Sa Pa- Dien Bien Phu- Muang Khoua- Muang Ngoi Kao

2010/2011

Morgens 7.45 Uhr am Busbahnhof in Sa Pa: Ein kleiner, enger, abgenutzter Minibus, 13- Sitzer + Fahrer, der uns in 8 Stunden nach Dien Bien Phu, kurz vor die laotisch Grenze bringen sollte. Morgens gegen halb neun irgendwo in Sa Pa: In dem kleinen, engen 13- Sitzer Minibus stapelten sich 17 Personen und ein Kleinkind, sowie der Fahrer. Zusammengepfercht mit großen  Gepäckstücken, Lebensmitteln und diversen großen Beuteln mit nicht definierbarem Inhalt saßen die Reisenden im Innenraum des Fahrzeuges.
Während die Mehrzahl der vietnamesischen Mitfahrer keinen Anstoss daran zu nehmen schien, gequetscht und teils ohne eigenen Sitz die nächsten 8 Stunden zubringen zu müssen, protestierten wir und drei weitere Fremde lautstark, da wir für den gleichen Weg einen verhältnismäßig horrenden Touristenpreis für diesen „Komfort“ zahlen mussten. Unser Aufbegehren stiess auf wenig Resonanz.
Die Fahrt dauerte natürlich länger als 8 Stunden. Die Strassenverhältnisse in den Bergen sorgen nicht zwingend für ein schnelles Vorankommen. Zudem mussten wir zwischenzeitlich anhalten, da die Straße auf einem Teilstück scheinbar noch gebaut wird. Zwischen den Baufahrzeugen schleppte eine Dampfwalze immer wieder Busse durch den schlammigen Matsch von  der einen zur anderen Seite der bereits bestehenden Strasse.
Das lebende Tiere in Südostasien in Säcken transportiert werden ist nicht überraschend. Edith trat jedoch- unwissentlich- mit ihren Füssen auf einem der weissen Plastiksäcke herum,  der, wie viele andere, im Fußraum des Wagens verstaut lag. Da sich zunächst nichts bemerkbar machte und auch niemand von uns damit gerechnet hat, dass verpackte lebende Tiere anwesend sein könnten, kam es zu einer Aufruhr, als der erste Hund den Kopf aus einem kleinen Schlitz steckte. Erschrocken, wütend  und entsetzt, diese WInzlinge über eine Viertelstunde hinweg misshandelt zu haben, schrie und heulte Edith den Bus zusammen. Sämtliche Vietnamesen schauten diese hysterische Frau nur staunend an und belächeten sie amüsiert. Die Hunde wurden daraufhin in den Kofferaum geworfen. Boykottieren und auszusteigen war unser erster Gedanke. Dies hätte allerdings zur Folge gehabt, dass wir  vermutlich unser Geld nicht mehr gesehen hätten und am nächsten Tag in einem anderen Bus mit einem ähnlichen Schicksal konfrontiert worden wären. Nachdem Edith sich, zwar nach wie vor stinksauer auf das Volk im Bus, beruhigt hatte, fuhren wir letztlich mit.
So nutzte Stephan die Gunst auf der Rückbank des Wagens zu sitzen und von dort unbemerkt einen der Hunde für den Zeitraum der Reise aus seiner Gefangenschaft zu befreien.  Eine andere  Mitreisende gab ihm Wasser. Letztlich waren die Rucksäcke am Ende der Fahrt vollgepinkelt, was aber in diesem Fall das kleinere Übel war.
Während Gesetze und die zumindest öffentliche Meinung in Deutschland  Tierquälerei ablehnt, kämpfen viele Tierschutzorganisiationen für eine artgerechte Haltung und den Umgang mit Tieren. In Südostasien ist dies, soweit wir es mitbekommen, kein oder kein großes Thema. Während sich einerseits viele Tiere, wie Schweine, Hühner, Kühe, Hunde und Katzen ohne Leine und Käfig frei im Ort und der Natur bewegen können, sehen wir ebenso häufig, wie grausam Menschen mit den Tieren umgehen. Sei es die Haltung in engen Käfigen, Tritte oder auch der Transport lebender Tiere in zugeschnürten Säcken.
Aus unserer westlichen Sicht ist dieser Umgang absolut inakzeptabel. Da wir uns aber in einer fremden Kultur bewegen, in der die Menschen unter anderen Umständen leben und überleben müssen, steht es uns, unserer Meinung nach, nicht zu darüber zu urteilen.

Nach einer körperlich anstrengenden Busfahrt hatten wir uns erhofft in Dien Bien Phu, wo wir eine Nacht Zwischenstopp machen mussten, wenigstens einen schönen Abend verbringen zu können. Leider war nicht nur die Stadt, sondern auch das Essen katastrophal, was den Tag äusserst missmutig abrundete.
Nächster Morgen Dien Bien Phu 5 Uhr: Die Abfahrt des Busses (diesmal ein wesentlich größerer Localbus mit etwa genau so vielen Insassen wie am Tag zuvor) verzögerte sich um 15 Minuten, also alles im Rahmen. Das Dach und auch der Innenraum des Fahrzeuges waren bereits mit Gepäck und etwa 11 Insassen beladen, was den Busfahrer und seinen Helfer aber nicht daran hinderte etwa 2 Stunden in der Stadt herum zu fahren und weitere Mitfahrer und unbeschreiblich viel Kram in und auf das Auto zu laden. Auch die Fahrt über die Grenze nach Laos sollte planmäßig 8 Stunden dauern. Zwei davon hatten wir bereits mit Packen und einer Rundfahrt durch Dien Bien Phu verbracht, als wir dort in eine große Halle, offenbar eine Werkstatt, fuhren. Es stellte sich heraus, dass ein großer Nagel in einem der Reifen steckte. Neben den Mitreisenden standen viele Männer um den Reifen herum und begutachteten die Arbeit eines einzigen Mannes, der den Gummi innerhalb einer 3/4 Stunde geflickt hatte.
In mehr oder weniger bequemen eigenen Sitzen mit Beinfreiheit sind wir tatsächlich gegen 14 Uhr mittags in unserem laotischen Zielort Muang Khoua angekommen. Trotz der schlechten Straße in Laos (die an diesem Tag glücklicherweise nicht überflutet und gut passierbar war) hätten wir weitaus früher in Muang Khoua sein können. Die 8 stündige Fahrtzeit beinhaltet aber scheinbar nicht nur sämtliche Exportbeladungen des Busses, sondern auch einen zweistündigen Aufenthalt an der Grenze. Die Grenzstation zwischen Vietnam und Laos liegt irgendwo im Nirgendwo in den Bergen. Die Ausreisestempel wurden auf vietnamesischer Seite sehr zügig gesetzt. Auf laotischer Seite reiste unsere Kleingruppe und etwa 5 weitere Personen ein. Neben auszufüllenden Papieren und Zahlungen für Visa und Bearbeitung, haben sich vier Mitarbeiter etwa 1,5 Stunden mit den Einträgen in die Pässe und irgendwelche Bücher aufgehalten. Bevor dies alles geschah wurde den Einreisenden ein undefinierbares Gerät, das sich später als Fieberthermometer herausstellte, vor die Stirn gehalten, um die Temperatur zu messen (um die fiebrigen Personen im schlimmsten Fall wahrscheinlich postwendend nach Vietnam zurück zu schicken).

Muang Khoua entpuppte sich als schnuckliger Ort am Fluss, in dem wir den Abend sehr geniessen konnten und von wo aus wir am nächsten Morgen in einem zwar unbequemen Boot, aber durch eine sehr schöne Landschaft über einige Stunden in den Ort Muang Ngoi Kao aufgebrochen sind und nun einige Tage verweilen möchten.
Zusammenfassend ist nach diesem Bericht zu sagen, dass wir einerseits zwar katastrophal, quälende Reisetage hinter uns haben, anderseits aber einen faziniernden und authentischen Einblick in das Alltagsleben der Menschen, weit ab vom Tourismus, bekommen haben.

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