Sagain- Mandaley- Yangon

2012

Wenn uns zuvor die schlechte Infrastruktur Myanmars noch nicht offenkundig gewesen ist, so haben wir spätestens auf der Fahrt von Bagan nach Mandaley erleben müssen, wir katastrophal schlecht die Straßen hier doch sind. Und dennoch wurde schon zum 2. Mal in diesem Land die angegebene Fahrzeit unterboten. Erwähnenswert ist auch die Pünktlichkeit, mit welcher die Busse Fahrplan gerecht abgefahren sind.

Von Mandaley aus sind wir direkt weiter nach Sagain gefahren, einem Ort, den wir erst auf den zweiten Blick spannend fanden. Auf Empfehlung des „Loose“- Guides sind wir am nächsten Tag von unserem Hotel in ein anderes umgezogen. „Loose“- Guide meint in dem Fall nicht etwa den Loose Reiseführer als solchen. Bei unserem Spaziergang über Sagains Markt am ersten Nachmittag trugen wir den Reiseführer offen mit uns herum, um uns am Stadtplan orientieren zu können. Grund für den einzig namentlich genannten Guide in Sagain uns auf der Straße mit den Worten anzusprechen, dass sein Name in diesem Reiseführer stehen würde. Geschäftstüchtig lud er zum Tee ein und gab diverse Informationen zu Sagain, so dass wir entschieden, dem Ort eine zweite Chance zu geben. Mit dem Guide und einem Kumpel sind wir am nächsten Morgen auf den Sagain Hill gefahren,  auf dessen Weg zahlreiche Pagoden und Klöster liegen und der einen tollen Blick über das Umland gibt.

Auch Amarapura, wo die längste Teakholzbrücke der Welt über einen Seezufluss des Ayeyawady läuft, haben wir natürlich besucht. Eine gute Entscheidung, da das Leben an und um die Brücke herum einen spannenden Eindruck hinterlassen hat. Den Sonnenuntergang auf einem Boot zu erleben hat den Ausflug sehr gelungen abgerundet.
Über „unseren Guide“ sind wir am dritten Tag in einem Kloster auf dem Weg zum Sagain Hill untergekommen. Drei Mönche, eine Nonne und drei Novizen haben uns hier herzlich empfangen und umsorgt. Wenn für uns Europäer auch sehr gewöhnungsbedürftig wurden wir auf birmanesische Art hervorragend bewirtet.
Nachdem  wir am Nachmittag durch das Pagodenviertel gestreift sind, mussten wir feststellen, dass unser Orientierungssinn und sträflich vernachlässigt. Wir fanden nicht mehr zurück zum Kloster. Aber auch hier wurde, wie schon so oft in Südostasien deutlich, mit welch gänzlich unvoreingenommenen und uneigennützigen Hilfsbereitschaft die Menschen auf Fremde zu gehen. Einige Wegweiser halfen uns zunächst nicht wirklich, bis sich uns ein Mann anschloss, der wohlgemerkt selbst nach dem Weg fragen musste, und uns zum Kloster zurückbegleitete.

Hätten wir nicht den Wunsch gehabt noch ein oder zwei Tage in Mandaley verbringen zu wollen, wären wir sicher noch eine weitere Nacht im Kloster geblieben.
Eine weise Entscheidung wäre dies gewesen, denn Mandaley stellte sich großstädtischer und trubeliger, vor allem auch teurer heraus als wir uns dies erhofft hatten.
Nichts desto trotz erlebten wir einen spannenden Nachmittag am Fluß. Mandaley, ebenso am Ayeyarwady River gelegen, zeigt sich hier von einer sehr armen, aber auch sehr authentischen Seite.
Zwischen Holz- und Kohleverarbeitung, zwischen Schmutz und Dreck, spielen und leben etliche Kinder mit ihren Familien in zeltähnlichen Behausungen. Eng beieinander wird hier gearbeitet, gegessen, geschlafen, gewaschen, gepinkelt… Die uns Westlern so wichtige Privatsphäre ist hier ein Fremdwort- das Leben würde gar nicht funktionieren, würde Scham und Rückzug den Alltag bestimmen.

Eine Enttäuschung hingegen war der Besuch des Tempels von Mingun. Dieser Klotz, welcher ursprünglich eine Zahn- Reliquie Buddhas beherbergen sollte, sollte das höchste Heiligtum der Welt werden. Erdbeben und Krieg vereitelten jedoch das Vorankommen, so dass lediglich der untere Teil des Tempels als Koloss stehen blieb und von Mandaley per Boot in nur einer Stunde angefahren werden kann. Dies führt aber zu Touristenstürmen und machte den Ort zu einem eher unspektakulären Teil unserer Myanmarreise.
An positiven Eindrücken hat Mandaley aber am Nachmittag des selben Tages gewonnen, als wir in Hochofenhitze in einem schweißtreibenden Anstieg von fast 1000 Stufen auf dem Mandaley Hill mit einem beeindruckenden Ausblick belohnt wurden. Über Reisfelder und Berge hinweg bekommt man eine Idee von der Schönheit  der Umgebung Mandaleys.
Aber man erhält ebenso einen Einblick in der Größenwahn der Herrscher Myanmars, wenn man von oben auf den 2 mal 2 Kilometer ummauerten Königspalast schaut und diese somit 4 km²- Fläche mitten in der Stadt wahrnimmt.

Nach diversen Pro und Contra Diskussionen (Bus oder Bahn, Nachtbus oder nicht), sind wir früher als geplant aus Mandaley zurück nach Yangon gefahren. Die erste Busreise, die uns nicht zur angebeben Zeit am Ziel ankommen lies. Obwohl wir im Guesthouse ein Zimmer vorreserviert hatten, stresste uns die Ankunft am Abend um neun doch etwas.
Trotz des Titels „ehemalige Hauptstadt“ wirkt Yangon am Abend doch eher verschlafen, so dass wir nicht sicher waren, ob wir um 22 Uhr überhaupt noch was zu essen bekommen. Aber unser Lieblingsrestaurant hatte die Pforten noch nicht geschlossen, so dass der Abend müde, aber entspannt ausklingen konnte.

Beim Spaziergang zum Hafen in Yangon am nächsten Tag gewannen wir den Eindruck,  dass diese Stadt sich von Mandaley und den anderen Orten Myanmars, die wir gesehen hatten, unterscheidet. Es war ein Gefühl und nur an kleinen Äußerlichkeiten festzumachen. So sahen wir z.B. viel weniger Männer, die den traditionellen Longyi  trugen. Longyis sind wie ein Tunnel genäht, den Männer und Frauen als rockähnliches Beinkleid tragen. Die Männer machen in der Regel einen dicken Knoten in Bauchhöhe, während die Frauen den Rock wickeln und einfach nur am Bund einstecken.  In Yangon erschienen viele Menschen weitaus westlicher oder „moderner“. Dies soll nicht wertend klingen, vielmehr soll es den Eindruck beschreiben, den die Menschen in dieser Stadt auf uns machten. Ob dies der Wirklichkeit entspricht ist schwer zu sagen, wie schon erwähnt, mehr das Gefühl bescherte uns diesen Eindruck. Aber auch in Yangon wurden wir wieder einmal Zeugen eines typisch quirligen südostasiatischen Ort des Alltags. Am Yangon River verbrachten wir Stunden am Pier, wo alle 20 Minuten eine Fähre zu einer kleinen Insel im Fluss übersetzt. Wir wurden Zeugen eines hektischen, buntelkden, geschäftigen und unglaublich spannenden Treibens von Händlern, Reisenden, Abreitern….

Mit diesem Tag endete unsere erste Reise nach Myanmar. Erste Reise, weil wir wieder kommen möchten. Viele Orte und Stellen haben uns hier gefallen, Laos bleibt aber bisher unser Südostasien-Favorit.Myanmar war anders- anders, weil uns das Dorfleben bisher gefehlt hat, anders, weil wir zum ersten Mal in der Regenzeit unterwegs waren und leider auch erheblich daran zu knabbern hatten, Weil wir Dinge nicht oder anders gemacht haben, als dies bei trockenem Wetter der Fall gewesen wäre.
Grundsätzlich ist unser Fazit: Myanmar ist ein tolles Land, uns bleibt der Wunsch zu einer anderen Reisezeit in Gebiete vorzudringen, die mehr Land- und Dorfleben zeigen, ohne Schlamm und Matsch in Regionen zu trekken, die uns die atemberaubende Naturschönheit dieses Landes aufzeigt. Fazit ist aber auch, dass es eine Reise war, auf denen wir mit wenig Tourismus konfrontiert wurden und mit so unglaublich gastfreundlichen und einfach nur netten Menschen zusammen gekommen sind.

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