Wer braucht schon eine Dusche? – Trekking in Phongsali

Irgendwie fügt sich alles – Endlich zum Trekking in Phongsali

Eigentlich habe ich das Ziel schon von der Agenda gestrichen, obwohl ich doch unbedingt zum Trekking in Phongsali in den hohen Norden von Laos reisen möchte. Tagelange Regengüsse während unseres Laos-Besuchs im November halten uns davon ab. Aber irgendwie fügt sich ja dann doch immer alles. Zum laotischen Neujahrsfest möchten wir wieder zurück in Luang Prabang sein, bis dahin ist jedoch Zeit genug, um meinem Wunsch endlich gerecht zu werden und ein Trekking in Phongsali zu unternehmen. Die Anreise in die entlegene Region soll beschwerlich, die Infrastruktur verhältnismässig einfach sein. Aber das macht es ja gerade spannend. Vielleicht gelingt es uns, hier noch einen Hauch des ursprünglichen Lebens der Bergvölker zu erspüren.

Hätte, hätte Fahrradkette: Was nicht alles sein würde, wenn…

Schon die erste Etappe von schlappen fünf Stunden im öffentlich Bus bis Oudomxay ist ein kleines Abenteuer. Wie immer ist alles sehr beengt und ordentlich vollbepackt. Dazu ein Tempo liebender Busfahrer. Als wir in der äusserst trostlosen Stadt ankommen, tun mir schon alle Knochen weh. Welch eine Voraussetzung für die Weiterfahrt nach Phongsali.

Denn die Strecke ist lang, anstrengend und kurvenreich. Obwohl grundsätzlich ausgebaut, gibt es immer wieder kurze Teilabschnitte, die sich noch im Bau befinden. Schon zehn Minuten vor Abfahrt setzt sich am nächsten Morgen der grosse und geräumige Bus in Bewegung.

Und vermutlich würden wir die Strecke sogar unter der angegebenen Zeit von sieben Stunden meistern, würden wir nicht den ersten Zwischenstopp schon nach 5 Minuten beim Mechaniker einlegen, der erst einmal die Klimaanlage repariert. Würde der Busfahrer nicht, gefühlt alle 30 Minuten, zur Pinkelpause rufen und anhalten. Würde die Strasse nicht plötzlich einfach vorübergehend gesperrt sein. Und würden wir nicht überall stoppen, um etwas Essbares zu kaufen.

Erst auf den zweiten Blick

Wir erreichen Phongsali am späten Nachmittag, acht Stunden später. Die Unterkunftssituation ist eine Katastrophe. Aber wir erwarten nichts anders. Weit ab von allem befinden wir uns fast am nördlichsten Zipfel von Laos in der Nähe der chinesischen Grenze. Die Bergwelt scheint ein Traum. Einen blassen Schimmer des Charmes, den der Ort auf eine sehr eigene Weise ausstrahlt, erhaschen wir erst am nächsten Tag, als wir durch die Stadt ziehen und die Anhöhe des Phou Fa besteigen. Ein schweisstreibender Aufstieg, der uns schon einmal auf das Trekking in Phongsali einstimmt.

Ein Grillfisch im Schweisse unseres Angesichts

Mit Giorgia und Sara aus Italien und dem jungen Laoten La starten wir unseren zweitägigen Trek mit Übernachtung in einem Akha-Dorf. Die Hitze der Jahreszeit führt schnell dazu, dass uns die Schweissperlen schon wieder am Körper herunterlaufen. Über den grünen, aber von Trockenheit gezeichneten Bergrücken schmiegt sich der neblige Dunst der Waldrodung. Ein kurzer Teestopp in einem ursprünglichen Dorf, bevor es einen steilen Anstieg zum höchsten Punkt des Treks zu bezwingen gilt, auf dessen Spitze wir uns nass geschwitzt und ausgehungert über hervorragenden Grillfisch vom Markt hermachen.

Eindrücke vom Leben der Akha

Die Akha gehören zu einer der zahlreichen Ethnien in Laos, die sich einst von Tibet und Yunnan kommend im Norden des Landes angesiedelt haben. In grossen, auf Stelzen errichteten Holzhäusern lebt die Gemeinschaft auch unter dem Einfluss des Fortschritts weiterhin ihre Traditionen und Rituale. So tragen z.B. die meisten weiblichen Angehörigen der Volksgruppe immer noch traditionelle Kleidung.

Und auch der Geisterglaube ist allgegenwärtig. Bei den Akha angekommen, ist schnell klar, dass dies eines der Dörfer ist, das bereits weit entwickelt ist. Verkehrstechnisch angebunden, mit Elektrizität und fliessendem Wasser versorgt. Und die tiefen, quadratischen Gruben überall im Dorf zeugen von einem Projekt zum Bau von Toiletten für jedes Haus. Mehrere Wasserstellen im ganzen Ort verteilt dienen als Waschplatz und Duschmöglichkeit für die Bewohner zugleich.

Der obligatorische Lao Lao

Das Haus des Dorfchefs, in dem wir zu Gast sind, hat in zwei einfachen Lehmbauten bereits eine eigene Toilette (übrigens ein Thron, wenn man bedenkt, dass der Hockklo in einen Lehmhügel so eingelassen ist, dass es schon fast eines Balanceaktes bedarf, um hier nicht seitlich herunterzufallen) und sogar einen Duschraum mit fließendendem Wasser aus dem Schlauch, wo wir uns den gröbsten Dreck des Tages abwaschen können. Hier leben alle Generationen mit Kindern und Ehepartnern als grosse Einheit zusammen unter einem Dach. Nur hauchdünne Wandplatten trennen mehrere Schlafräume voneinander ab, die nach oben geöffnet sind. Da der Chef selbst nicht anwesend ist, vertritt ihn der Sohn, der auch das abendliche Mahl traditionell am tiefen, runden Tisch mit uns einnimmt. Dazu werden gehörige Portionen Lao Lao gereicht bis wir von dem selbstgebrauten Schnaps so schlaftrunken sind, dass wir müde in unser Matratzenlager fallen. Doch bevor wir schlafen bekommt jeder noch eine traditionelle Massage von den Damen des Hauses. Man merkt: Wir sind hier nicht die ersten Touristen.

Vollkommen geplättet

Nach einem ausgiebigen, morgendlichen Spaziergang durchs Dorf und einem kräftigen Frühstück brechen wir zur zweiten Etappe unseres Treks auf. Ein ziemlich heftiges Unternehmen, denn wir müssen uns sputen, um den Bus an der Hauptstrasse zu bekommen. In einer Monsterhitze wandern, nein rennen wir bis zum Waldrand. Quer durch den Dschungel geht es von hier aus auf und ab. Vollkommen erschöpft, dreckig und triefend nass geschwitzt schleppen wir uns in den (übrigens erst eine halbe Stunde später passierenden) Bus nach Boun Neua, wo unser Gepäck wartet.

Im Schlafbus

Erschöpfung hin oder her. Wir ziehen noch weiter, um am nächsten Tag ein Stück der langen Strecke in südliche Richtung zu sparen. Die letzte Verbindung an diesem Tag nach Boun Thai ist ein Schlafbus, den wir nur für eine Kurzstrecke von knapp 1 1/2 Stunden nutzen. Aber, die Leute in den Touristenagenturen wissen ganz genau, warum sie keine Tickets für einen Schlafbus in den hohen Norden verkaufen. Hier geht´s eben anders zu als auf den von Touris hoch frequentierten Strecken. Wir stapeln uns fröhlich im Gang, rotzendreckig, stinkend und in freudiger Erwartung in vielleicht zwei Stunden eine Unterkunft zu haben und endlich unter eine richtige Dusche mit fliessendem Wasser zu springen.

Wer braucht schon eine Dusche?

Eine Dusche? Welch absurder Wunsch nach zwei Tagen in Hitze, Dreck und eigenem Schweiss. Schliesslich ist Trockenzeit und in ganz Boun Thai gibt es kein Wasser. Später am Abend wird es wieder laufen, meint der Besitzer unserer Unterkunft. Wahrscheinlich. Vielleicht aber auch nicht. Was soll´s. Die Mädels und wir können uns ja ohnehin schon seit zwei Tagen ganz gut riechen, dem tun die nächsten Stunden auch keinen Abbruch. Irgendwann mitten in der Nacht läuft das Wasser, der grosse Bottich im Bad wird gefüllt. Doch so schnell es kommt, so schnell versiegt es auch wieder. Am nächsten Morgen stehen die Wasserleitungen wieder still. Aber, hey, wer braucht schon eine Dusche? Eine Katzenwäsche tut´s ja auch!

Nur nicht aufregen!

Um acht soll der Bus weiter nach Muang La gehen. Wir fragen am Vortag mehrmals an der Busstation nach. Pünktlich um acht steht das Vehikel dann auch startbereit und wir steigen beinahe ein. Aber nein, das ist doch der Bus nach Muang La in China, nicht Muang La in Laos, der geht doch erst um elf!

Kein Wasser, um 5 Uhr morgens aufstehen und und jetzt drei Stunden warten bis wir losfahren können. Aber ehrlich, Aufregung ist hier völlig fehl am Platze. Es geht uns allen gut, alles wird sich fügen. Welcome in Laos!

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