Zwischen Korruption und Sicherheit – eine Grenzüberquerung von Laos nach Kambodscha

Fast wieder wie bei der Deutschen Bahn

Aufbruch auf den 4000 Inseln morgens um 8 Uhr. Ankunft in Stung Treng geplant um 12.30 Uhr. Tatsächliche Ankunftszeit etwa 14.30 Uhr. Dazwischen etwa 100 Kilometer reiner Fahrtweg und eine Grenze. Wobei der Weg über den laotisch- kambodschanischen Grenzposten Nong Nok Khian – Trapaeng Kriel die geringste Zeit in Anspruch nimmt. Sehr zu unserem Missfallen sind wir wieder mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs und das bedeutet, viele Minuten und Stunden totschlagen zu müssen, um an irgendwelchen Umschlagplätzen in den nächsten Bus gesetzt zu werden.

Der Abschied naht

Zwölf Tage gemeinsamen Reisens und der Entspannung mit Ilona und Florian liegen hinter uns. Eigentlich sind wir sicher, dass wir noch ein paar Stunden im Bus zusammen verleben können, bevor die Beiden von Stung Treng nach Siem Reap/ Angkor Wat zu ihrem nächsten Ziel weiterfahren und sich unsere Wege wieder trennen. Plötzlich aber geht alles sehr schnell. Busumschlagplätze auf der ganzen Welt aber haben System, wenn auch eines, dass sich uns niemals erschliessen wird. Nachdem wir mit dem Boot zum Festland übergesetzt sind und schon eine Stunde warten, wird endlich zum Aufbruch gerufen. Doch während wir in einen Minibus verfrachtet werden, bekommen Ilona und Flo ihre Plätze in einem großen Reisebus zugewiesen. Da passt ein schnelles „und tschüss!“.

Kambodschanische Grenze Nong Nok Khian

Man sieht sich immer zweimal…

… oder sogar dreimal im Leben. Wir hätten es uns auch denken können. Stephan und ich überqueren die Grenze zu Fuss, alles ziemlich easy. Dahinter wartet auf uns der nächste Umschlagplatz, wir warten mindestens 1 1/2 Stunden auf den Anschlussbus nach Stung Treng. Und wie sollte es anders sein, natürlich muss auch die Busmannschaft um Florian und Ilona herum die Grenze passieren. Und natürlich treffen wir uns freudestrahlend wieder. Doch spätestens jetzt ist wirklich mal Abschied nehmen angesagt, aber diesmal so richtig. Denkste! Wir erreichen unser Ziel, Stung Treng, einige Stunden später und werden dort rausgelassen, wo all jene warten, die noch weiter reisen. Solche, wie die beiden Deutschen dort in der Ecke am Tisch. Kennen wir die nicht? Bärtiger Lockenkopf neben einer zierlichen, müde wirkenden Brünetten? Nochmal verabschieden wir uns nicht! Und das nächste Wiedersehen kommt auf jeden Fall und wir erwarten es mit großer Freude.

Kein Durchgang für Amélia

Und dabei hatten wir uns diese ganze Reiseprozedur über die Grenze ganz anders vorgestellt. Amélia, unser geliebtes Motorrad, hat extra ein vietnamesisches Kennzeichen, was eigentlich dafür ausgelegt ist, die Landesgrenzen von Laos, Kambodscha und Vietnam ohne Probleme übertreten zu können. Neue, nicht verbreitete Regeln an vereinzelten Grenzposten oder einfach nur ein quer sitzendes Lüftchen des Grenzpersonals sorgen aber dafür, dass verschiedene Biker die Landeslinien nicht mit ihren Maschinen übertreten durften. Allen voran unsere China- Bekannten April und Darryn, die schon zweimal mit ihrem Motorrad den Versuch von Vietnam nach Laos gewagt haben und wieder umkehren mussten. Der einzige laotische Grenzübergang nach Kambodscha aber, das wissen wir spätestens bei Ankunft auf den 4000 Inseln sicher, lässt offiziell keine Mottoräder mit vietnamesischem Kennzeichen mehr passieren.

Wenn der sicherere Weg illegal ist

Etliche Optionen schwirren uns in den nächsten Tagen durch den Kopf. Fakt ist, dass wir in einigen Tagen definitiv Laos verlassen müssen, weil das Visum ausläuft. Also: Visum verlängern und eine andere, weiter entfernte Grenze über Vietnam anfahren? Motorrad unterstellen und Kambodscha mit dem Bus bereisen? Oder es drauf ankommen lassen, zur Grenze fahren und viele Dollar in der Tasche haben?

Wir entscheiden uns für den teuersten, vermutlich aber sichersten Weg. Wenn ich von sicher spreche, dann reden wir über ein Land, in dem Korruption das Alltagsgeschäft, allen voran der Staatsbediensteten, ist. Ergo: Wir vertrauen weit mehr dem Freund unseres Gästehaus- Besitzers, dem wir viele Dollar in die Hand drücken, um im Gegenzug das Motorrad illegal über die Grenze zu schaffen. Aber, was heisst schon illegal? Schliesslich ist Amélia ja auch nicht offiziell auf uns zugelassen.

Zurückgewonnene Freiheit auf dem Motorrad

Ein Name, eine Restaurant- Adresse und eine Telefonnummer. Das sind, neben dem Betreiber unserer laotischen Unterkunft, unsere einzigen Anhaltspunkte in Stung Treng, um Amélia wieder in Empfang zu nehmen. Wir erreichen den Ort viel später als erwartet. Trotz der Zuversicht, dass schon alles klappen wird, bleibt ein mulmiges Kribbeln.

Ein erstes Aufatmen, denn das genannte Lokal gibt es, nebst Gästehaus, tatsächlich. Als ich das Gebäude betrete, lächelt mich schon ein netter Kambodschaner an und nennt mir seinen Namen. Passt! Aber woher weiss er, dass ich Diejenige welche bin, die wegen unseres Motorrads hier ist? Hier sind schliesslich so einige Traveller unterwegs. Er habe schon auf mich gewartet, erläutert er grinsend. Sein Bruder habe uns beschrieben. Nun denn. Amélia hat den Trubel unbeschadet überstanden. Es geht ihr gut. Und auch wir fühlen uns wieder viel besser. Vor uns liegt Kambodscha, dass wir frei und unabhängig durchqueren dürfen.

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