Unser Roadtrip von Perth nach Sydney – Part I: Western Australia

Auf den Highways muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

Auf den Highways muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Sie ist es! Gänzlich unabhängig von öffentlichen Transporten, das komplette Nachtlager gleich im Gepäck, rocken wir in nur 16 Tagen ziemlich genau 6000 Kilometer runter und fühlen uns dabei so frei und unabhängig wie zuletzt mit Ameliá. In fast vollen Zügen geniessen wir unseren Roadtrip von Perth nach Sydney. Einmal quer über den australischen Kontinent, eine abwechslungsreiche Reise durch drei Zeitzonen.

Einzig der Zeitdruck stellt die Freiheit ein wenig in den Schatten. Denn ohne zu wissen, was uns eigentlich erwartet, entscheiden wir uns spontan für die Rückführung eines kleinen Mitsubishi Campingbusses von der West- zur Ostküste des Landes. Australien ist das Land der Camper. Aber Australien ist eben auch teuer. Eine gute Option also, uns durch die Rückführung die Automiete erstmal zu sparen und uns ein Bild zu machen, wie und ob wir uns in diesem Land eigentlich länger bewegen können und möchten.

Blick auf die Nullarbor-Ebene

Erstmal wieder Autofahren lernen – Unser Roadtrip von Perth nach Sydney

Erstmal wieder Autofahren lernen. Und dann auch noch im Linksverkehr. Gott sei Dank befindet sich die Autovermietung schon ausserhalb des Grossstadtdschungels von Perth und der Verkehr ist relativ entspannt für die Rückgewöhnung hinters Steuer. Formalitäten liegen bereits hinter uns, ein nerviger Einkauf als Basis für unser neues Leben steht noch bevor. Aber dann endlich geht´s ab Richtung Südwesten. Wir müssen uns erst ein wenig einfinden und schaffen es an diesem ersten Tag unseres Roadtrips nur bis Busselton, einem Ferienort am Meer.

Angekommen in Busselton

Der Blick auf den Ozean entschädigt für die vielen Orga-Stunden am Morgen. Aber die Krönung setzt uns an diesem Tag die erste, aber von nun an obligatorische Begegnung mit den Wahrzeichen des Roten Kontinents auf. Pünktlich zur Abenddämmerung erscheinen die Kängurus am Strassenrand und hüpfen quer über die Wege. Doch bevor auch nur ein Schnappschuss zustande kommt, flüchten die Beuteltiere auch schon wieder ins Dunkel der Nacht.

Campen für lau – Traumspots wecken neue Rituale

Wir bahnen uns den Weg zu unserem ersten Nachtplatz. Kostenfreie Campingmöglichkeiten sind Standard in Australien. Manche mit Plumpsklo oder sogar mit Wasser ausgestattet, andere haben nicht mal einen Mülleimer. Aber, so unterschiedlich die Ausstattung, so verschiedenen auch die Campingplätze. Schon unser erster Spot erweist sich als absolutes Goldstück. Der bewaldete Platz wirkt in der Abenddämmerung einladend. Doch als das erste Licht des Morgens sich seinen Weg zwischen den hohen Bäumen bahnt, wird uns bewusst, wie grossartig dieses Fleckchen Erde tatsächlich ist.

Wenn das erste Licht des Morgens sich seinen Weg zwischen den hohen Bäumen bahnt

Wie wunderbar es ist, den Tag mit der aufgehenden Sonne zu beginnen. Wie friedlich es ist, inmitten der Natur zu sein. Ein Grund mehr, weshalb wir diesen Roadtrip von Perth nach Sydney so sehr lieben. Wir entwickeln Rituale. Und so soll kein Morgen in dieser Zeit vergehen, an dem wir nicht mit den ersten Sonnenstrahlen auf den Beinen sind.

Buckelpiste mit Känguru

Ist unser erster Nachtplatz ganz wundervoll, birgt der zweite ein erstes Highlight. Wir schlängeln uns bis in das kleine Städtchen Albany. Hübsch gestaltet und von einigen alten Gebäuden und Kirchen gesäumt, reisst uns der Ort aber nicht vom Hocker. Im letzten Tageslicht, immer in Halbachtstellung, einem kreuzenden Känguru ausweichen zu müssen, donnern wir im Schritttempo über eine Buckelpiste. Langsames Fahren im gleichen Atemzug mit der Umschreibung „donnern“ scheint sich auszuschliessen, erklärt sich aber im ohrenbetäubenden Ruckeln unsers Autos auf den steinharten Sandwellen, die die Strasse pflastern. Vor uns nur noch die Dunkelheit versetzt mit hauchzarten Lichtschimmern des schwindenden Tages. In Gedanken sind wir schon auf der Suche nach einem sicheren Platz für eine Nacht. Sicher vor den Ordnungshütern, weil es hohe Strafen auf Wildcampen in Australien gibt.

Momente, für kein Geld der Welt zu kaufen – Campen in der Nähe von Albany

Doch dann erscheinen hinter dichten Büschen die Schatten einiger Autos und Vans, die sich auf einem kleinen, staubigen Platz tummeln. Wir sichern uns einen der letzten Plätze und stehen vor einer Kulisse, die den Traum eines jeden Campers ausmachen dürfte. Fünf Schritte hinter unserem Heck beginnt der Strand, umrahmt von schroffen Felsen. Am Nachthimmel die Unendlichkeit, die sich in Millionen von Sternen zeigt. Sterne beobachten. Ein weiteres Ritual, dass uns vor dem Schlafengehen von nun an täglich in den Bann zieht. Die Ausmasse der Besonderheit dieses Ortes dürfen wir am nächsten Morgen erleben.

In Australien ist gerade Hochsommer. Aber schon seit Tagen bläst der Wind erbarmungslos. Am Morgen und Abend fühlen sich die Temperaturen kälter an als im europäischen Herbst. Und so stehen wir noch vor Sonnenaufgang, dick eingemummelt in unseren Fleece, mit einem heissen Kaffee in der Hand am Strand. Saugen den Duft des Meeres ein und lauschen den Lauten der Brandung. Geniessen einen dieser unglaublich wunderbaren Momente des Lebens, die es für kein Geld der Welt zu kaufen gibt.

Zum Sonnenaufgang erstmal einen Kaffee am Strand

Hoffnungsvoll in Esperance – Die erste Dusche seit Tagen

Die Tage sind lang. Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang sind wir unterwegs. Aufstehen mit dem ersten Licht, ein paar Stunden Fahren, die obligatorische Frühstückspause an einem hübschen Fleckchen Erde, immer wieder ein Zwischenstopp, um die Schönheit der Landschaften zu geniessen.

Frühstückspause

Oder, um gelegentlich eines der unheimlichen Dörfer zu passieren, die, insbesondere am Sonntag, noch unheimlicher wirken als im Film. Klappernde Windräder, Staubwolken, Ödnis. Keine Menschenseele auf der Strasse und das Gefühl, völlig allein zu sein. Einen gruseligenn Tankstopp und hunderte Kilometer durch die Wüstenlandschaft weiter hinter Albany erreichen wir erneut das Meer. Der Name des Ortes ist Gesetz. Esperance strahlt, nach all der Trockenheit der letzten Stunden, frische Hoffnung aus. Nicht nur, dass wir uns am nächsten Tag die erste Dusche auf unserer Reise gönnen. Der Ozean sprüht nur so vor Leben.

Esperance hält, was es verspricht

Dramatisch, lebendig, fantastisch – Die Küste am Great Ocean Drive

Es ist bereits später Nachmittag, als wir auf unserem Roadtrip von Perth nach Sydney den Great Ocean Drive erreichen. Eigentlich wollen wir nur mal kurz vorbeischauen, denn für unseren eigentlichen Plan noch bis in den Cape Le Grand National Park zu fahren, fehlt die Zeit. Fern jeglicher Vorstellung erscheint vor uns eine Kulisse, die fantastischer nicht sein könnte. Dramatische Wellen brechen im kristallklaren Wasser des tosenden Ozeans und spülen Schaum über die weissesten Sandstrände Australiens.

Dramatisch brechen sich die Wellen im kristallklaren Wasser des tosenden Ozeans

Wie aus dem Nichts tanzen die Fontänen über die schimmernde Fläche des Meeres. Kraftvoll und energiegeladen peitscht die See mit heftiger Wucht gegen die schroffen Felsen der Küste. Wir können uns dem Bann dieses Ortes kaum entziehen.

Verbringen die Zeit der einsetzenden Dämmerung hier und blicken bereits wenige Stunden später im ersten Tageslicht erneut über die gigantische, grünbewachsene Küstenlandschaft des Great Ocean Drives. Traumhaft. Mit dem ersten Kaffee in den Händen, erwacht der Morgen und gibt den Blick auf die Gewalten des Meeres und die Natur in ihrer ganzen Schönheit frei.

Frühstück am Meer

Faszination Cape Le Grand National Park

Es ist das Fotomotiv schlechthin. Ein Känguru auf dem blendend weissen Puderstrand, im Hintergrund das türkisblaue Wasser der Lucky Bay im Cape Le Grand National Park. Es soll der weisseste Strand Australiens sein. Kaum zu glauben, scheint der Besuch des Parks zunächst dem einer afrikanischen Safari gleich zukommen. Doch, je mehr wir uns dem Meer nähern, desto deutlicher verändert sich auch die Kulisse. Beeindruckende Felsformationen und tief abfallende Steilklippen ragen in das klare Wasser, dessen brechende Wellen sich in weisssprudelnden Pools an den Felsen sammeln. Dünenlandschaften bilden die kontrastreiche Grenze zwischen der trockenen Wüstenlandschaft und dem lebendigem Ozean.

Das nächste Highlight wartet schon - Der Cape Le Grand National Park

Schnee unter den Füssen

Wie Schnee knarzt der Sand unter unseren nackten Füssen, als wir die lang geschwungene Lucky Bay entlang spazieren. Unterhalb der grasbewachsenen Dünen zieht sie einen weiten Bogen und bietet ein hinreissendes Panorama auf die farbenprächtige See und ihre vorgelagerten Inseln.

Cape Le Grand National Park
Wie Schnee knarzt der weiße Sand unter unseren nackten Füssen

Die Augen im Spähmodus, erhoffen wir uns den Blick auf ein Känguru in dieser unwirklichen, Landschaft. Erst auf dem Rückweg zum Auto, als wir die Chance bereits fast als verloren betrachten, an diesem Ort überhaupt ein Beuteltier zu erblicken, hüpft uns eine kleine Familie direkt vor die Linse. Die Mama mit Kind kennt keine Scheu. Im Gegenteil, die beiden Kängurus suchen geradezu den Kontakt zu uns. Darüber hinaus zeigen sie sich auch während ihrer Nahrungsaufnahme völlig unbeeindruckt von den umstehenden Zuschauern.

Vollkommen in den Bann gezogen beobachten wir die Mimik und Gestik der Tiere aus direkter Nähe. Uns offenbart sich eine Ähnlichkeit, die an Rehe, Erdmännchen oder Hasen erinnert. Setzen die Kängurus aber zum Sprung an, erleben wir kraftvolle Bewegungen, die die Besonderheit dieser Spezies ausmacht. Ein absoluter Glücksmoment, den wir hier erleben dürfen und der uns noch lange an diesem Ort festhält.

Cape Le Grand National Park
Gesucht und gefunden - Kängurus im Cape Le Grand National Park

1200 km durch die Wüste – Auf der längsten geraden Strecke Australiens

Mit Esperance lassen wir weite Teile der verhältnismässig dichteren Besiedlung Western Australias hinter uns. Einige kleine Orte im Landesinneren passieren wir noch, bevor uns der Weg in die unendlich erscheinende Weite des Nullarbor-Plateaus und somit in Richtung South Australia führt.

146,6 km - Die längste gerade Strecke Australiens

1200 Kilometer Distanz liegen zwischen der letzten Stadt in Western Australia und dem ersten Ort in South Australia. Dazwischen nur die Wüste und die längste, gerade Strecke Australiens, auf die wir uns noch am Nachmittag begeben. Als würde sie verschluckt, endet die Strasse in der Ferne am Horizont. Welche Erlebnisse diese besondere Strecke, die Nullarbor – Ebene und das australische Outback noch für uns bereit hält, erzählen wir Euch im zweiten Teil über unseren Roadtrip von Perth nach Sydney, der uns über South Australia schliesslich nach Sydney führt.

Hier geht es zu Teil II unseres Roadtrips von Perth nach Sydney.

Mach mal ´ne Pause

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2 thoughts on “Unser Roadtrip von Perth nach Sydney – Part I: Western Australia

  1. Hi,
    Darf ich fragen wie viel Nebenkosten ihr Ca. Hattet ?
    Überlege grade auch die route mit nen travelmate zu machen und würde gerne die kosten abschätzen wobei wir eher einen Monat oder länger unterwegs sein könnten. Hab keine gute Vorstellung wie lange man braucht um die route entspannt zu machen…

    • Hallo Rabea,
      wir haben den Trip von Perth nach Sydney in 16 Tagen gemacht und dabei, ohne die Automiete, im Schnitt ca. 60 Euro pro Tag für 2 Personen ausgegeben. In diesen 60 Euro sind Benzinkosten, Lebensmittel und sogar Alkohol enthalten. Das mit Abstand meiste Geld ging dabei für Benzin drauf. Insgesamt haben wir 6000 km zurückgelegt und dafür allein pro Tag im Schnitt 37 Euro für Benzin ausgegeben. Wenn Du Dir für die gleiche Strecke also mehr Zeit nimmst, ist ja klar, dass der Tagesdurchschnitt auch sinkt, da Du die Benzinkosten auf mehr Tage verteilst. Bitte beachte dabei aber auch, dass wir immer nur auf kostenfreien Campingplätzen übernachtet haben.
      Bzgl. Deiner Frage, wieviel Zeit man einplanen sollte um die Strecke entspannt zu machen, würden wir mindesten 4 Wochen oder mehr empfehlen. Hängt aber natürlich davon ab, was Du vor Ort machen möchtest.

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