelt. Neben kleinen Blümchen und selbstgebastelten Papierdekorationen gehören hier auch Geld und Lebensmittel dazu. Im Anschluß findet die öffentliche Verbrennung statt der lange Gebete folgen. Die Asche wird in einem Fluss oder See verstreut. Wir erleten, dass die nahestehenden Familienangehörigen sich im Fluss badeten und mit der Asche wuschen.
Sicher werden die Leichenverbrennungen in anderen Teilen Balis von oben beschriebenen in gewissen Details abweichen, die Erläuterungen sind lediglich unsere Beobachtungen.

Ähnliches Glück wie in Dukuh wiederfuhr uns am darauffolgenden Tag, als wir auf dem Rückweg nach Lovina einen Zwischenstopp am Pura Ulun Danu machten. Der Tempel, der auf einer kleinen Insel bis in den Bratan See hinein ragt, zeigt sich vor der schönen Kulisse der Berge des Bratan- Massivs.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort konnten wir auch hier Zeuge einer fazinierenden Gebetsfeierlichkeit werden, die erst mit der Darbringung von Opfergaben im Tempel endete.
Mit den Ereignissen der letzten Tage sehr zufrieden, haben wir uns von Lovina (wo wir das Auto zurückgeben mussten) gleich aufgemacht und die Künstlerstadt Ubud angepeilt.

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