Dali – Begegnungen mit der TukTuk-Mafia

Keine Reise wert

Dali soll einst die Backpackeroase im Norden Yunnans gewesen sein. Übrig geblieben ist eine touristisch überlaufene Stadt, ein Abklatsch Lijiangs. Dali aber fehlt die architektonische Größe Lijiangs, die uns dort beeindruckt hat, solange die Menschenmassen in den frühen Morgenstunden noch ausblieben. Die alte Stadtmauer Dalis, geziert von mehreren Toren, steht zu großen Teilen noch, hier und da ist innerhalb der Ummauerung ein hübsches, historisches Haus auszumachen. Darüber hinaus finden wir Geschäfte, Restaurants, Bars und Souvenirläden. Mehr nicht. Was tausende Touristen in diesen Ort lockt, entzieht sich unserem Verständnis.

Chinesische Reisende mögen diesen aufgesetzten Rummel vielleicht, ebenso wie manch fremder Tourist. Ich aber behaupte, viele Ausländer fallen der Beschreibung einer (wohlgemerkt!) ehemaligen Backpackeroase des aktuellen Lonely Planets zum Opfer. Dessen Autor aber, da muss ich ihn in Schutz nehmen, macht sehr deutlich auf die Wandlung des Ortes zur chinesischen Touristenhochburg aufmerksam. Und dennoch preist er die Stadt und deren Umgebung so an, als lohne sich der Besuch hier. Ja, das Umland ist nett. Der Gebirgszug des Cang Shan erhebt sich gleich neben Dali und auch der Erhai- See ist nicht weit entfernt.

Uns aber überzeugt diese Landschaft nicht. Nun sind wir aber hier und machen das Beste draus. Spazieren einen Tag lang durch die Felder ausserhalb der Stadtmauern bis zum See und verbringen zwei wunderbare Abende mit Helen und Alex, die wir mal wieder treffen. Würde aber ich als Autorin für den Lonely Planet schreiben, ich würde empfehlen Dali weitläufig zu umfahren. Aber das ist natürlich eine ziemlich subjektive Wahrnehmung.

Abhängigkeiten von Google und Co

Zugegeben, unser Aufenthalt steht von Beginn an unter keinem gutem Stern. Wir erreichen Dali am frühen Nachmittag, können uns aber gänzlich nicht orientieren. Ein kleiner Schwenker an dieser Stelle sei erlaubt. Unsere (und ich bin sicher, auch die vieler anderer Reisender) Abhängigkeit vom Internet und insbesondere Google Maps wird uns hier, wie schon so oft, bewusst. Wir sind in China, was den Gebrauch von Google ohnehin zur Herausforderung macht. Der eine oder andere Experte auf diesem Gebiet wird sich nun vielleicht fragen, warum wir MAPS ME nicht nutzen. Eine tolle Erfindung, aber diese App funktioniert auch nicht ohne Probleme bei uns. Leider, und diese Hypothese stelle ich aufgrund meiner Erfahrungen im Land auf, gelingt es in China eher selten, auf die altmodische Weise der Passantenbefragung herauszufinden, wo wir gerade sind. Natürlich ist der Mangel einer gemeinsamen Sprache ausschlaggebend. Damit zusammen hängt vermutlich aber auch das Problem, dass Einheimische uns selten zeigen können, wo unser Standort denn liegt, obwohl wir ihnen eine Karte mit chinesischen Schriftzeichen zeigen. Irgendwo hakt es hier.

Heisse Diskussionen

Aber zurück zur Orientierungslosigkeit. Alle Versuche herauszufinden, wo wir uns befinden, scheitern. Drei junge Mädels mit ein paar Englischkenntnissen helfen uns aber und so finden wir uns auf einem TukTuk ähnlichen Gefährt wieder, dass uns zum Hostel bringen soll.
Natürlich haben wir vorher gefragt wieviel es kostet, die Mädels bestätigen den Preis. Natürlich wissen wir nicht, wie weit wir fahren müssen und, ob der niedrige Preis überhaupt realistisch sein kann. Lange Rede, kurzer Sinn: Als wir am Hostel ankommen stellt der Fahrer uns einen Preis in Rechnung, der exorbitant ist. Er habe fünfzig gesagt, nicht fünf. Wir erkennen wohl, dass unser vermuteter Preis tatsächlich zu wenig ist, wissen aber auch, dass die verlangte Summe eine absolute Abzocke ist. Ergo: Wir liefern uns an der Rezeption eine heisse Diskussion mit dem Fahrer. Solche Schwierigkeiten scheint es hier des Öfteren mit Fahrern zu geben, aber die Angestellten halten sich aus dem Konflikt heraus, um nicht zwischen die Fronten zu geraten.

Begegnungen und Feindschaften mit der TukTuk- Mafia

Von Fronten aber kann nicht die Rede sein, wohl eher davon, nicht ins Visier der TukTuk- Mafia zu gelangen. Das wir tatsächlich von einer Mafia sprechen können, wird spätestens dann klar, als der Fahrer, dem wir natürlich nicht den von ihm verlangten Preis zahlen, zwei andere Männern hinzu holt. Und jetzt gibt es richtig Ärger. Ich bin schon im Zimmer, als Stephan von einem der Herren zunächst aufs Übelste beleidigt wird. Der zweite Mann spricht gutes Englisch und übersetzt diese verbalen Entgleisungen offenbar wörtlich. Zugegeben, Stephan platzt daraufhin ebenfalls der Kragen, er wettert auf deutsch zurück. Richtig übel wird es jedoch, als der Bad Guy der Beiden eine klare Drohung formuliert. Wir wären ja noch einige Tage hier, die Strassen seien dunkel… oder so ähnlich. Der zweite Mann übersetzt natürlich auch dies, zeigt sich aber als der Good Guy, der nur als Übersetzer und Vermittler agiert. Als ich hinzustosse, haben sich die Wogen bereits geglättet und Stephan erklärt dem englischsprachigen Chinesen die Situation. Nach einigem Hin und Her schliessen wir tatsächlich einen Kompromiss, zahlen zwar immer noch viel zu viel, aber o.k. Wir sind auch nicht scharf darauf, die Männer fürs Grobe zu treffen. Herzlich Willkommen in Dali!

Eine ungewollte Stadtrundfahrt

Die Entscheidung in Dali nur zwei Nächte zu verweilen ist aufgrund der gesamten Eindrücke absolut stimmig. Wir brechen am Morgen des dritten Tages auf nach Kunming, der Provinzhauptstadt Yunnans. Hier beginnt eine Odyssee, als wir mit dem öffentlichen Nahverkehr durch die weitläufige Millionenstadt fahren.

Eigentlich ist es nie ein Problem den Busfahrern die Haltestelle zu zeigen oder zu nennen, an der wir aussteigen möchten, in der Regel geben sie uns Bescheid. Diesmal hat der junge Mann meines Erachtens nach mit ziemlicher Sicherheit verstanden, wo unser Ziel liegt, lässt uns aber total auflaufen. An der Endhaltestelle werden wir mit allen anderen Fahrgästen rausgeworfen. Wir sind, mal wieder völlig verloren, weil wir keinen Plan haben, wo die Haltestelle in die Gegenrichtung zu finden ist. Erst als die Rezeptionistin unseres Hotels einem sehr jungen Chinesen am Telefon unsere Situation schildert, bringt dieser uns freundlicherweise einige Häuserecken weiter zum Busstopp. Brav zählen wir die Haltepunkte, werden an der gewünschten Station von einem Hotelmitarbeiter abgeholt und kommen nach zwei Stunden Stadtrundfahrt endlich an. Nur noch Abendessen, schlafen, packen, bevor wir am nächsten Nachmittag auf unsere nächste Etappe in die Provinz Guangxi starten.

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2 thoughts on “Dali – Begegnungen mit der TukTuk-Mafia

  1. Wegen 50 RMB so einen Aufstand zu machen, halte ich für völlig überzogen. Das sind gerade mal knapp € 7,-. Mag sein, dass es zu viel ist. Aber wenn Ihr da nicht richtig zugehört habt, dann ist das so. Es kann überall auf der Welt passieren, dass man gerade von Taxi- oder Tuktuk-Fahrern übern Tisch gezogen wird. Da finde ich so ein Theater gerade von uns „reichen“ Westlern ziemlich daneben. Handeln ist ok, aber so ein Geschrei! Peinlich!
    Dali ist eigentlich immer noch ein sehr schöner und besuchenswerter Ort. Ich kenne Dali seit 1991. Wenn man mal ein paar Schritte von den Touristenstraßen weggeht, dann kann man die alte Idylle durchaus noch finden. Aber richtig: Dali wird immer touristischer. Das wird demnächst noch mehr, wenn erstmal der Hochgeschwindigkeitszug von Kunming nur noch 2,5 Stunden braucht.
    Beste Grüße
    Ulrike

    • Liebe Ulrike,
      danke für Deinen Kommentar. Wir haben die Situation damals selbst erlebt und sie entsprechend eingeschätzt. Es war unangenehm und mitunter auch sehr emotional, keine Frage. Und es war zuletzt auch bedrohlich. Emotionale Reaktion sind sehr menschlich. Aber natürlich wissen wir auch, dass sie in vielen Ländern dieser Welt nicht angebracht ist. Wir respektieren die Sitten und Gepflogenheiten eines Landes, auch, wenn es für uns manchmal schwer nachzuvollziehen ist. Allerdings sind wir nicht bereit, uns von mafiösen Gepflogenheiten einschüchtern zu lassen und diese zu unterstützen und machen auch hier auch im Ausland meist den Mund auf. Du magst das in solchen Situationen auf sich beruhen lassen, aber wir finden, dass hier jeder seinen eigenen Weg gehen sollte. VG

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