Rivalen der Rennbahn beim Makepung – Ein Büffelrennen auf Bali

Es wird spannend am frühen Morgen

Im ersten, trüben Tageslicht erscheint die Arena. Eine staubige, u-förmige Erd-Piste inmitten der abgeernteten Reisfelder. Die Tribüne bildet der Wegesrand. Das grosse, einheimische Publikum ist, trotz der frühen Stunde, hochmotiviert. Leidenschaftlich, enthusiastisch feuert es die Hauptakteure dieses frühen Sonntagmorgens lautstark an. Die muskelbepackten, kiloschweren Protagonisten sammeln sich in Scharen am Startpunkt nahe dem Eingang des Festgeländes. Durch den Lautsprecher dröhnt die Stimme des Kommentators. Es wird spannend! Und wir sind dabei. Zu Besuch bei einem der berühmt, berüchtigten Wasserbüffelrennen auf Bali – dem Makepung in der Nähe von Negara.

Eine aufwendige Informationsbeschaffung für das Makepung

Es ist September als wir auf Bali ankommen und somit genau die richtige Jahreszeit, um ein Makepung hautnah miterleben zu können. Zwar finden wir ein Datum heraus, doch die Internetrecherche wirft Widersprüche bezüglich des Austragungsortes auf. Und obwohl jedem Balinesen der Name Makepung ein Begriff ist, kann uns niemand handfeste Informationen darüber geben wo und wann das nächste Rennen stattfindet. Bleibt nur, den vermeintlichen Wettkampfort selbst aufzusuchen.

Zum ersten Mal während der Recherche erhalten wir ernstzunehmende Informationen. Einige der Dorfbewohner erklären uns glaubhaft, dass das morgige Rennen in einem anderen Ort einige Kilometer weiter stattfindet. Dort fragen wir uns weiter durch. Hier und da immerhin ein zaghaftes Nicken, dann ein klares Ja oder ein Fingerzeig in eine bestimmte Fahrtrichtung. Bis wir auf einen Einheimischen treffen, dessen Englischkenntnisse so gut sind, dass sie uns nach etwa 1 1/2 Stunden des Suchens bis zum Platz des Geschehens bringen. Hier bekommen wir ein sehr bestätigendes Nicken und eine konkrete Uhrzeit für den Wettkampfbeginn am morgigen Tag angezeigt. Das lässt hoffen.

Rivalen der Rennbahn

Und jetzt stehen wir hier. Morgens früh um sieben ist das Spektakel bereits in vollem Gange. Die Attraktion dieses Tages sind eigens hierfür gezüchtete Büffel, die nicht zur Arbeit auf dem Feld herangezogen werden. Die schweren Muskelprotze sind prunkvoll mit glänzenden Kopfverzierungen, Blumen und Glöckchen ausstaffiert und ziehen im Zweiergespann (gewichtstechnisch zusammenpassend) die bunt geschmückten Karren hinter sich her, die den Jockeys Platz bieten.

Die Dekoration ist ein wichtiger Bestandteil beim Büffelrennen auf Bali, denn nicht nur die Geschwindigkeit der Teilnehmer fliesst in die Bewertung ein, sondern auch die Eleganz und der Stil. Weit mehr als 100 Büffelpaare ziehen in den Wettkampf. Zwei Teams, ein rotes und ein grünes, treten gegeneinander an. Immer zwei Wagen, jeweils einer pro Team, starten gemeinsam und legen die etwa 2 km lange Strecke unter dem Grölen und den Zurufen der Zuschauer zurück. Als die letzten beiden Büffelpaare durchs Ziel kommen, startet das Rennen in entgegengesetzter Richtung in die zweite Runde.

Neben der Spur

Der rot-braune Staub wirbelt in grossen Wolken auf und legt sich wie ein Film auf unsere Haut, auf unsere Kleider und in unsere Lungen, während die Wagen an den Zuschauern vorbei rasen, in den Kurven nicht selten Schräglagen erreichen. Bis zu 60 km/h sollen diese Tiere beim Spurt über die staubige Rennstrecke erreichen. Was das bedeutet wird uns gleich mehrfach bewusst.

Im Gras liegend versuche ich dieses Abenteuer in Bildern festzuhalten. Jedes mal, wenn ein Büffelgespann vorbeisaust, muss ich kurz die Augen schliessen, denn ganz geheuer ist mir hier nicht. Und dann geschieht es. Der Karren schleudert in irrsinnigem Tempo um die Ecke herum. Im nächsten Moment schon brechen zwei tonnenschwere Büffel samt Karren, aber nun ohne ihren Jockey, aus der Bahn aus. Trampeln alles platt und jagen auf und davon. Gefolgt allem voran von lautem Gelächter und einigen Männern, die den Tieren hinterher laufen, um sie zu stoppen. Ob das gelingt, interessiert schon bald nicht mehr, denn das Rennen nimmt seinen Lauf, der Jockey aber trabt zu Fuss auf´s Ziel zu. Ich bleibe zurück mit einem kleinen Schrecken, denn dort, wo die Büffel sich ihren Weg auf die Wiese bahnen, liege ich Minuten zuvor noch im Gras.

Als mein Herz aussetzt

Aber mein Herz und der klare Verstand setzten erst in dem Moment kurzzeitig aus, als zwei der Tiere im vollen Spurt direkt auf mich, Stephan und unsere Nachbarn zustürmen. Und ein weiterer Karren ohne Jockey. Obwohl alle um uns herum wild durcheinander wirbeln und völlig chaotisch den gewaltigen Tieren auszuweichen versuchen, was im Übrigen auch gelingt, ist die Stimmung heiter und fröhlich. Von Schrecken keine Spur. So als lache man den vermeintlichen Unheilbringer aus, dessen Plan vom Aufspiessen oder Platttrampeln nicht aufgeht. Vielleicht ist es die positive Sicht auf die Welt, die hier zum Tragen kommt.

Ein bisschen Schwund ist immer

Für eine Aufregung sorgt heute nur ein Unfall. Die beiden Büffel rasen mit ihrem Jockey an uns vorbei. Vielleicht 300 m vom Ziel entfernt, wo eine grosse Menschenansammlung wartet. Plötzlich lautstarke Rufe. Die Menge springt auseinander, weicht der zentnerschweren Masse. Ein Unfall, eine Kollision. Tumult. Ungewöhnlich lange. Aber schon einige Minuten später ist dann wieder alles beim Alten. Friede, Freude usw.

Wie gross die Freude bei dem Jockey ist, sei dahingestellt. Denn einer der Zuschauer deutet sehr verständlich an, dass die Kollision zwischen Tier, Mensch und Erdboden durchaus schmerzhaft sein kann. Seine Geste lässt keinen anderen Schluss zu: Der Tumult beim Zieleinlauf ist einzig auf einen abgerissenen Finger des Jockeys zurückzuführen. Doch die positive Stimmung des Publikums weicht selbst im Moment des Schreckens nicht. Vielmehr weicht das amüsiert, gespannte Zuschauer-Lachen einem aufgeregten Schaulustigen-Lachen. Ein bisschen Schwund ist schliesslich immer.

Ein durchaus kritischer Blick zum Büffelrennen auf Bali

Einige Jahre schon sind die Bilder eines traditionellen Büffelrennens in Stephans Kopf und seither auf seiner ellenlangen Foto-Bucket-List. Ein durchaus ambivalentes Unterfangen, schaut man sich allein die Spuren der blutigen Stockhiebe an, die die Tiere bei diesen Wettkämpfen aushalten müssen. Und dennoch ist es Teil dieser Kultur und der Traditionen der Menschen. Es gilt, nicht jede Verhaltensweise und Handlung, die durch kulturelle Unterschiede entsteht, damit auch zu rechtfertigen und zu entschuldigen. Aber, wer reist, wird sich häufig mit Situationen konfrontiert sehen, in denen eigene Werte und Prinzipien, die nicht selten aus einem vergleichsweise komfortablen Leben geboren sind, völlig in den Hintergrund treten. Für uns gilt auf Reisen, den vorherrschenden Gegebenheiten im ersten Schritt mit Respekt entgegen zu treten, diese aber durchaus kritisch zu hinterfragen. Und es gilt für uns im Hinblick auf Respekt oder Verurteilung eine Balance zu finden und ganz individuelle Prioritäten zu setzen und eigene Grenzen zu ziehen. Das Büffelrennen gehört zu jenen Ereignissen, die wir persönlich als kulturelles Gut ansehen, dem wir mit grossem Interesse begegnen.

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INFOBOX MAKEPUNG

Die Tradition des Makepung – dem berühmten Büffelrennen auf Bali wurde zu Beginn des 20 Jh. von der indonesischen Insel Madura nach Bali getragen. Ob als Ansporn untereinander zur Erntezeit oder nur Zeitvertreib tragen die Reisbauern untereinander ihre Wettbewerbe aus. Diese Traditionen lassen die heutigen Büffelrennen im Sinne eines Erntedank Rituals entstehen, wobei der Segen für eine weitere gute Ernte erbeten wird.

 

Rund um die Stadt Negara im Westen Balis gibt es jährlich zwischen Juli und November etwa alle zwei Wochen am frühen Sonntagmorgen (von 6 Uhr bis zum Mittag) die Makepung Büffelrennen. Die Wettkämpfe, die eine grosse Popularität in der Bevölkerung finden und zahlreiche Besucher anlocken, erreichen ihren Höhepunkt in den Finalrunden der verschiedenen Cup´s, die während der Rennsaison ausgetragen werden.

Negara selbst bietet ein überschaubares Angebot an Unterkünften. Eine gute Option, wenn auch im Preis-Leistungsverhältnis überteuert, ist das Bali Sunset Hotel einige Kilometer ausserhalb von Negara. In drei Preiskategorien bietet das Hotel Standardräume, Bungalows mit Meerblick und Deluxezimmer.

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