Pläne ändern sich

Das Ende eines ausnahmeähnlichen Zustandes? So scheint es, als wir nach etwas mehr als 4 Monaten über die buckelige Piste mit ihren zahlreichen Baustellen wieder am nördlichen Ende des Lake Tana in Gorgora ankommen. Die Geröllberge und die großen Caterpillar- Baumaschinen sind verschwunden, geblieben ist eine sandige, flache Strasse, die durch den kleinen Ort führt. Einige Häuser sind verschwunden, andere, darunter das der Kellnerin Wurko, stehen noch. Unerwartet- im Sommer erzählte sie voller Traurigkeit und Sorge davon, dass sie und ihre Familie umziehen müssen. Das Geld, dass sie vom Staat für die Zwangsumsiedelung bekämen, würde nicht annähernd die Kosten decken, die sie für das neue Heim bräuchten.
Ein Einheimischer erzählte uns nun, dass die Pläne sich verändert hätten, die jetzige Breite des Highways würde ausreichen, weitere Häuser würden nicht abgerissen. Unser Fahrer meint, in etwa einem Jahr sei die Strasse vermutlich fertig gebaut.
Was das für den beschaulichen Ort bedeutet, ist schwer zu sagen. Die asphaltierte Strasse lässt aber vermuten, dass neben der einzigen, etwas abseits gelegenen Bungalow- Unterkunft, weitere schickere Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen direkt am See eröffnen könnten und das einfache Dorfleben sich damit verändern könnte.

Während unseres Besuches konnten wir glücklicherweise die Unaufgeregtheit und Ruhe des Ortes wieder erleben, die trotz des sorgenvollen Ausnahmezustandes, auch bei unserem Besuch im Sommer vorherrschte.
Mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt das Leben in langsamer Geschäftigkeit. Der Geruch von Feuer steigt in die Nase, der Rauch liegt wie ein Dunstschleier über dem Dorf. Frisches Brot und Injera wird gebacken, Wasser für den ersten süßen Chai des Morgens gekocht. Hirten ziehen mit den Kuh-, Schafs- und Ziegenherden auf die Weiden außerhalb des Dorfes.
Wir konnten die Seele baumeln lassen, sind spazieren gegangen, Kanu gefahren und haben alte Bekannte aus dem Sommer getroffen und das eine oder andere Pläuschchen gehalten.

Neue und interessante Bekanntschaften haben wir zudem in unserer Unterkunft gemacht. Lukas ist über ein Jahr mit dem Fahrrad unterwegs, von Kairo nach Kapstadt. Gerd, ein selbstständiger Familienvater aus Bayern, tourt regelmäßig alleine mit dem Mountainbike durch Afrika- diesmal für einen Monat durch Äthiopien. Wir lernten ein Ehepaar aus Seattle kennen, das zwei Kinder aus Äthiopien adoptiert hat und seit nun mehr 10 Jahren immer wieder hierher kommt. Fanna und Nico aus den Niederlanden  arbeiten und lernen derzeit im Gästehaus, da auch sie eine Unterkunft für Touristen in Äthiopien eröffnen möchten. Und nicht zuletzt trafen wir auf Trevor, der seit mehr als 20 Jahren in über 70 Ländern auf Reisen ist. Zur Saisonarbeit als Kellner kommt er immer wieder nach Europa, vorzugsweise in die Schweiz, um Geld für seinen Lebenswandel zu akquirieren.

Gemeinsame Unternehmungen und Gespräche mit diesem bunt gemischten Haufen einzigartiger und spannender Persönlichkeiten bereicherten und rundeten unsere Tage in Gorgora ab.

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