Sihanoukville- Koh Rong Samloem- Koh Rong

2010/2011

Kambodschas Küste zum Golf von Thailand ist im Verhältnis zu den Meereszugängen der Nachbarländer Thailand und Vietnam nicht besonders groß und hat auch deren Status als klassisches Urlaubsziel noch lange nicht erreicht. Dennoch haben sich auch hier Anziehungspunkte für Touristen entwickelt. Obwohl wir im Vorfeld wussten, dass Sihanoukville einer dieser stark frequentierten, westlichen Touristenmagnete sein soll, haben wir nach langen Überlegungen entschieden, den Ort als Ausgangspunkt für weitere Aktivitäten zu nutzen. Sihanoukville ist zwar in verschiedene Strandabschnitte unterteilt, aber bis auf einen dieser Strände völlig zugebaut mit Restaurants und Unterkünften. Unser eigentliches Reiseziel waren die, der kambodschanischen Küste vorgelagerten Inseln, zu denen wir jedoch, selbst in Sihanoukville, nur spärliche Informationen bekommen haben.  Letztlich haben wir aus dem Bauch heraus über eine Tauchschule eine Schnorcheltour mit Übernachtung nach Koh Rong Samloem gebucht.

Die turbulente, wellenreiche Bootsfahrt hat uns zu einem wunderschönen kleinen Fischerdorf gebracht, nebendran ein paar einfache Bungalows des Dive Centers. Genauso hatten wir uns ein paar Tage auf den Inseln vorgestellt und wären gerne noch eine weitere Nacht geblieben. Leider stellte sich heraus, dass die Unterkünfte für den nächsten Tag bereits ausgebucht waren. Bei einer Erkundungstour durchs Dorf hatten wir aber bereits einige Voluntaire kennengelernt, die am anderen Ende des Ortes, ebenfalls in einer kleinen Bungalowanlage gearbeitet haben. Dort wollte man uns aber keinen Bungalow für den nächsten Tag vermieten, da die Besitzer im Streit mit den Eigentümern unserer Bungalows liegen und diesen nicht weiter schüren möchten, indem sie Gäste abwerben. Hätten wir eine weitere Nacht auf dem Festland verbracht, hätten sie uns aber gerne als ihre neuen Gäste zur Insel zurück geholt.
Da wir diese komplizierte Option gar nicht in Erwägung gezogen haben, stellten wir uns enttäuscht darauf ein am nächsten Tag ins stressige Sihanoukville zurückzukehren. Dennoch haben wir einen netten Abend mit den Voluntairen und einer französischen Familie auf der Insel verbracht.

Am Vormittag des zweiten Tages kam Stephan dann aber die gloreiche Idee, mit einem Fischerboot auf die gegenüberliegende Insel Koh Rong zu fahren, wo es, nach Informationen unserer Schnorchelguides, auch Unterkünfte gibt. Also sind wir spontan mit einem Fischer dorthin gefahren und haben einen traumhaft schönen, karibikähnlichen Strand mit türkisblauem Wasser vorgefunden. Ein kleines Dörfchen, eine Tauchschule und zwei nette, naturbelassene Bungalowanlagen bevölkern an diesem Teil der Insel den Strand. Bis auf die wenigen Taucher und Bungalowbesucher ist der Ort noch gänzlich untouristisch. So etwa müssen Thailands Strände vor dreissig Jahren ausgesehen haben, bevor der Massentourismus dort eine Nische fand. Die beiden Bungalowanlagen gibt es noch kein Jahr und ebenso wirkt auch das Dorfleben. Die Bewohner sind authentisch und noch nicht annähernd „touristisch versaut“. Wir können uns vermutlich sehr glücklich schätzen, jetzt hier gewesen zu sein, denn in fünf Jahren wird wohl auch hier die Zivilisation und weit mehr westlicher Tourismus Einkehr finden. Noch gibt es keine Elektrizität, lediglich einige Stunden am Abend Strom über einen Generator und ein Abwassersystem wird auch gerade erst gebaut. Trotz oder gerade wegen dieses einfachen, aber friedlichen Lebens, konnten wir die Zeit hier sehr geniessen. Zwischen Bäumen und nur wenige Meter zum Wasser stand unser strohbedecktes Häuschen mit großer Terasse. Aus den zwei ursprünglich geplanten Nächten sind dann doch einige mehr geworden.

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen am Ende unserer Reise in Thailand einen Tauchkurs zu machen. Da uns aber der Ort und die Menschen hier von Beginn an sehr sympathisch waren, haben wir spontan entschieden diesen Plan bereits hier umzusetzen. Mit unserem Tauchlehrer Dennis haben wir drei Tage Theorie gebüffelt und Praxis erlebt. Anfängliche Unsicherheiten wurden beim ersten Freiwassertauchgang zwar nicht behoben, aber dennoch durch Ablenkung dieser berauschenden, neuen Welt zeitweise ausgeklammert. Mit dem zweiten und dritten Tauchgang und weiterer Theoriestunden fühlte sich aber selbst Edith, die anfangs große Schwierigkeiten hatte (und am liebsten nach den ersten beiden Übungen mit dem Atemgerät im Flachwasser aufgegeben hätte), sichtlich wohler. Trotz der meist leider schlechten Sicht, hatten wir bei den morgentlichen Tauchgängen relativ klares Wasser und konnten die Artenvielfalt des Meeres und diese stille, fanzinierende und farbenreiche Unterwasserwelt sehr geniessen. Nachdem wir die vorgeschrieben Praxiserfahrungen gemacht und unsere schriftliche Prüfung bestanden haben, dürfen wir uns nun beide „Open Water Diver“ nennen…
…und konnten auch nicht anders, als am letzten Tag auf der Insel noch einen Fun Dive zu machen, der uns einen weiteren großartigen Einblick in das Meeresleben bescherte. Unsere Vorfreude gilt jetzt Thailand und unsere Hoffnung einen guten Tauchspot und den dazugehörigen Guide zu finden, der uns ans Händchen nimmt.
Nach den langen und anstrengenden Tagen im Tauchkurs haben wir beschlossen, noch zwei weitere relaxte Tage in unserem Bungalow dranzuhängen. Da wir ursprünglich höchstens zwei Nächte Abwesenheit vom Festland geplant hatten, hatten wir jedoch akute Bargeldknappheit (es gab natürlich keine Bank o.Ä.). Unser italienischer Bungalowbesitzer hat sich zu unserer großen Freude aber in Euro bezahlen lassen. Bei dem deutschen Besitzer der benachbarten Bungalows und der Tauchschule durften wir „anschreiben lassen“. So konnten wir uns dann durchschlängeln und haben viele schöne Abende in dessen Restaurant mit dem Team der Tauchschule und den schrägen, aber auch sehr netten Travellern verbracht, die für eine Zeit dort arbeiten.

Zurück in Sihanoukville haben wir noch eine unumgängliche Nacht dort verbringen müssen, bevor uns der Bus am nächsten Morgen Richtung thailändische Grenze gebracht hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.