Der wilde Osten? – Auf nach Rattanakiri und Mondulkiri

von Edith

Im wilden Osten – Rattanakiri

Hoch im Nordosten des Landes ist Rattanakiri, die erste Provinz im wilden Osten (O- Ton ReisefĂŒhrer) Kambodschas, die wir ansteuern. Rattanakiri ist neben Modulkiri eine der Regionen Kambodschas, die ostwĂ€rts des Mekong liegen und touristisch noch nicht den Stellenwert der sĂŒdlichen und westlichen Provinzen des Landes haben. Das Areal besticht durch seine wilde, aber durch Abholzung bedrohte Dschungellandschaft und den ebenso wilden Tieren, wie Tiger, Leoparden oder Elefanten, die hier, so heisst es, noch in den Tiefen der WĂ€lder und Nationalparks leben sollen. Die wenigen Touristen zieht es zum Trekken in den Dschungel, um in HĂ€ngematten eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen oder zu den ethnischen Minderheiten in diesem Teil Kambodschas, die in teils abgelegenen Dörfern ansĂ€ssig sind.

Naive Hoffnungen

Die Hochland Khmer leben hier noch ihre ganz eigene Kultur. Die Völker sprechen ihre eigenen Sprachen, unterscheiden sich durch die Gestaltung ihrer Dörfer und HĂ€user und zelebrieren noch alte Traditionen und BrĂ€uche auf der Basis des Geisterglaubens. Und natĂŒrlich möchten auch wir einen Einblick in das Leben dieser Menschen bekommen und besuchen eine Familie der Kachoch, eine der vielen indigenen Volksgruppen. Doch unsere naive Hoffnung auf Menschen zu treffen, deren besondere Lebensweise sich uns als unwissendem, objektiven Betrachter auf Stippvisite erschliesst, wird natĂŒrlich enttĂ€uscht. Das alltĂ€gliche Leben des Volks unterscheidet auf den ersten Blick nur unwesentlich von dem in anderen kambodschanischen Dörfern.

Die BegrÀbniszeremonien

Ein herausstechender Unterschied jedoch ist das Bestattungsritual, dass die unterschiedlichen Ethnien auf verschiedene Weise durchfĂŒhren. Allen ist wohl gleich, dass sie ihre Toten ĂŒber einen Zeitraum von mehreren Jahren verabschieden und der Prozess erst nach vielen zeremoniellen Akten abgeschlossen ist. Besonders interessant ist dabei der Friedhof, den wir besuchen dĂŒrfen. Der heilige Ort liegt etwas abseits vom Dorf und ist nur ĂŒber einen Trampelpfad durch den Dschungel zu erreichen. Durch dichtes GestrĂŒpp im morgendlichen FrĂŒhtau laufend, wirkt die gesamte Szene auf dem Weg zum Friedhof und vor Ort sehr mystisch auf uns.

Es erwarten uns bunte GrĂ€ber, die von den Kachoch mit Essen, GetrĂ€nken und Tabak fĂŒr die Toten bestĂŒckt werden, bevor sie hĂŒbsch gestaltet und mit Holzfiguren geschmĂŒckt werden. Dann, so die Tradition, wird das Hab und Gut der Toten auf das Grab gelegt. Die AlltagsgegenstĂ€nde können variieren von der eigenen HĂ€ngematte bis zum KĂŒchenmesser. Die BegrĂ€bniszeremonien enden erst, wenn eine dreitĂ€gige Opferzeremonie und die Errichtung des Grabes vollzogen wurde.

Ein Leben im Dschungel

Mit dem Boot schippern wir durch die wilde, dicht bewachsene Kulisse einer Dschungellandschaft bis wir in das kleine Kachoch- Dorf gelangen, dass oberhalb des Flusses liegt. Schon bei Ankunft treffen wir auf typische Szenen einfachen Dorflebens. MĂ€nner und Frauen gehen gewohnt ihren tĂ€glichen Verrichtungen nach, waschen, baden, sĂ€ubern ihre MotorrĂ€der u.Ä. Obwohl ElektrizitĂ€t, Fernsehen und Videospiele lĂ€ngst Einzug erhalten haben, sind die LebensumstĂ€nde dennoch alles andere als modern. In dem großen auf Stelzen gebauten Holzhaus, dass wir bewohnen, trennen nur Moskitonetze und VorhĂ€nge die SchlafplĂ€tze der verschiedenen Familienmitglieder, die diese mit ihren Partnern und Kindern nutzen. Fliessendes Wasser gibt es ebenso wenig wie eine Waschmöglichkeit oder gar eine Toilette. Große WasserbehĂ€lter dienen zum Kochen und SĂ€ubern, im Panorama der angrenzenden Reisfelder ist die Notdurft zu verrichten.

Eine Lehrstunde in Khmer

Im Hause unserer Gastfamilie wohnen, vermuten wir, mindestens drei Paare mit Kindern. Wir werden bis zuletzt nicht schlau aus den ErklĂ€rungen, die uns Rat, unser junger Gastgeber, in gebrochenem Englisch dazu gibt. Sein Spitzname hat unserer Ansicht nach ĂŒbrigens nichts mit seinem Ă€ußeren Erscheinungsbild zu tun. Er sieht allerdings aus wie fĂŒnfzehn, ist aber tatsĂ€chlich schon 19 Jahre alt und stolzer Papa.

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Am Abend ziehen wir mit ihm durchs Dorf und gelangen zum kleinen Laden einer Familie, vor dem rund um einen niedrigen Tisch ein paar Jungs sitzen, die den Platz offenbar als Pendant zur Dorfkneipe nutzen. Gemeinsam mit Rat gesellen wir uns dazu und verbringen eine lehrreiche Zeit.

Wir lernen zÀhlen in Khmer

Die kleine Tochter der Besitzer geht gerade in die erste Klasse und scheint nicht nur wissbegierig, sondern auch ziemlich pfiffig zu sein. FĂŒr uns eine willkommene Gelegenheit gemeinsam mit ihr unser Khmer etwas aufzubessern. Wir zĂ€hlen mal wieder in einer fremden Sprache. Und auch das kleine MĂ€dchen lernt fleissig die hohen Zahlen ihrer eigenen Sprache mit uns und merkt sich dabei beeindruckend schnell auch englische Vokabeln.

Das PhÀnomen mit der Ausprache

Ein kleiner Exkurs zu einer interessanten Beobachtung sei an dieser Stelle gestattet. Ein Problem in der Kommunikation, dass wir auf all unseren Reisen immer wieder beobachten, ist die unterschiedliche Aussprache von Worten und SĂ€tzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich mit einem Laoten, einem Briten oder Tschechen spreche, ob unsere Unterhaltung auf Englisch, Deutsch oder in Vokabeln der jeweiligen Landessprache vor Ort besteht. Das PhĂ€nomen ist schlicht, dass wir die gleichen Wörter oder Namen benutzen, diese aber so unterschiedlich aussprechen, dass wir uns gegenseitig nicht verstehen. Ich erinnere mich an einen Flug innnerhalb Äthiopiens, bei dem wir die Stadt Gonder ansteuerten. Trotz vielfachen Wiederholens befanden wir uns irgendwann am internationalen Terminal und hĂ€tten nach Uganda einchecken können.

Aber zurĂŒck zu unserer kleinen Khmer- Lehrerin, die dieses PhĂ€nomen zu unserer großen VerblĂŒffung zunichte macht. WĂ€hrend die Erwachsenen um sie herum oft nach mehrmaliger Wiederholung nichts mit unseren kryptischen Khmer- Äusserungen anfangen können, filtert sie Brocken heraus, bildet das richtige Wort dazu und ĂŒbersetzt fĂŒr die Umsitzenden, was wir meinen.

Unter Khmer auf den MĂ€rkten in Rattanakiri und Mondulkiri

In Rattanakiris Provinzhauptstadt Banlung schlagen wir unsere Zelte auf, um die nahegelegen Spots wie Vulkanseen und WasserfĂ€lle zu erkunden. Weitaus spannender ist aber mal wieder das Leben der Einheimischen im Ort selbst. Aber nicht nur hier bietet der zentrale Markt mal wieder fantastische Einblicke in den Alltag der Menschen. Besonders auf Kambodschas MĂ€rkten sind die StĂ€nde der Khmer- KĂŒchen. VielfĂ€ltige, oft nicht zu definierende Köstlichkeiten werden in großen SchĂŒsseln oder im Kopftopf dargeboten. Ganz natĂŒrlich hebt man den Deckel, um zu sehen, welche Gerichte sich im Inneren befinden, kostet, entscheidet und nimmt sie als Take-Away in PlastiktĂŒten abgefĂŒllt mit nach Hause.

Umzug nach Mondulkiri

Der wilde Osten bleibt auch noch einige Tage lÀnger unser zu Hause. Wir ziehen um nach Sen Monorom, der Hauptstadt (ich sollte wohl besser sagen des Hauptdorfes) von Mondulkiri, der am geringsten besiedelten Provinz Kambodschas. Doch hohen Erwartungen an die Landschaften beider Provinzen, Rattanakiri und Mondulkiri werden insgesamt enttÀuscht. Auf Begeisterung stösst einzig der Ausflug zum Bousra- Wasserfall.

Schon der Weg dorthin wandelt sich von sanfter HĂŒgellandschaft in weitaus stĂ€rker bewachsene Areale. Pfefferplantagen und Palmenhaine reihen sich aneinander, große BĂ€ume verĂ€ndern die Landschaft. Wenn wir an Orten irgendwelche Ziele kippen, dann sind es meist die WasserfĂ€lle. Umso mehr beeindruckt uns der zweistufige Wasserlauf, der viele Meter in die Tiefe stĂŒrzt und schliesst unser Erleben mit einem sehr positiven Naturerlebnis ab.

Hier geht es weiter.

Ein guter ReisefĂŒhrer gehört ins GepĂ€ck

Ein guter ReisefĂŒhrer im GepĂ€ck ist fĂŒr uns unerlĂ€sslich. Dabei liegen uns gar nicht so sehr die Unterkunfts- oder Restaurantempfehlungen am Herzen. Vielmehr nutzen wir unseren ReisefĂŒhrer, um mehr ĂŒber Land und Leute zu erfahren und uns eine erste und manchmal auch zweite Orientierung zu verschaffen.

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