Phonsavan- Vientiane- Thakhek

2010/2011

Nach einem schönen Abschiedsbarbecue mit Anne, rissen Edith die Schlemmereien in der Nacht unsanft aus dem Schlaf. Nach turbulenten Stunden im Bad stopfte sie sich mit Imodium akut voll, um die Weiterfahrt von Luang Prabang nach Phonsavan zur „Ebene der Tonkrüge“ zu überstehen.

Fälschlicherweise wird diese Region in der Sprache so genannt, obwohl es sich tatsächlich um alte Steinkrüge aus der Zeit 500 -100 v. Chr. handelt. Wissenschaftler vermuten, dass sie als Begräbnisstätten gedient haben. Fraglich ist, wie die Menschen diese mehrere Tonnen schweren Gefäße transportiert haben. Die Forschungen gehen in die 30 er Jahre des 20. Jh. zurück. Heute ist diese Arbeit schwierig, da nur wenige Gebiete vollständig geräumt sind, sich in vielen aber nach wie vor viele undetonierte Sprengkörper aus der Zeit des Vietnamkrieges befinden.

Phonsavan selbst wirkt wie eine Stadt aus einem amerikanischen Roadmovie, die irgendwo in der staubigen Wüste hunderte Kilometer von der Zivilisation entfernt liegt. Hätten wir nicht gleich am Abend unserer Ankunft eine Unterkunft gefunden, deren Athmosphäre uns, trotz des etwas heruntergekommenen Zimmers, überzeugt hätte, wäre unsere Laune vermutlich bereits hier gedämpft worden. So aber konnten wir den Erzählungen des sehr sympathischen Mr. Kong folgen und haben einen netten Abend mit einigen Travellern am warmen Lagerfeuer verbracht.

Da wir erfuhren, dass  der Nachtbus nach Vientiane die schnellste, vor allem aber bequemste Option ist, den laotischen Süden zu erreichen, haben wir unsere Ursprungspläne, Vientiane nicht zu kreuzen, verworfen. Bereits am nächsten Mittag kauften wir spontan ein Ticket für den Nachtbus am gleichen Abend. Obwohl es Edith noch nicht blendend ging, mieteten wir für den Tag ein Motorrad, um die Umgebung und die Ebene der Tonkrüge zu erkunden. Unsere Entscheidung, Phonsavan bereits an diesem Abend zu verlassen, fühlte sich nach diesem Ausflug goldrichtig an. Von der als absolutes Highlight in Laos beschriebenen Attraktion der Tonkrüge hatten wir uns mehr erhofft. Für eine halbtägige Erkundung sind sie ganz nett anzuschauen – den Umweg einer 7 stündigen Busfahrt aber ganz sicher nicht wert.

Müde, einigermaßen gesund und hungrig kamen wir bereits gegen halb sieben am nächsten Morgen in Vientiane an, was dazu führte, dass alle Gästehäuser, die nicht völlig fies oder überteuert, voll gewesen sind. Check out time ist hier in der Regel erst gegen Mittag. Letztlich haben wir nach einiger Wartezeit in einem netten Hostel eine Unterkunft gefunden  und einen faulen Tag in Vientiane verbracht.

Nach einigen Überlegungen, wo auf dem langen Weg in den Süden wir einen Zwischenstopp machen, sind wir am nächsten Mittag nach Thakhet aufgebrochen. Die unbequemen  Stunden im  V.I.P. Bus (wobei das V.I.P. vermutlich nur auf die vielen Fernseher an Bord bezogen ist) konnten wir schnell vergessen, da wir am Abend schnell ein schönes Guesthouse mit Lagerfeuer im Garten gefunden haben.
Trotz einiger Verwirrungen bezüglich unserer Standortes (man sollte auch die Karte lesen können) haben wir in praller Sonne iregendwann die Innenstadt erreicht und uns ein Motarrad geliehen. Thakhek bot uns ein traumhaft schönes Umland mit Karstbergen, in dem  wir die Aussicht geneiessen konnten. Wir haben zudem in einigen Dörfern gestoppt, wo wir mit großen Augen und einer gewissen Irritation empfangen, aber immer sehr freundlich begrüßt wurden.

Nach den langen Reisetagen sollte am nächsten Morgen die vorerst letzte mehrstündige Etappe gen Süden, nach Pakse, anstehen. Der Localbus war nicht mehr das neueste Modell (kein Sitz, aus dem der Schaumstoff nicht aus den Polstern quoll), aber bequemer, als am Tag zuvor. Motorräder auf dem Dach, aber auch im Innenraum des Fahrzeuges überraschten uns nicht wirklich. Ebenso wenig die Tatsache, dass irgendwann die Sitze knapp und entsprechend Plastikhocker im Gang aufgebaut wurden. Die insgesamt 8  1/2 Stunden Fahrt (45 Minuten Mittagspause) hätten aber locker 1  1/2 Stunden kürzer ausfallen können, wenn wir nicht- gefühlt- nie länger als eine halbe Stunde am Stück gefahren wären, ohne anzuhalten. Manchmal haben wir alle fünf Minuten gestoppt, damit Leute ein- oder aussteigen konnten. Interessant dabei war, dass in den Dörfern unterwegs der Bus von Straßenhändlerinnen bevölkert wurde, die ihre Leckereien los werden wollten. Man stelle sich Frauen und Kinder vor, die in der einen Hand lange Spieße mit gegrillten Hähnchenflügeln und zusammengeschnürte Bananenblattpäckchen halten, in der anderen Beutel mit Stickyreis (Klebereis, der entsprechend gut mit den Fingern zu essen ist) und Holzstäbe mit aufgespießten Eiern. Diese Köstlichkeit haben wir schon häufig gesehen, können bislang aber aus Beobachtungen heraus nur mutmaßen, das die Eier mit Schale über Wasser gedämpft werden und dann in Dreier- oder Viererreihen hintereinander aufgespiesst werden.
Der Bus war am Ende der Fahrt auch entsprechend mit Unrat übersäht. Auch, wenn das Müllproblem in den anderen Ländern hier ebenso vohanden ist, fällt es uns in Laos gerade besonders ins Auge. Das liegt vermutlich daran, dass wir hier, seit unserem Asienaufenthalt am häufigsten Bus gefahren sind und die Menschen regelmäßig dabei beobachten, wie sie ihre Abfälle stumpf aus den Busfenstern werfen oder, wie diesmal, einfach in den Gang. Auf den Fahrten werden wir ebenso häufig mit den, kulturell völlig natürlichen, Rotzattacken der Menschen konfrontiert. Spucken gehört hier zum Alltag, so wie Spuckschalen in verschiedenen Ländern der Welt ja auch zum „guten Ton“ gehören.  Den kulturellen Unterschied nehmen wir wahr, wenn der Rotz stetig durch die Nase in den Rachen gezogen und ausgespuckt wird. Rülpsen steht dieser Tätigkeit fast in nichts nach. Man stelle sich ein großartige Geräuschkulisse vor, die von schnulzigem Asiapop untermalt wird.

In Pakse angekommen haben wir uns, erschöpft von einer beeindruckenden Busfahrt, nur noch ein Zimmer gesucht und sehen den letzten 12 Tagen in Laos entgegen, bevor das Visum ausläuft.

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