Zwischen Enttäuschung und Taucherträumen – Die Perhentian Islands

Der Stoff aus dem die Träume sind

Ein Geheimtipp sind sie schon lange nicht mehr. Aber, auch nach den Jahren, in denen der Tourismus Einzug auf den kleinen ostmalaiischen Inseln erhalten hat, sollen die Perhentian Islands immer noch ein Traumspot im Südchinesischen Meer sein. Und, um es vorweg zu nehmen: Es gibt hier tatsächlich weissen Sandstrand, einsame Buchten und grünen Dschungel. Stoff aus dem Träume gemacht sind. Strassen fehlen gänzlich, der Fortbewegung dienen die eigenen Füsse und das Boot. Und der Ruf, der den Perhentian Islands vorauseilt, bleibt unbestritten. Die Inseln sind ein absolutes Paradies für Taucher und solche, die es noch werden möchten.

Perhentian Islands

Die Perhentian Islands

Die beiden Hauptinseln, die grössere Perhentian Besar und die kleinere Perhentian Kecil, ziehen viele Gäste an, sind aber nicht überlaufen. Auf Besar finden sich mehrere Resorts mit Restaurants und die Möglichkeit den Inseltraum wahr werden zu lassen. Perhentian Kecil wartet mit einem kleinen Dorf auf, in dem es eine Schule, eine Polizeistation und eine Moschee gibt. Neben einzelnen, oft einsamen Unterkünften in den kleinen Buchten, zieht es die meisten Besucher an die beiden grössten Strände, den Long Beach und in die Coral Bay.

Von der Coral Bay zum Long Beach

Die geschwungene, hübsche Coral Bay liegt zum Sonnenuntergang in rot orange getunkt an der Westküste der Perhentian Kecil. Weisser Sand, Fischerboote, kleine Shops, Restaurants und Hütten sprenkeln diesen Strand. Am äusseren Rand trumpfen zwei Hotelkomplexe auf und gleichenorts ragt der quietschig bunt gestrichene Beton-Jetty ins Meer. Eine wirklich schöne Alternative zum Long Beach, zu dem man nur 10 Fussminuten entfernt über einen kleinen Hügel auf die Ostseite der Insel gelangt.

Eine bittere Enttäuschung

Der längste und meist bevölkerte Strand der Insel (das Wort „bevölkert“ könnte im Vergleich zu anderen touristischen Destinationen vielleicht etwas irreleitend sein) ist für uns eine bittere Enttäuschung. Selten habe ich mich schon bei Ankunft an einem „Traum“- Strand so weit weg gewünscht.

Warum, fragen wir uns, ergeht es uns an so manchen Orten ganz anders als so vielen anderen Reisenden? Schwärmen diese sondergleichen, möchten wir oft schnellst möglich wieder fliehen oder umgekehrt. Wir suchen offensichtlich nach etwas anderem und doch gleichzeitig auch nach etwas Ähnlichem wie die Masse. Das macht es nicht immer einfach.

Long Beach, Perhentian Islands

Der Long Beach – Für uns eine verbaute Katastrophe zwischen Müllbergen

Der Long Beach mag alles haben, was sich der gemeine Partybackpacker wünscht. Es ist hier etwas mehr los, wenn auch alles im Rahmen bleibt. Weisser Sand, viele Unterkünfte, ein paar Strandbars, Restaurants, Shops und eine grosse Auswahl an Tauchschulen, zudem günstige Möglichkeiten der Nahrungsmittelaufnahme.

Aber schön? Wer bitte kann diesen völlig verbauten Strand, dessen oft herunter gewirtschaftete Unterkünfte zwischen Müllbergen, zerstörter Natur, chaotischem Bauwucher und lautstarkem 24 Stunden Terror der Generatoren liegen, denn bitte schön nennen? Wir nicht.

Ein ziemlich abgehobenes Preis-Leistungs-Verhältnis

Noch dazu scheint das Preis- Leistungsverhältnis am Long Beach (aber auch an der Coral Bay) fern ab von allem zu liegen, was wir erwarten. Zugegeben, es ist Samstag, als wir die Perhentians erreichen. Ein Umstand, der eine Unterkunftssuche vor Ort ziemlich erschwert und möglicherweise auch die Preise in die Höhe treibt. Die Inseln sind an Wochenenden nicht nur ein klassisches Touristen- Ziel, sondern werden zusätzlich von einheimischen Kurztrip- Urlaubern stark frequentiert. So ziemlich alles, was wir uns wünschen (kleiner Bungalow, eigenes Bad) ist ausgebucht oder super teuer. Also greifen wir auf die letzte Option zurück, die unsere finanzielle Schmerzgrenze weit überschreitet. Natürlich in der Hoffnung, für diesen Preis ein wenig mehr Komfort zu bekommen. Aber wir sind entsetzt über das Zimmer, das uns erwartet. Ein Eindruck, der sich beim erkunden der Strände in den nächsten Tagen jedoch festigt. Das vergleichsweise abgehobene Preis-Niveau für abgewrackte oder sehr schlichte Unterkünfte scheint sich hier durchzuziehen.

Ganz schnell wieder weg

Der erste, spontane Reflex, hier ganz schnell wieder weg zu müssen, relativiert sich am Morgen nach unserer Ankunft. Denn tauchen wollen wir auf jeden Fall und somit müssen wir zwangsläufig mindestens zwei Nächte bleiben. Aber es gilt eine andere Wohnoption zu finden, denn so werden wir nicht zufrieden. Eine Variante, die wir in unserem „Luxuswahn“ eigentlich gar nicht mehr in Erwägung ziehen, ist schliesslich die optimale Lösung.

Wie die meisten Tauchschulen vor Ort, wird auch bei uns ein Tauchpaket inklusive freier Unterkunft angeboten. Wäre das schlichte Doppelzimmer durch seine Holzverkleidung nicht so ansprechend, würden wir uns mit den gemeinschaftlich genutzten sanitären Anlagen gar nicht weiter beschäftigen. Aber, so einfach und abgenutzt diese auch sind (Schöpftoilette, kaltes Wasser, kein Waschbecken, abblätternde Farbe), so sauber und überhaupt nicht eklig finden wir sie. Damit können wir uns arrangieren.

Perhentian Islands

Deeply Addicted?!

Damit wollen wir uns arrangieren, denn nach dem ersten Tauchtag ist klar, wir sind angefixt, wir sind tiefensüchtig. Stephan sowieso und immer. Aber auch in mir, die ich zwar gerne tauche, aber bitte immer nur häppchenweise, erwacht ein immer stärker werdender Drang. Mehr und mehr Meer, bitte! Aus zwei geplanten Tauchgängen werden schlussendlich fünf volle Tage vor Ort und täglich neue Unterwasser-Spots. Und so ebbt von Tag zu Tag auch die Enttäuschung über diesen Beach ab und wird rasant abgelöst von der Begeisterung über die Tauchoptionen rund um diese Inseln. Ich bin zufrieden, ich bin glücklich, ich bin jetzt auch süchtig!

Perhentian Islands

Was macht das Tauchen auf den Perhentian Islands so besonders?

Was das Tauchen auf den Perhentian Islands so besonders macht? Es ist unschlagbar günstig. Die meisten Tauchschulen bieten freie Wohnoptionen (Dorm, Gemeinschaftsbad) im Package mit einer gewissen Anzahl von Tauchgängen an. Zudem ist alles ziemlich unkompliziert. Bis zu vier Tauchspots (mit Nachttauchgang) gibt es im täglichen Angebot. Halbe Stunde vorher treffen, Equipment-Check, fix aufs Speedboot, Tauchen und zurück. Keine stundenlangen Anfahrten, keine aufwendigen Tagesausflüge. Der Fokus liegt auf dem Tauchen.

Großartige Tauchspots auf den Perhentian Islands

Aber der eigentliche Grund auf den Perhentian Islands zu tauchen sind natürlich die zahlreichen, ganz unterschiedlichen und spannenden Unterwasserspots, die hier in kurzen Distanzen zu erreichen sind. Die beliebten Tauchplätze T3 und der Temple liegen rund um grosse Felsformationen und bieten bei optimalen Bedingungen eine Artenvielfalt sondergleichen. Uns persönlich haben es die beiden Wracktauchgänge am Sugar- und Police Wreck aber vielmehr angetan. Und selbst der flache Korallengarten in D`Lagoon hat sich als spannender, grossartiger Spot herauskristallisiert.

Und so ziehen wir unser Fazit

Empfehlung oder nicht? Definitiv können wir die Perhentian Islands zum Tauchen empfehlen. Auf jeden Fall. Wer sich zudem einsame, schöne Strände sucht, tauchen und chillen möchte, dem sei eine der kleinen Buchten empfohlen. Partytouristen werden sicher am Long Beach fündig und für alle, die etwas dazwischen haben möchten ist wohl die Coral Bay der geeignete Spot. Aber, alles unter den bereits genannten Vorbehalten. Und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

Hier geht es weiter.

One thought on “Zwischen Enttäuschung und Taucherträumen – Die Perhentian Islands

  1. Wegen den übervölkerten Stränden würde ich niemals auf Kecil Urlaub machen. Wir waren 2014 und 2017 auf Perhentian Besar im Urlaub. Gerade der Strandbereich um Abdulas Chalet ist vollkommen unbevölkert, aber wunderschön.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.