SmartDownUnder – Auf dem Land- und Seeweg von Köln nach Australien

Eine Idee wächst – SmartDownUnder

„SmartDownUnder – Auf dem Land- und Seeweg von Köln nach Australien“.  – Als wir beginnen uns Ende 2014 gedanklich mit der Planung einer längeren Reise zu beschäftigen, schwirren uns viele Ideen und Fragen im Kopf, weil diese, unsere grosse Reise doch ganz besonders werden soll. Wo soll sie uns denn eigentlich hinführen? Einmal um die ganze Welt? Wir könnten auch einen Bulli ausbauen und über Vorderasien und durch den Himalaya bis Thailand oder Laos fahren. Oder wir binden eines unserer Lieblingsreiseländer in unser Vorhaben mit ein, durchqueren Äthiopien und ziehen weiter über den afrikanischen Kontinent. Vielleicht wäre eine Tour mit dem Rucksack  durch Südamerika aber auch mal dran. Oder wie wäre es, wenn wir die einzelnen Länder mit bestimmten Aufgaben oder Herausforderungen im Gepäck entdecken? Für stellt dies eine Qual der Wahl sehr verlockender Vorstellungen dar.

Den sanften Wechsel zwischen den Kulturen erleben

Aber worum geht es uns denn eigentlich? Wollen wir denn jemandem etwas beweisen? Müssen wir uns mit einer völlig neuen Idee von all den anderen Weltenbummlern abgrenzen? Nein. Vielmehr ist es Zeit, die wir akquirieren möchten. Zeit, in der wir genau das tun können, was unserer Leidenschaft entspricht. Reisen. Langsam und intensiv. Schritt für Schritt. Der Weg über gut 13 Monate soll unser Ziel sein. Was würde da näher liegen, als den gesamten Pfad ganz im Fokus der Entschleunigung zu beschreiten? Mit offenen Augen und weitem Herzen Landesgrenzen passieren und Kontinente wechseln. Sanft den Übergang zwischen den Kulturen erleben und dabei zusehen, wie sich die Menschen und Völker schleichend verändern.

Vorbereitung auf die Reise

SmartDownUnder – Eine Idee ist geboren

Und damit steht die Entscheidung. Der Zeitsprung mit einem Flugzeug von einem ins nächste Land ist tabu. Wir möchten unser Ziel verfolgen und unseren Weg nur über Land und See beschreiten. In welche Richtung uns dieser Weg schliesslich führt, ist dabei vielleicht gar nicht so wichtig. Australien gehörte nie zu den Top 10 – Ländern auf unserer Reisewunschliste. Und dennoch ist die Herausforderung, die andere Seite der Welt ohne ein Flugzeug zu erreichen, äusserst reizvoll. Und auch die Vorstellung in der Transsibirischen Eisenbahn bis ins Reich der Mitte zu reisen weckt in uns die Abenteuerlust. Die Idee ist geboren. Wir möchten „SmartDownUnder- Auf dem Land- und Seeweg von Köln nach Australien“ reisen.

Diffuse Ideen nehmen konkrete Formen an

Es vergehen mehr als 1 1/2 Jahre zwischen den ersten zaghaften Gedanken und dem Zeitpunkt, als es endlich losgehen soll. Aus diffusen Ideen und Eingebungen werden langsam konkrete Ziele. Grob durchdachte Rahmenbedingungen nehmen Form an. Doch die Vorbereitung ist weit mehr, als die Organisation der eigentlichen Reise „SmartDownUnder“. Ein Neubeginn bedeutet auch immer sich zu lösen. Aus alten Strukturen, von geliebten oder auch verhassten Gewohnheiten. Prozesse abzuschliessen und Menschen hinter sich zu lassen.

Die Bürokratie und ihre Tücken vor dem Start von SmartDownUnder

Allein der bürokratische Aufwand ist immens. Schon weit über ein Jahr vor dem Aufbruch „SmartDownUnder“ beschäftigen wir uns mit notwendigen To Do´s. Eine Freistellung beim Arbeitgeber zu beantragen ist dabei der geringste Aufwand. Unseren Erwartungen entsprechend gibt es etliche Dinge, von Versicherungs-, Melde- oder Bankangelegenheiten, die es zu erledigen gilt. Doch schliesslich sind wir doch völlig davon geplättet, welche Fluten von Gesetzen, Regeln und Hindernissen bis kurz vor der Abreise auf uns einströmen. Wie absurd ist unsere Akribie doch, alles gut eintüten zu wollen und alle Eventualitäten auszuklammern. Es kommt ohnehin anders, was wir früher merken, als uns lieb ist.

Eine Achterbahn der Gefühle

Doch allem Organisatorischen zum Trotz schleichen sich mit den letzten Wochen in der Heimat natürlich auch die Emotionen ein. Plötzlich rennt die Zeit bis unser Abenteuer „SmartDownUnder“ starten soll. Der letzte Arbeitstag, der Auszug aus der Wohnung, der Abschied von lieben Freunden. Und dann fliegt Deutschland auch noch im Halbfinale von der Europameisterschaft raus. 🙁  Eine Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen Vorfreude, letztem Orga-Stress und den Stunden, die wir mit Freunden und Familie geniessen möchten, beginnt.

Auszug aus unserer Wohnung

Vor der Abreise SmartDownUnder verfolgt uns nur eine wirklich grosse Angst

Unsicherheit oder Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, haben wir in keiner Minute. Alles fühlt sich stimmig und richtig für uns an. Und doch begleitet uns diese einzige, wirkliche Angst auf dem Weg bis zum Start der Reise. Sie nagt an uns Beiden. Doch erst wenige Tage vor der Abreise können wir sie uns gegenseitig eingestehen. Grund ist diese irrationale Sorge, dass das, wovor wir uns am meisten fürchten nur deshalb eintreten könnte, weil wir es laut benennen. Glücklicherweise kommt es anders. Die grösste Angst, die in uns schlummert, ist nämlich die, gar nicht erst losfahren zu können. Nicht die Sorge vor Krankheit und Unfällen, vor familiären Katastrophen o.Ä., die während der Reise passieren könnten, machen uns verrückt. Nein, es ist die nackte Angst, dass irgendetwas geschieht, was uns hindern könnte überhaupt diesen ersten, für uns so wichtigen Schritt zu tun und zu starten.

Zum Abschied nochmal ein Grillevent in unserem Garten

Endlich im Nachtzug nach Warschau

Und dann ist es geschafft. Wir sitzen im Nachtzug nach Warschau. Den Kölner Dom im Rücken blicken wir voller Vorfreude und Spannung dem kommenden Jahr „SmartDownUnder“ entgegen. Wir machen Station in Polens Hauptstadt und gelangen über die Schienen bis Moskau. Vier Tage und drei Nächte fahren wir in der Transsibirischen Eisenbahn gen Osten und erleben unseren ersten Reisehöhepunkt.

Endlich im Nachtzug nach Warschau

Europa liegt längst hinter uns, als wir zunächst in der Mongolei und später in China am Leben zweier Nomadenfamilien teilhaben dürfen und unter besonders harten Umständen den Alltag mit ihnen erleben. Wir geniessen China mehr als wir uns dies je erträumt hätten und freuen uns dennoch nach Jahren endlich zurück in Südostasien zu sein. Hier fühlen wir uns schon immer pudelwohl. Haben wir die einzelnen Länder doch bereits mehrfach bereist. Mit unserem eigenen Motorrad durchqueren wir Laos und Kambodscha, bevor uns die thailändische Inselwelt einfängt.

Vollversammlung im Meer – Wo führt unser Weg hin?

Mittlerweile ist bereits Februar und unser Reisejahr hat seinen Zenit überschritten. Und wir, wir plantschen immer noch im klaren Wasser des Golfs von Bangkok umher. Ein tägliches Ritual, dass wir auf Koh Chang einführen. Jeden Nachmittag zieht es uns eine halbe Stunde gemeinsam ins Meer. Vollversammlung. Nachdenken und diskutieren. Wünsche formulieren. Pros und Contras abwägen. Wie geht es weiter? Wenn wir noch bis zum Sommer ohne Flugzeug nach Australien gelangen wollen, dann müssen wir so langsam mal die Beine in die Hand nehmen. Aber wollen wir das eigentlich noch? Unabhängig davon scheint es gerade auch viel wesentlicher und existentieller zu sein, darüber zu sprechen, ob wir unsere Reise nicht einfach verlängern. Über dieses eine Jahr hinaus.

Auf Koh Chang machen wir zum ersten Mal richtig Urlaub von der Reise und bleiben länger als gedacht

SmartDownUnder geht in die Verlängerung 

Die Monate in Thailands Norden und ein langer Schlenker zurück nach Laos verhelfen uns, endlich eine Entscheidung zu treffen. Tatsächlich verlängern wir unsere Reise „SmartDownUnder – Auf dem Land- und Seeweg von Köln nach Australien“. Mindestens solange, wie wir brauchen, höchstens um ein Jahr. Die Kündigungen im Hinterkopf, sind wir sehr überrascht, dass unsere beiden Arbeitgeber sich auf ein weiteres Jahr Freistellung einlassen. Ob dies nun eine glückliche Fügung für unser Sicherheitsdenken ist oder doch eher ein Hindernis, uns wirklich frei zu fühlen, sei mal dahingestellt. Wir freuen uns auf jeden Fall über die Kulanz, Weitsicht und Flexibilität, die uns hier entgegen gebracht wird.

Besondere Einblicke in die Welt der Einheimischen

Und dann kommt es, wie es kommen muss. Wir leben intensiv weiter und hetzen uns natürlich nicht. Wir mieten uns erstmal ein Haus auf Koh Phangan, wo Stephan seine Ausbildung zum Divemaster absolviert. Erst Anfang August 2017 reisen wir über Malaysia nach Indonesien. Zum ersten Mal auf dem Trip sind wir wirklich auf den Seeweg nach „SmartDownUnder“ angewiesen. Vielleicht hat Indonesien nicht gerade den besten Ruf, wenn es um die Sicherheit von Fähren geht. Vielleicht sogar eine der höchsten Unfall- oder Untergangsquoten weltweit. Aber, es gibt eben nicht viele Möglichkeiten ohne Flugzeug, willst Du von einer der zahllosen Inseln zur anderen kommen. Für uns sind es besondere Momente und Transportwege, erschliessen sich uns doch ganz andere Blicke in die Welt der einheimischen Bevölkerung.

Am Ende in Ende? Das Aus für SmartDownUnder?

Als wir in Ende auf Flores ankommen, befinden wir uns am wohl südlichsten Punkt unserer Reise und haben immer noch keine Option gefunden über den Seeweg nach Australien zu gelangen. Die Taifunsaison startet und unsere Hoffnungen auf einen Mitsegeltrip bis Darwin oder Cairns ersticken. Öffentliche Bootsverbindungen zum Roten Kontinent von Indonesien oder Ost-Timor aus gibt es nicht. Weitere 1 1/2 Monate auf unserer indonesischen Lieblingsinsel Sulawesi vergehen, bis wir ziel- und orientierungslos zurück nach Malaysia reisen. Wir haben den Halt verloren. Und dies schlägt sich deutlich auf unsere Stimmung und unser Reiseleben aus. Schon seit Wochen. Wir müssen eine Entscheidung treffen, sonst wird das nix mit dem Glücklichsein auf Reisen. Und manchmal kosten Entscheidungen nicht nur Kraft, sondern auch Geld. Aber unsere Investition lohnt sich.

SmartDownUnder in Ende am Ende?

Eine Frachtschiffreise von Malaysia nach Australien 

Wir buchen eine Frachtschiffreise von Malaysia bis an die australische Westküste. Eine unglaubliche Erfahrung. Aufgeregt treten wir an Bord eines riesigen Containerschiffes und schippern über acht spannende und dennoch ultra ruhige Tage über die Weiten des Indischen Ozeans bis nach Fremantle.

Land in Sicht!

Wir können unser Glück kaum greifen. Fiebern dem Ziel entgegen. Stehen zu Unzeiten auf der Brücke, nur um mitzuerleben, wie wir in australisches Gewässer gelangen. Erleben hautnah die Anspannung der Crew mit, als der Einlauf in den Hafen bevorsteht. Und können so gut mitfühlen. Wenn auch aus anderen Gründen. Und dann stehen wir da. Auf australischem Boden. Wir haben es wirklich geschafft. Haben wir doch zwischenzeitlich an uns selbst gezweifelt.

SmartDownUnder - Australien, wir kommen!

Verliebt, verlobt, verfallen – Australien 

Was als kurzer Zwischenstopp geplant ist, entwickelt sich zu einer Obsession. Australien ist viel zu teuer, als dass wir hier lange bleiben können. Denken wir. Aber irgendwie schaffen wir es dann doch, mit unserem Geld zu haushalten. Wir müssen, weil wir uns nämlich ganz fürchterlich verliebt haben in dieses Land. Der Rote Kontinent zieht uns vollkommen in seinen Bann und lässt uns nicht los. Viereinhalb Monate und über 20000 km werden es am Ende, die wir fast ausschliesslich mit diversen Campern auf den staubigen Highways Australiens zurücklegen.

Mit diversen Campern, aber vor allem mit dem Spaceship durchqueren wir Australien

SmartDownUnder ist vorbei. Die Reise geht weiter…

Das Projekt „SmartDownUnder- Auf dem Land- und Wasserweg von Köln nach Australien“ ist erfolgreich abgeschlossen, als wir Melbourne den Rücken kehren. Wir können nicht umher bis zu diesem Zeitpunkt auch über die grossen Distanzen Australiens den Flieger zu meiden. Es ist etwas ganz Besonderes, Schritt für Schritt den Weg zu gehen. Erst, als unser Visum ausläuft und wir das Land verlassen müssen, buchen wir schweren Herzens einen Flug nach Neuseeland. Ein schwarzer Tag auf unserer Reise. Denn obwohl wir uns das Fliegen wieder erlauben dürfen, fühlt es sich irgendwie ganz falsch an. „SmartDownUnder“ ist vorbei.

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