Smart down under – ist das wirklich clever?

Smart down under – so zumindest der Plan, wenn wir in gut 4 1/2 Monaten, Mitte Juli, über Land und Wasser von Köln nach Australien aufbrechen. Ob das alles so clever ist, wird sich dann noch herausstellen. Vorab jedenfalls scheint es als Individualreisender weit aus einfacher zu sein mit ein paar günstigen Flügen in das eine oder andere Land zu gelangen, aber dazu später mehr.
Das Ei mit dem „ohne Flugzeug bis Australien“ haben wir uns natürlich selbst gelegt. Ich alter Flug-Angsthase finde das großartig! Außerdem sieht unser Plan ja vor, möglichst langsam und ohne Zeitdruck durch die Welt zu fahren. Warum? Ja, warum eigentlich? Das ist eine lange Geschichte, die kurz und knapp nach ein paar gemeinsamen Reise- und Beziehungsjahren, zu viel Alltagsroutine und vielen Gesprächen in der Entscheidung mündete, gemeinsame Träume doch nicht nur zu träumen, sondern auch (mal wieder) zu verwirklichen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass auch Reisen zur Routine und zum Alltag wird, aber da können wir mitgehen.
Für den Weg über Land haben wir uns letztlich entschieden, weil uns die Erfahrung gelehrt hat, dass wir Land und Kultur, vor allem aber Menschen und ihre Geschichten nur dann kennen- und ein wenig besser verstehen lernen, wenn wir uns Zeit nehmen. Stoppen, gucken, um die Ecke gucken und einfach mal bleiben, auch wenn der erste Eindruck nicht so bewegend oder herzlich ist. Das wird uns passieren, wenn wir irgendwo im Nirgendwo anhalten und aussteigen. Das wird uns auch frusten, aber genau das macht das Reisen ja auch aus. Du weißt nie, was Dich erwartet, im Positiven und Negativen. Du weißt nicht, wo Du in drei Tagen oder einem Monat genau bist, wo Du schläfst oder wie Du weiter kommst. Weißt nicht, wen Du triffst, wo Du schnellst möglichst wieder weg willst oder wo Du länger hängen bleibst. Das macht den Alltag eines routinierten Reisetages so spannend.

Eine niemals endende TO DO- Liste

Gestern noch überlegt, was wir, wie wir, wo wir hin wollen, diskutieren wir heute schon darüber, ob wir denn nun den ollen, alten Campingkühlschrank behalten oder verschrotten sollen. Seit unserer Rückkehr aus Äthiopien im Januar laufen die Vorbereitungen langsam, aber konstant an. Konstant heisst soviel wie „hundert Baustellen, die es bis Juli parallel zu bearbeiten gilt“. Oder, um das Bild von Gerd zu nutzen, der uns auf seiner Radreise in Äthiopien begegnet ist: Man schiebt einen Berg vor dem Bulldozer her und der Berg wird einfach nicht kleiner- auch im Juli ist der noch genauso groß. Vermutlich.

Ein kleiner Eindruck der TO DO-Liste sei hier nun auch gegeben. Die erscheint übrigens wie die Tasche von Mary Poppins. Diese war das fantastische Kindermädchen, welches mit seinem Schirm über die Dächer Londons flog und aus jener Tasche, die etwa so groß war wie ein Mini- Trolley, fortwährend alles und nichts heraus zauberte, ohne dass der Fluss an Gegenständen je zu versickern schien. So ähnlich geht es uns mit der TO DO- Liste. Wenn man meint, es kann doch gar nichts mehr kommen, dann gesellt sich garantiert eine neue Aufgabe in die Reihe.

Es ist nun nicht so, dass wir nicht ein wenig routiniert wären, Reisevorbereitungen zu treffen. Doch „normale“ Organisation bedeutet für 3-5 Wochen zu planen. Bei einem Jahr stellt selbst die Wahl der Schuhe, der richtigen Jacken und Hosen eine riesige Herausforderung dar. Die obligatorische Impfberatung im Gesundheitsamt wird vermutlich etwas länger dauern. Die Entscheidung, welche Reisekrankenversicherung wir denn nun abschliessen, bedarf ein wenig mehr Vergleichen. Die Auswahl unserer Speichermedien für Fotos wird etwas größer und teurer ausfallen und bei den großartigen Internetverbindungen anderswo auf der Welt wird es nicht so leicht sein, die tausende von Bildern mal eben in die Cloud zu laden.
Der ganze Medienkram ist dann natürlich auch wieder eine Herausforderung für sich. Kann ich- trotz world wide web eigentlich überall meine E-books kaufen und herunterladen? Nö, einfach nicht. Ginge aber, wenn ich in jedem Land eine Adresse hätte und das Herunterladen quasi neu beantrage. Weiß ich nach drei Telefonaten nun auch. Mach ich aber nicht! Danke dem freundlichen Amazon Mitarbeiter, der mir jetzt eine andere Möglichkeit offeriert hat! Doch das führt zu weit.

Die nicht vorhanden Flüge und die Visa…

…stellen uns vor das, vorab schon erwähnte Problem, des die Freiheit liebenden Individualreisenden. Normal wäre: Antrag, Foto und Pass an den Visa-Dienst schicken und einige Zeit später kommt der Pass beklebt und gestempelt zurück- fertig! In den meisten Ländern ab Südostasien können wir die Visa erfreulicherweise direkt bei der Einreise bekommen. In Osteuropa und Zentralasien stellt man da weitaus höhere Ansprüche. Aber, wem soll man es verdenken- nur einige wenige unter unseren Lesern haben vermutlich Erfahrung mit einem Visum für Deutschland und die daran gebundenen Bedingungen. Also, wer beschwert sich hier?
Aber es bereitet uns nicht unerhebliches Kopfzerbrechen, wie wir denn nun, vor allem nach China kommen. Laut offizieller Kanäle und unserer bisherigen Recherchen, ist es aktuell nur möglich als deutscher Staatsbürger ein Visum für China in Deutschland zu beantragen.Wohlgemerkt: In Deutschland und nur in Deutschland. Und dies auch erst 60 Tage vor der Einreise nach China, einem Zeitpunkt also, zudem wir vermutlich irgendwo zwischen Warschau und Sibirien unterwegs sein werden. Der Trend geht wohl zum Zweitpass, den wir für viel Geld beantragt haben und der uns dann von einer Person unserer Vertrauens, und bis dahin hoffentlich mit einem gültigen Einreisevisum versehenen, an eine sichere Adresse in der Mongolei geschickt werden muss. Zudem werden wir nicht drum herum kommen für die Volksrepublik China die Ein- und Ausreise mit dem Zug vorab zu buchen. Die Buchung der Transib ist dann wieder eine andere, unsere logistischen Talente fördernde, Geschichte. Um aber beim Visum zu bleiben: Laut unseres Visa- Dienstes und diverser anderer Quellen bedarf es für den Erhalt eines Einreisevisums nach China einer datumsgenauen, schriftlichen Vorlage der kompletten Reiseroute mit bereits gebuchten Unterkunftsnachweisen. Innerhalb des viertgrößten Staates der Erde, der flächenmäßig fast 27 mal so groß wie Deutschland ist, wäre dies die größte Herausforderung. Verfolgt man hingegen die aktuellen Berichte in diversen Reiseforen, scheinen diese Informationen etwas überholt. Dies lässt uns hoffen und weiter recherchieren.

Wohnungsnot in Köln

Ein Stichwort, dass uns gerade herzlich nebensächlich ist. Wir kommen dann nächstes Jahr nochmal darauf zurück, wenn wir die Sofas und Gästebetten unserer Freunde und Familien belagern. Nach einigen, der zahlreichen Diskussionen im Hause Kuball/ Mink über Entscheidungen, die es zur Vorbereitung für die Reise zu treffen gilt, beschäftigen uns nicht zuletzt all die Dinge, die es für die vorübergehende Nachbereitung unseres derzeitigen Alltags bedarf.
Die Wohnung untervermieten oder doch lieber aufgeben? Die Möbel unterstellen oder veräußern? Den bereits erwähnten, ollen Campingkühlschrank behalten oder auf die Deponie? Meinungsverschiedenheiten sind vorprogrammiert. Im Hinblick auf die Wohnungsauflösung sind wir uns schon mal einig. Auch bieten wir schon mehr oder weniger fleissig unser Hab und Gut zum Verkauf an. Selbst ich „kann“ jetzt eBay und hab reBuy für mich entdeckt. Wer hätte je gedacht, dass ich mal meine Bücher verkaufe. Der Flohmarkt- Termin am Uni- Center steht. Die ersten Umzugskisten stehen im Keller. Denn auch, wenn man seinen Hausstand weitestgehend auflöst, alles geht dann doch nicht. Herrlich, verblichene Siebzigerjahrefotos im Kinderfotoalbum werden ebenso wenig verschwinden, wie persönliche Erinnerungen oder rein Praktisches. Wir kommen wieder, um einiges ärmer an Geld und hoffentlich reicher an der Erfahrung mit wenig gut leben zu können. Dennoch können und wollen wir heute dann doch nicht alles weghauen, zumal fraglich wäre, wer das alles kaufen soll. Und so schließe ich heute mal mit einem: Dreimal hoch auf meinen Vater!- der uns Platz schafft für die eine und die andere Kiste, vielleicht ja auch für den ollen Campingkühlschrank…

5 thoughts on “Smart down under – ist das wirklich clever?

  1. Hallo,
    da habt ihr einen mutigen und aufregenden Plan! Ich hatte vor einiger Zeit auch mal den Gedanken, den Landweg zwischen Deutschland und Thailand zu recherchieren. Gemacht habe ich es allerdings nie.
    Ich wünsch euch viel Erfolg bei der Planung und bin gespannt auf die Berichte ab Juli.
    Liebe Grüße,
    Stefanie

  2. Liebe Stefanie,

    wir sind auch sehr aufgeregt, obwohl oder gerade weil wir (nur) noch drei Monate Zeit haben. Wir sind mitten in der Orga. Und dann rast die Zeit nur so, um tausendundeine Sache zu erledigen. Aber der Plan ist ja auch, dann mal nicht soviel Plan zu haben und sich treiben lassen zu können 🙂
    Viele Grüße Edith

  3. Liebe Edith, ich bin per Zufall auf deinen Hinweis mit dem e-books gestossen. Wie hast du denn das Problem gelöst mit dem Herunterladen im Ausland? Lieben Dank für deine Rückmeldung.
    Brigitte

    • Hallo Brigitte,
      es ist in der Tat ein Problem E-Books, zumindest beim Kindle, zu erwerben und herunterzuladen, wenn Du keine feste Adresse im Ausland hast. Die ersten Versuche mögen noch gelingen, aber dann sperrt Amazon Dich. Hintergrund wird vermutlich sein, dass sie Dein Konto vor Hacker- Versuchen schützen möchten und nicht zuordnen können, warum plötzlich alle Käufe aus dem Ausland stattfinden.
      Ich habe mich vor der Reise mit einer E-Mail direkt an Amazon gewendet und erklärt, dass ich nun leider keine Adresse im Ausland hätte und darüber hinaus in verschiedenen Ländern unterwegs bin. Der freundliche Mitarbeiter hat eingeräumt, dass mein Konto nach ein paar Käufen gesperrt wird, aber ich dieses, soweit ich es erkläre, dann umgehend per E-Mail wieder freischalten lassen kann. Nun habe ich das Glück, dass ich eine riesige Bibliothek auf meinem E-Book habe und bisher noch nicht auf einen Kauf zurückgreifen musste. Allerdings habe ich die E-Mail von Amazon nach wie vor gespeichert und würde diese im Notfall auch vorlegen. Ich glaube auch, dass es kein Problem wird.
      Soweit, ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen und drücke die Daumen.

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