Nur eine Facette der Armut

von Edith

Man könnte darüber zu philosophieren beginnen was Armut ist, wann sie beginnt und wer eigentlich als arm gilt. Wir werden diese Frage nicht beantworten können, weil es aus unserer Sicht nicht sinnvoll ist globale Vergleiche zwischen unterschiedlichsten Lebenswelten anzustreben.
Tatsache ist aber, dass Äthiopien hinsichtlich der materiellen Ressourcen vieler Menschen, ein sehr armes Land ist. Die Darstellung unserer ganz subjektiven Beobachtungen innerhalb des Landes zeigt aber, wie sehr sich aber schon hier die Lebenswelten zu unterscheiden scheinen.
Seit wir im Osten Äthiopiens unterwegs sind, haben wir neben Addis, Station in zwei mehr oder weniger großen Städten gemacht, Harar zählt etwas über 100.000 Einwohner, Dire Dawa mehr als 300.000. Auf unseren bisherigen Reisen im Land sind wir meist in ländlichen Gegenden unterwegs gewesen, haben die Städte oft zum Nächtigen besucht und sind am nächsten Morgen weitergefahren.
Sauberkeit, schöne, neue Kleidung o.Ä. ist für hart arbeitende Farmer/ Arbeiter in ländlichen Gebieten eine Seltenheit. Die Häuser und Behausungen sind aus unserer Sicht teilweise katastrophal, aber oft ebenso traditionell. Armut ist an der Tagesordnung, aber offensichtlich auch der Zusammenhalt von Familie und dörflichen Gemeinschaften.
In ganz anderer Weise erleben wir die Armut in den gerade erst besuchten, verhältnismäßig kleinen Städten.
Slumviertel innerhalb der Stadt, Menschen, die teilweise leblos, schlafend auf den Gehwegen liegen, unzählige Erwachsene und Kinder, die nicht nur um Geld betteln, sondern klar äußern, dass sie hungrig sind, knochendünne Menschen in vollkommen abgewetzten Kleidungsstücken, um nur einen Teil dessen zu beschreiben, wie existenziell die Armut einen Teil der Bevölkerung hier betrifft.
Im Gegensatz hierzu treffen wir in den Städten aber auch auf moderne, junge, dynamische, gut ausgebildete und hochmotivierte Menschen, die sich abheben vom traditionellen, von Armut geprägtem Bild Äthiopiens.
Trotz dieser augenscheinlichen Gegensätze beobachten wir, auch in den Städten, regelmäßig Situationen, die auf einen respektvollen und unterstützenden Umgang miteinander schliessen lassen und somit das Bild eines funktionierenden Gemeinwesens zeichnet.
Inwiefern dieser Eindruck tatsächlich zutrifft, können wir nicht beurteilen. Uns spiegelt unser tägliches Erleben jedoch, wie facettenreich dieses Land ist und, dass wir vermutlich nie, auch nur annähernd begreifen können, wie die Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen und Rahmenbedingungen hier (miteinander) leben und empfinden.

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