Tonle Sap- Battambang- Phnom Penh

2010/2011

Während der Regenzeit überschwemmt der Tonle Sap eine Fläche von über 10.000 km² und wird zum größten Süßwassersee Südostasiens. Das Wasser hinterlässt mit Beginn der Trockenzeit äußerst fruchtbaren Boden zum Reisanbau. Der See selbst bietet eine große Quelle für die Fischerei. Auf einer fast sechststündigen Fahrt (leider auf einem sehr kleinen, statt wie erhofft auf einem etwas größeren, bequemeren Boot), sind wir von Siem Reap nach Battambang gefahren und haben zahlreiche Wasserdörfer passiert. So fazinierend das Leben auf den Stelzenbauten und Flössen zu beobachten ist, so einfach sind die Lebensbedingungen der Menschen.

Bei einem Zwischenstopp in einem „Restaurant“ konnten wir uns selbst ein Bild machen. Die Toiletten der Wasserhäuser sind in der Regel Holz- oder Blechhütten, die lediglich ein Loch im Boden haben. Die Fäkalien gelangen direkt in den See.
Da das Haus und die angebauten Toiletten auf ein Floss gebaut sind, sollte das Gewicht nicht zu hoch und zudem ausgewogen verteilt sein, um nicht den Boden zu fluten. Bei unserem Stopp kamen allerdings zwei Boote mit über 50 Personen gleichzeitig in das Restaurant. Das Haus und somit auch das Klo sank dadurch ein Stück tiefer. Wir haben also nicht nur in den See uriniert, sondern standen alle mit den Füssen in unserem eigenen, aber auch in dem Pipi der anderen Leute. Auch, wenn sonst nicht soviele Menschen das Floß bevölkern, stelle man sich vor, dass man nicht nur uriniert. Die Vorstellung immer wieder den Toilettensiff neben seinem Haus schwimmen zu haben, macht es nicht besser. Ein sehr authentisches, wenn auch nicht zwingend zu wiederholendes, Erlebnis.

Angekommen in Battambang haben wir dort zwei Nächte verbracht und sind zu einer halbtägigen Motoradtour in die Umgebung, u.a. zum Wat Banan aufgebrochen. Ein erholsamer, aber nicht besonders spektakulärer Zwischenstopp.

Unser nächstes Ziel hieß Phnom Penh, Hauptstadt Kambodschas und mit 2 Millionen Einwohnern auch die größte Stadt des Landes. Phnom Penh wirkt wie eine typisch asiatische Großstadt: Dreckig, laut und chaotisch (besonders verkehrstechnisch) und dennoch weitläufig, teils modern und freundlich. Viel machen sicherlich die alten französischen Kolonialbauten, die noch erhalten sind aus oder die einzelnen Grünflächen, die immer wieder zu sehen sind. Der Fluss Tonle Sap (der den See füllt) bildet eine Uferpromenade, die gänzlich nicht pompös ist, und dennoch von Bars und Restaurants gesäumt ist.

An unserem ersten Tag haben wir uns durch das Leben der Stadt treiben lassen und den Wat Phnom besucht, der der Stadt den Namen gibt. Zudem konnten wir den Aufenthalt nutzen,  um uns in der thailändischen Botschaft um unser Visum zu kümmern. Unseren Informationen nach sollte es kein Problem sein, das Visum morgens zu beantragen und auch sofort ausgestellt zu bekommen. In der Realität muss man drei Tage warten, was uns eindeutig zu lang war, da wir Phnom Penh bereits zwei Tage später verlassen wollten. Nach gutem Zureden bekamen wir dann, von der schon genervten Angestellten, die Order am nächsten Tag um 17 Uhr wiederzukommen, um die Dokumente zu holen. Sowohl auf unserem Ausgabeschein, als auch in der Embassy war jedoch zu lesen, dass die Abholzeiten zwischen 15 Uhr und 16.30 Uhr sind. Entsprechend früh haben wir uns am nächsten Nachmittag wieder in der Botschaft eingefunden, um nicht vor verschlossener Tür zu stehen. Wir waren nicht die einzigen Wartenden, aber statt das Büro zu angegebener Uhrzeit zu öffnen, wurden wir mal wieder Zeuge der asiatischen Bürokratie. Der thailändische Konsul schien erst am Nachmittag, offenbar persönlich, zum Pässestempeln gekommen zu sein, weshalb der Ausgabeschalter an diesem Tag erst nach 18 Uhr geöffnet wurde. Das lange Warten hat sich dennoch gelohnt: Wir haben ein gültiges Visum bekommen.

Unseren zweiten Tag in Phnom Penh haben wir genutzt, um uns mit der traurigen Geschichte Kambodschas intensiver auseinanderzusetzen.
Es ist kaum vorstellbar, dass Phnom Penh vor mehr als 30 Jahren fast ausgestorben war. Der Vietnamkrieg wütete bis 1975 auch in Kambodscha und die Auswirkungen waren deutlich spürbar. Tausende Menschen flüchteten vor den Kämpfen nach Phnom Penh. Die Roten Khmer nutzen das Chaos im Land und es gelang ihnen sich gegen die wackelige Regierung durchzusetzen und im April 1975 nach Phnom Penh vorzurücken, wo sie die Macht an sich rissen. Die Kambodschaner glaubten, die Roten Khmer würden nach Jahren des Krieges endlich für Frieden sorgen und empfingen sie freudig. Ihre Hoffnung wurde bitter enttäuscht: Das Regime unter Pol Pot veranlasste mit Einzug in Phnom Penh, dass alle Einwohner die Stadt verlassen und auf Land umgesiedelt werden mussten. Den Roten Khmer schwebte die absurde Idee eines reinen Bauernstaates vor, Phnom Penh wurde in Schutt und Asche gelegt.
Im ganzen Land wurden die Menschen aus den Städten aufs Land zwangsumgesiedelt. Bildung wurde als Verbechen eingestuft. Intellektuelle, Mönche, Lehrer, Ausländer, Brillenträger… wurden zwischen 1975 und 1979 vom Regime gefoltert und hingerichtet. Die Massenexekutionen kosteten bis zu 3 Millionen Menschen das Leben. Wie unvorstellbar und bestialisch diese Zeit war, dem konnten wir nicht annähernd, aber sehr eindrucksvoll bei unserem Besuch auf den Killing Fields und im Völkermordmuseum Toul Sleng nahe kommen.

Zu den Killing Fields wurden die Menschen deportiert, meist gleich hingerichet und in Massengräber geworfen. Das heutige Völkermordmuseum Toul Sleng war vor dem Regime der Roten Khmer eine Schule. Umso bedrückender ist die Vorstellung, dass dies zum Gefängnis umfunktioniert wurde. Hier wurden die  Menschen auf brutalste Weise gefoltert und in winzigen Zellen gefangen gehalten. Sowohl die Folterkammern und – geräte, als auch eine Vielzahl von Fotografien der Gefangen und Toten, aber auch der Folterungen sind im Museum zu sehen. Die Roten Khmer haben exakt Buch über ihre Gefangenen geführt, jeder wurde fotografiert und nummeriert. Erst 1979 zogen die Vietnamesen in Phnom Penh ein und beendeten diese Schreckensherrschaft.

Die Roten Khmer agierten jedoch in einer Koaltionsregierung noch viele Jahre aus dem Exil- unterstützt von den USA, Großbriannien und Thailand. Unglaublich, wenn man bedenkt, was die Roten Khmer den Kambodschanern angetan haben. Die eigenen Interessen der westlichen Welt, nicht noch ein weiteres kommunistisches Land auf der Landkarte zu bekommen, scheinen aber höher gewesen zu sein als zahlreiche Menschenleben. Erst Mitte/ Ende der 80er Jahre des 19. Jh. fanden Verhandlungen zwischen der Regierung in Phnom Penh und der Koalition im Exil statt, so dass es 1991 zu einem Friedensvertrag und 1993 zu den ersten, unter UN-Aufsicht geführten, freien Wahlen kam. Heute ist Kambodscha durch Korruption gezeichnet und dass es heute in diesem Land freie Wahlen gibt ist sehr zweifelhaft.

Die Folgen des Krieges und der Roten Khmer Herrschaft sind bis heute spürbar und sichtbar. Überall trifft man auf Minenopfer, alte Menschen, aber eben so junge Leute und Kinder, die ohne Beine und Arme versuchen ihr Leben durch Musik, Verkauf oder andere geldeinbringende Tätigkeiten zu meistern. Und nach wie vor sind die Menschen im ganzen Land der Gefahr von unzähligen, nicht geräumten Landminen ausgesetzt.

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