Eine Reise nach Äthiopien…

von Edith

…so, wie wir es kennen und mögen.

Ein ganz normaler Morgen im Hotel in Dire Dawa: Die Toilette ist verstopft, nichts Ungewöhnliches im Land, da der Wasserdruck für die Spülung selten hoch ist. Stephan hat ein Zimmermädchen (wohl eher eine Frau im fortgeschritteneren Alter) gebeten, sich das Problem mal anzuschauen. Diese hat sich die Klobürste geschnappt (die wir übrigens aufgrund von klebenden Resten nicht mal aus der Halterung herausbekommen haben) und diese als Pömpel benutzt, um die Toilette zu entstopfen und die Bürste anschliessend gesäubert. Die Säuberung erfolgte kurzerhand so, dass die Dame mitsamt der hochgehaltenen und wohlgemerkt tropfenden Toilettenbürste einmal quer durch unser Zimmer und dem darin befindlichen Teppichboden stolzierte. 🙂

Gleiches Hotel, verschiedene Tage, Frühstück: Es gibt Büffet. Aussergewöhnlich und selten, aber äthiopisch. Gefühlt stehen zehn Bedienstete um das Büffet herum und sind offensichtlich angehalten unser Wohlergehen dahingehend zu befriedigen, uns alles zum Tisch auf die Terrasse zu bringen. Gleiches Personal, gleiche Zeit: Der Kaffee, der Tee, große Teile des Büffets sind nicht bereits geleert. Die Damen und Herren stehen verloren und gelangweilt neben dran. Keiner regt sich, auf Anfrage nach einer weiteren Tasse Kaffee schlurft jemand in die Küche. Minuten vergehen und es passiert: Nichts.
Neben diesen herrlichen Situationen des Alltags, die wir mit Humor und Gelassenheit nehmen können und manchmal auch müssen, haben wir heute wieder einmal die Schönheit äthiopischer Landschaften erleben können und gewannen einen Einblick in das Leben, der im Osten Äthiopiens lebenden, oromischen Farmerfamilien.
Mit Yige, dem wohl einzigen Touranbieter in Dire Dawa, haben wir einen Trek in die weitere Umgebung eines Dorfes gemacht, in dem das bunt gekleidete Volk der Oromo vom Gemüse- und Khat- Anbau und der Haltung von Kühen, Ziegen und Hühnern lebt. Die Häuser sind aus Stein gebaut, Lehm, Schlamm und Wasser bilden die Fugen. Ein großer Raum zum Schlafen, zudem ein durch eine Wand mehr oder weniger abgetrennter Teil des Hauses dient als Vorratskammer. Die Familien sind verhältnismäßig groß und haben nicht selten zwischen 5 und 15 Kindern. 
Eine fragwürdige Romantik präsentiert sich in der wunderschönen landschaftlichen Kulisse, in welche die Szenen eines harten, alltäglichen Lebens eingebettet sind. Ein Bespiel hierfür sind die Beobachtungen von Menschen, die mit ihren Tierherden, Lasten und Kindern viele Kilometer zu Fuss von Ort zu Ort laufen, sei es, um ihren täglichen Wasserbedarf zu sichern oder das Feld zu bestellen.
Uns begegnet die Neugier und Scheu vor den fremden, weißen Menschen. Selten kommen Touristen hierher. Diese und möglicherweise auch eine gewisse Unsicherheit des eigenen Äußeren gegenüber (Spiegel gibt es hier eher nicht), ließen eine gesunde Zurückhaltung erkennen. Der Wunsch fotografiert zu werden und das Interesse, die Bilder zu sehen war gegeben. Die Ambivalenz zwischen Skepsis und Neugier wurde deutlich, sobald die Kamera gehoben wurde und die Menschen kichernd, rasend schnell davon liefen, um sich dann wieder mit Vorsicht, aber voller Interesse der Linse zu nähern.

Insgesamt bescherten uns die letzten Tage einen intensiveren Eindruck in das Leben vor Ort- ein gutes Gefühl, die Menschen und das Land wieder ein bisschen besser kennengelernt zu lernen zu haben.

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