Welcome guests!

Zwei parallel zueinander angelegte Bungalowkomplexe mit fünf Räumen, dahinter einige einzelne Gebäude und eine große Grünfläche mit Fussballfeld- typisch für eine äthiopische Dorfschule.

Auch in Gorgora am Lake Tana ist dies nicht anders. Hier lernen Schüler vom erstem bis zum achten Schuljahr zusammen. Im wöchentlichen Wechsel findet der Unterricht für die Stufen 1- 4 und 5- 8 entweder am Morgen oder am Nachmittag statt.
Der Direktor ist abwesend, doch der Bibliotheksleiter der Schule führt uns durch die Klassenräume. Eine Bibliothek bekommen wir hierbei nicht zu Gesicht, doch vermag jemand der in Äthiopien für die „library“ zuständig ist, vielleicht eine etwas andere Position zu haben, als wir dies vermuten.
In allen Klassen werden wir mit einem kleinen Einladungsgesang begrüsst: „Welcome guests!“

Die Disziplin der Schüler und die Ruhe, die in den Lerngruppen herrscht, zeugen vermutlich aber nicht nur vom dem stets präsenten Rohrstock, der in äthiopischen Schulen zum obligatorischen Handwerkszeug der Lehrkräfte gehört. Ob und wie häufig dieser tatsächlich zum Gebrauch kommt, ist ungewiss.
Tatsache ist aber, dass wir in Äthiopien viele Kinder und Jugendliche treffen, die in der Regel ein hohes Maß an Motivation zeigen, vor allem Fremdsprachen, zu lernen. Ihr Traum, einen guten Schulabschluss und eine Ausbildung machen zu können, ist ein stetiger Begleiter in den Gesprächen. Leider ist dies, aber, wer sollte es ihnen auch verübeln, oft mit der Bitte nach Unterstützung durch den weißen, vermeintlich reichen, Westler verbunden.
Und dennoch stelle ich die durchaus zweifelhafte Hypothese auf, dass auch Wissbegierde und der Wunsch nach Bildung Faktoren sein könnten, warum die oft sehr altersheterogenen Lerngruppen in den Schulen, allem Anschein nach so diszipliniert funktionieren.

Die Klassenräume in den Schulen sind meist ähnlich ausgestattet: Eine Tafel, einige große Plakate, die die schulischen Grundlagen vom Alphabet, den Organen oder einfachen englischen Vokabeln darstellen.
Besonders beeindruckend sind die Gemälde oder Grafiken, die an den Schulmauern angebracht sind. Von Weltkarten bis zum Periodensystem der Elemente wird hier auf Verbildlichung und Wiederholung gesetzt, um die Basics des Allgemeinwissens zu fördern.

Florian besuchte die Schule in Gorgora erst einen Tag später, wodurch ihm der Kontakt zum Rektor zuteil wurde, er aber auch das hier vorhandene Labor anschauen durfte, dass uns schon beim Besuch einer anderen Schule positiv überrascht hat.
Begeistert hat uns alle der Schachraum der Schule, wo SchülerInnen freiwillig das Spiel- oder sollte ich sagen, den Sport?- mit einer Lehrerin einüben können. Diese präsentierte voller Stolz, die bereits errungen Medaillen aus verschiedenen regionalen und landesweiten Wettbewerben.

Uns ist es fern, Vergleiche oder gar Bewertungen über ein Bildungssystem aufzustellen, in dessen Umsetzungen wir nur herein schnuppern konnten. Mitgenommen haben wir aber zumindest den Eindruck, dass es Flecken auf dieser Welt gibt, an denen Kinder noch mit Freude zur Schule gehen.

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